Zuschüsse für Bunker Bayerns Bauminister fordert kriegssichere Tiefgaragen

Die Kriegsangst geht auch in Deutschland um. Deshalb setzt Christian Bernreiter, Bauminister in Bayern, nun auf ein Konzept aus dem Kalten Krieg: staatliche Zuschüsse für Tiefgaragenbunker.
Tiefgarage: Zuschüsse für zivile Schutzräume

Tiefgarage: Zuschüsse für zivile Schutzräume

Foto: Bert Heydel / Getty Images

Der Krieg in der Ukraine samt den russischen Drohungen zum Einsatz von Atomwaffen hat auch in Deutschland die Angst vor einem Krieg geschürt. Einrichtung und Erhaltung von Bunkeranlagen erscheinen auf einmal wieder relevant.

Vor diesem Hintergrund denkt der bayerische Bauminister Christian Bernreiter (CSU) über Zuschüsse für kriegssichere Tiefgaragen nach. »Für Tiefgaragen, die als Sicherungsanlagen für kriegerische Auseinandersetzungen ausgebaut wurden, hat es einmal erhebliche Zuschüsse gegeben. Das muss man jetzt wieder intensiv diskutieren«, sagte er der »Bild«-Zeitung.

In Bayern gebe es derzeit 150 Schutzräume, nachdem seit dem Jahr 2007 rund 300 weitere umgewidmet worden seien. Diese gebe es zwar größtenteils noch, sie gelten nach Angaben Bernreiters aber nicht mehr als Schutzräume. Ob sie reaktiviert werden können, müsse untersucht werden.

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Luftschutzanlagen wurden nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) errichtet, um die Bevölkerung vor möglichen Kriegseinwirkungen zu schützen. Insgesamt gab es in den alten Bundesländern rund 2000 öffentliche Schutzraumanlagen für etwa 1,4 Millionen Menschen.

Dazu gehörten auch Tiefgaragen von privaten oder öffentlichen Gebäuden, die um Bunkerräume erweitert wurden, oder S-Bahnhöfe. In Hamburg befindet sich etwa eine solche Anlage im Bahnhof an der Reeperbahn. Im Ernstfall hätten die Menschen durch eine gepanzerte Tür in die Räume gelangen können. Den Ausbau von Schutzräumen in Tiefgaragen förderte damals auch der Bund. Das Innenministerium finanzierte über Verträge solche Anlagen, die von den Bauämtern umgesetzt wurden. Die Bunker sollten Flächenbombardierungen und teils auch dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen standhalten.

Doch in den Neunzigerjahren liefen solche Bauprogramme aus, als die Sicherheitslage sich änderte. Anschließend wurden viele solcher Bauwerke aus der sogenannten Zivilschutzbindung, die dem Staat die Nutzung für Schutzzwecke garantierte, entlassen. Die Eigentümer, meist Städte und Gemeinden oder Privatbesitzer, konnten die Anlagen dann umbauen oder verkaufen. Um viele wurde sich kaum noch gekümmert, manche verstauben ungenutzt. »Öffentliche Schutzräume wie Luftschutzbunker gibt es nicht mehr«, heißt es auf der Website des BBK.

Doch nun deutet sich in der Politik ein Umdenken an. »Wir haben gedacht, wir leben in einer besseren Welt. So einen Krieg auf europäischem Boden hatte niemand erwartet«, sagte Bernreiter. »Die Realität holt uns jetzt wieder ein.« Auch das Bundesinnenministerium denkt derzeit über eine erneute Nutzung von Bunkern nach und prüft das Rückbaukonzept für die Schutzräume. In einem ersten Schritt wolle man eine vollständige Bestandsaufnahme der vorhandenen Schutzräume von Bund und Ländern vornehmen, hieß es.

joe/dpa