Dänische Studie 1,6 Kilometer am Tag – wie Radfahren den globalen CO₂-Ausstoß senken könnte

Wenn jeder Mensch so viel radeln würde wie die Dänen, ließe sich CO₂ in Höhe des jährlichen Ausstoßes von Großbritannien einsparen. Für entscheidende Wege werden Fahrräder bisher jedoch kaum genutzt.
Fahrradweg in Berlin (Symbolbild): Einsparpotenzial von Hunderten Millionen Tonnen CO₂

Fahrradweg in Berlin (Symbolbild): Einsparpotenzial von Hunderten Millionen Tonnen CO₂

Foto: Thomas Trutschel / Photothek / Getty Images

Jeder Mensch kann dazu beitragen, den weltweiten Kohlenstoffdioxidausstoß um jährlich etwa 400 Millionen Tonnen zu verringern – durch ein wenig tägliches Fahrradfahren. Bereits 1,6 Kilometer täglich hätten diesen enormen Effekt, wie ein Team um den Hauptautor Gang Liu, Professor für grüne Technologien an der Süddänischen Universität in Odense, herausfand.

Hauptziel der Untersuchung sei es zu zeigen, dass Radfahren bei der Verringerung des CO₂-Ausstoßes durch den Verkehr eine wichtige Rolle spiele, sagte Liu der Nachrichtenagentur AFP. Die Studie wurde in der Zeitschrift »Communications Earth and Environment«  veröffentlicht.

Immer auf dem Laufenden bleiben?

Fahrberichte, Analysen, aktuelle Nachrichten: So verpassen Sie keine Artikel aus der Rubrik Mobilität des SPIEGEL.

So aktivieren Sie Ihre Benachrichtigungen

In der Debatte über Klimaschutz im Verkehr liegt das Augenmerk Liu zufolge bislang eher auf Vorzügen von Elektroautos. Dabei könne der jährliche CO₂-Ausstoß allein durch tägliches Radfahren massiv gesenkt werden. Die Vorteile für die Gesundheit und die Verbesserung der Luftqualität seien dabei noch gar nicht einbezogen.

Die Studie verweist in diesem Zusammenhang auf die Niederlande und Dänemark als Länder mit einem sehr hohen Radverkehrsanteil: Niederländer legen demnach täglich rund 2,6 Kilometer Radweg zurück, Dänen rund 1,6 Kilometer. Würde jeder Mensch so viel radeln wie die Dänen, würden jährlich 414 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart, was laut den Berechnungen der Forscher etwa dem jährlichen CO2-Ausstoß Großbritanniens entspricht. Bei 2,6 Kilometern Radweg wie in den Niederlanden könnten die Emissionen sogar um 686 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Hälfte der Verkehrsemissionen von Pkw

Der weltweite Verkehr ist für ein Viertel des jährlichen CO₂-Ausstoßes verantwortlich – eine der Ursachen für die Erderwärmung. Die Hälfte dieser Abgase stammt mittlerweile von Pkw.

Fahrräder seien ein gutes Mittel gegen die Klimaschäden durch Kurzstreckenfahrten und gegen chronische Krankheiten, die mit einem sitzenden Lebensstil zu tun haben, schreiben die Wissenschaftler. »Dennoch sind die historischen Muster der globalen Fahrradproduktion, des Fahrradhandels, des Fahrradbestands und der Fahrradnutzung nach wie vor nur unzureichend beschrieben, was eine gründliche Untersuchung der Rolle des Fahrrads beim Übergang zu einem nachhaltigen Straßenverkehr verhindert.«

Für die Studie wurden Daten verarbeitet, die ein internationales Forscherteam seit den frühen Sechzigerjahren in der weltweit ersten Datenbank zum Besitz und zur Nutzung von Fahrrädern in 60 Ländern zusammengetragen hatte. »Hier haben wir den unseres Wissens ersten globalen Datensatz für die Produktion, den Handel, den Bestand und den Besitz von Fahrrädern nach Ländern von 1962 bis 2015 zusammengestellt«, schreiben die Wissenschaftler.

Demzufolge überstieg die Zahl der produzierten Fahrräder in dem untersuchten Zeitraum die der Automobilproduktion. Allein auf China, einen der größten Verursacher des weltweiten CO₂-Ausstoßes, entfielen dabei fast zwei Drittel der rund 123 Millionen Fahrräder, die 2015 hergestellt wurden.

Dennoch lag in den untersuchten Ländern der Anteil der Fahrradnutzung für tägliche Wege durchschnittlich bei nur fünf Prozent. In einigen Ländern wie den USA gibt es der Studie zufolge zwar viele Fahrräder, doch ihre Besitzer betrachten das Radfahren eher als Freizeitbeschäftigung denn als tägliches Transportmittel und legen auch kurze Strecken oft mit dem Auto zurück.

ani/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.