25 Jahre nach Aus in Deutschland Verbleites Benzin am Ende – letzter Tropfen vertankt

Blei im Benzin verursacht Herzkrankheiten, belastet das Trinkwasser und ist in Europa schon lange verboten. Erst jetzt stoppte das letzte Land den giftigen Kraftstoff.
Ende einer giftigen Ära: Benzin ist jetzt weltweit bleifrei (Symbolbild)

Ende einer giftigen Ära: Benzin ist jetzt weltweit bleifrei (Symbolbild)

Foto: imago images

In Deutschland ist es schon seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr an den Tankstellen zu haben, weltweit hat die Abkehr von verbleitem Benzin deutlich länger gedauert. Als letztes Land hat nun Algerien alle Vorräte verbraucht, teilte das UN-Umweltprogramm (UNEP) mit. Das sei ein »Meilenstein für die globale Gesundheit und unsere Umwelt«, sagte UNEP-Exekutivdirektor Inger Andersen.

Noch vor zwei Jahrzehnten wurde verbleites Benzin in mehr als hundert Ländern verwendet, obwohl schon damals Studien Zusammenhänge zu verfrühten Todesfällen, schlechter Gesundheit, Entwicklungsdefiziten bei Kindern sowie Boden- und Luftverschmutzung hergestellt hatten.

Seit 1996 in Deutschland verboten

Die ersten Warnungen gab es bereits 1924: Damals sind dutzende Arbeiter einer Ölraffinerie in den USA mit Krämpfen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Fünf wurden später für tot erklärt. Dennoch enthielt bis in die 1970er-Jahre fast das gesamte weltweit verkaufte Benzin Blei. In Deutschland kam bleifreies Benzin 1983 auf den Markt und verdrängte bis Mitte der 90-er Jahre das bleihaltige von den Tankstellen. 1996 wurde verbleites Benzin verboten.

Als UNEP 2002 eine Kampagne zum weltweiten Verbot des Kraftstoffs startete, hatten auch andere große Wirtschaftsmächte, darunter die USA, China und Indien, die Verwendung des Kraftstoffs bereits eingestellt. Doch die Situation in vielen ärmeren Ländern war nach wie vor schwierig. Nachdem Nordkorea, Myanmar und Afghanistan den Verkauf von bleihaltigem Benzin eingestellt hatten, gab es 2016 nur noch eine Handvoll Länder, die Tankstellen mit diesem Kraftstoff betrieben.

Die weltweite Umstellung auf bleifreie Kraftstoffe verhindere jedes Jahr mehr als 1,2 Millionen vorzeitige Todesfälle und spare mehr als zwei Billionen Euro an Kosten für die globale Volkswirtschaft, teilte UNEP mit. Die Zahlen stammen aus einer Studie aus dem Jahr 2010, die von US-Wissenschaftlern der California State University in Northridge geleitet wurde.

Hauptfaktoren für die Berechnung waren die Vorteile einer besseren Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung für die Gesamtwirtschaft, geringere medizinische Kosten – und ein Rückgang der Kriminalität. Höhere Kriminalitätsraten in früheren Zeiten werden nämlich mit Bleivergiftungen durch Benzin in Verbindung gebracht .

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Greenpeace begrüßte die Nachricht als »Ende einer giftigen Ära«. Wenn es möglich sei, einen »der gefährlichsten Umwelt-verschmutzenden Brennstoffe« des 20. Jahrhunderts abzuschaffen, dann »können wir alle fossilen Brennstoffe abschaffen«, erklärte die Umweltschutzorganisation.

fww/AFP
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