Urteil des Bundesgerichtshofs Radfahrer müssen nicht mit tückischen Hindernissen rechnen

Ein Radfahrer stürzt über einen Stacheldraht, der über einen Feldweg gespannt war. Ihm steht Schmerzensgeld zu, auch wenn er schnell unterwegs war, entschied der BGH. Denn es deutete nichts auf das Hindernis hin.
Radfahrer müssen innerhalb der "übersehbaren Strecke" anhalten können - das gilt jedoch nicht für Hindernisse, auf die nichts hindeutet, entschied der Bundesgerichtshof im Fall eines Mountainbikers, der auf einem Feldweg verunglückte (Symbolbild)

Radfahrer müssen innerhalb der "übersehbaren Strecke" anhalten können - das gilt jedoch nicht für Hindernisse, auf die nichts hindeutet, entschied der Bundesgerichtshof im Fall eines Mountainbikers, der auf einem Feldweg verunglückte (Symbolbild)

Foto: Joe Giddens/ DPA

Einen Radfahrer, der an einem ungewöhnlich schwer erkennbaren Hindernis verunglückt, trifft grundsätzlich keine Mitschuld - auch wenn er schnell unterwegs war. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Die Straßenverkehrsordnung verpflichtet Radfahrer, nur so schnell zu fahren, "dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann". Das gilt laut BGH aber nicht für Hindernisse, auf die nichts hindeutet. Sonst müssten sich Radfahrer immer im Schneckentempo bewegen, um rechtzeitig bremsen zu können. (Az. III ZR 250/17 u.a.)

Ein früherer Marineoffizier aus Rostock kann damit auf eine große Summe Schmerzensgeld hoffen. Ihm war 2012 bei Hamburg auf einer Tour mit dem Mountainbike ein über einen Feldweg gespannter Stacheldraht zum Verhängnis geworden. Beim Bremsen stürzte er kopfüber in die Absperrung. Seither ist er vom Hals abwärts gelähmt.

Der BGH macht dafür die örtliche Gemeinde und zwei für das Gebiet zuständige Jagdpächter verantwortlich. Wie viel Entschädigung der Mann genau bekommt, muss nun das Oberlandesgericht Schleswig klären.

ene/dpa
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