Immer mehr Leistung Deutsche Autofahrer stellen PS-Rekord bei Neuzulassungen auf

Das zehnte Jahr in Folge ist die Leistung bei deutschen Pkw gestiegen. Laut Experten ist kein Ende des Wettrüstens in Sicht. Das stellt die Hersteller vor ein Problem.
In Deutschland haben neu zugelassene Autos immer mehr Motorleistung (Symbolbild)

In Deutschland haben neu zugelassene Autos immer mehr Motorleistung (Symbolbild)

Foto: Daimler

Der Trend zu immer mehr Motorleistung in Deutschland ist ungebrochen. Laut einer Erhebung des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen hatten die im vergangenen Jahr 3,61 Millionen neu zugelassenen Autos durchschnittlich 158 PS unter der Haube - fünf PS mehr als ein Jahr zuvor und die zehnte Steigerung in Folge.

Treiber dieser Entwicklung waren nach Einschätzung des Studienleiters Ferdinand Dudenhöffer die Trends zu schweren SUV und zu leistungsstarken Plug-in-Hybrid-Antrieben. Neu zugelassene SUV verfügten im Schnitt über 172 PS. Zugleich machten Autos dieser Fahrzeugklasse 2019 rund 33 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen aus. "Mit 172 PS liegt die durchschnittliche PS-Zahl bei den SUV um neun Prozent oder 14 PS über dem Durchschnitts-Neuwagen", sagte Dudenhöffer der Tageszeitung "Die Welt ". Bei den Hybrid-Autos lag die Durchschnittsleistung sogar bei 194 PS. Hybride verfügen über zwei Motoren - neben dem Verbrenner arbeiten dort auch zusätzliche Elektromotoren. Im Vergleich zu herkömmlichen Pkw liegt die insgesamt abrufbare Leistung dadurch oft deutlich höher.

Dudenhöffer warnte die großen deutschen Hersteller vor einem möglichen Akzeptanzrisiko der Autofahrer bei zu starken Plug-in-Antrieben und SUV. "Nichts wäre gefährlicher für die Autobauer, als den Plug-in in die klimafeindliche Ecke zu manövrieren", erklärte der Autoexperte angesichts der aktuellen Klimadiskussion. "Immer neue, größere und mächtigere SUV könnten neue Debatten auslösen." Laut Dudenhöffer sollten die Hersteller auf besonders große "Monster-SUV" verzichten.

Der PS-Trend geht weiter

Dass sich der Trend zu immer mehr Leistung umkehrt, glaubt Experte Dudenhöffer allerdings nicht. "Nur einmal war in den vergangenen 25 Jahren die PS-Zahl der Neuwagen rückläufig", sagte Dudenhöffer der "Welt". Das sei zuletzt 2009 der Fall gewesen, als die Abwrackprämie vermehrt zum Kauf von Kleinwagen geführt hatte. Seitdem steigt die PS-Zahl stetig an. Diese Entwicklung werde sich laut Dudenhöffer weiter fortsetzen.

Mehr Leistung bedeutet aber auch mehr Verbrauch und höhere Emissionen. Dadurch geraten die Hersteller zunehmend unter Druck, weil sie die verschärften Klimaziele der EU einhalten müssen. Seit Anfang 2020 gilt für alle neu zugelassenen Fahrzeuge eines Herstellers ein durchschnittlicher Flottengrenzwert von 95 Gramm CO2 je Kilometer. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 4,1 Liter Benzin oder 3,6 Liter Diesel je 100 Kilometer. Für jeden Hersteller und seine Neuwagenflotte gilt dabei ein spezifischer Wert, der vom Durchschnittsgewicht der neu zugelassenen Autos abhängt. Für eine Marke, die überwiegend große und schwere Autos baut, liegt der Flottengrenzwert dann über 95 Gramm. Für jedes Gramm über dem spezifischen Zielwert muss der Hersteller pro verkauftem Auto 95 Euro Strafe zahlen. Vielen Herstellern drohen daher in den kommenden Jahren Geldbußen in Milliardenhöhe.

cfr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.