Studie sieht systematische Benachteiligung Frauen werden bei Verkehrsunfällen deutlich häufiger im Auto eingeklemmt als Männer

Im Straßenverkehr werden Frauen in Autos schwerer verletzt als Männer, hat eine britische Studie ergeben. Das liegt auch am Fahrzeugdesign und an altmodischen Crashtests.
Erste Hilfe nach einem Autounfall: Frauen tragen ein höheres Risiko

Erste Hilfe nach einem Autounfall: Frauen tragen ein höheres Risiko

Foto: Tashi-Delek / Getty Images

Frauen werden fast doppelt so häufig in einem Unfallfahrzeug eingeschlossen wie männliche Autofahrer. Fahrerinnen werden daher oft schwerer verletzt. Das zeigt eine britische Studie, die Daten von über 70.000 Krankenhauspatienten ausgewertet hat.

Obwohl Männer statistisch eher in schwere Unfälle verwickelt werden, wurden nur neun Prozent in ein Unfallfahrzeug eingeklemmt, bei Frauen waren es hingegen 16 Prozent. Sie erlitten zudem mehr Hüft- und Wirbelsäulenverletzungen, während Männer mehr an Kopf, Gesicht, Brust und den Gliedmaßen verletzt wurden, heißt es in der Untersuchung, die im Fachjournal »BMJ Open « veröffentlicht wurde.

Als Ursachen machen die Autoren Unterschiede in der Fahrweise und im Körperbau aus: Frauen säßen näher am Lenkrad, während Männer dazu neigten, weiter hinten im Fahrersitz Platz zu nehmen. Auch Unterschiede bei der Körperform spielten eine Rolle. »Wir wissen, dass das Becken von Frauen, sogar unter Berücksichtigung von Größe und Gewicht, viel breiter ist als das von Männern«, sagte Lauren Weekes vom Krankenhaus University Hospitals Plymouth gegenüber der britischen Zeitung »Guardian« . Crashtest-Dummys, die zur Simulation von Unfällen verwendet werden, ähnelten »eher einem 12-jährigen vorpubertären Mädchen als einer erwachsenen Frau«.

Mehr weibliche Crashtest-Dummys

Die Untersuchung zeige, dass diese Körpermerkmale es vielen Frauen erschwere, aus dem Autowrack zu kommen. »Frauen haben zum Beispiel eine viel höhere Rate an Beckenverletzungen und es ist schwieriger, sich selbst aus einem Auto zu befreien, wenn man sich das Becken gebrochen hat«, so Weekes.

Die Studie könnte Fahrzeugherstellern dabei helfen, das Fahrzeugdesign und die Sicherheitsmerkmale zu verbessern, um die Verletzungsraten bei beiden Geschlechtern zu senken, hoffen die Autorinnen. So müssten etwa Crashtest-Dummys  geschlechterspezifischer sein und auch biologische Eigenschaften von Frauen haben. Derzeit seien sie eher einem Durchschnittsmann nachempfunden.

Die Mediziner hoffen, dass die Behörden aufgrund der neuen Erkenntnisse ihre Sicherheitsprüfungen neu ausrichten. Während das in der EU bereits diskutiert werde, würde man in Großbritannien darauf bisher noch gar keine Rücksicht nehmen. »Weibliche Autoinsassen müssen genauso geschützt werden wie männliche Insassen«, so eine der Studienautorinnen.

sug