Nahverkehr Deutsche Bahn testet erstmals modernen Batteriezug

Batterien statt Diesel: Die Deutsche Bahn startet den Probebetrieb mit einem Akkuzug. Die Technik könnte vor allem in der Provinz eine Zukunft haben.
Batteriebetriebener Zug von Alstom

Batteriebetriebener Zug von Alstom

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Jan Woitas / dpa

Die Deutsche Bahn und der französische Schienenfahrzeugbauer Alstom wollen einen Batteriezug testen. Der Probebetrieb im Regionalverkehr soll schon in der kommenden Woche in Baden-Württemberg und Bayern starten und bis Anfang Mai dauern, wie beide Unternehmen in Berlin mitteilten.

Mit dem ersten derartigen Batteriezug im Kundenbetrieb gehe man nun im Regionalverkehr den nächsten großen Schritt auf dem Weg zu einer emissionsfreien Bahn in Deutschland, sagte DB-Regiochef Jörg Sandvoß. Alternative Antriebe seien die Zukunft der Mobilität, sagte Alstom-Manager Müslüm Yakisan.

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Der Probebetrieb in Baden-Württemberg startet am kommenden Montag. Werktags wird der Zug mit Fahrgästen auf der Strecke Stuttgart-Horb fahren. In Bayern geht es am 5. Februar los. Dort wird samstags und sonntags die Linie Pleinfeld – Gunzenhausen im Fränkischen Seenland bedient. Während die Batterie in Baden-Württemberg während der laufenden Fahrt geladen würde, könne in Bayern nur an den Ziel- und Startbahnhöfen aufgeladen werden, da die Strecke dazwischen nicht elektrifiziert sei. »Wir wollen unterschiedliche Aufladeszenarien testen«, sagte eine Sprecherin der Bahn dem SPIEGEL.

Alstom entwickelte den Zug seit 2016. Mit dem Test sollten Praxiserfahrungen gesammelt werden, um diese Zukunftstechnologien während des Betriebs und in der Wartung zu beherrschen, sagte Sandvoß.

In Deutschland werden insgesamt 450 Linien bislang ausschließlich mit Dieselzügen befahren. Die Bahn will in 30 Jahren klimaneutral sein. Dafür müssen unter anderem 1300 Dieseltriebzüge ersetzt werden, denn 13.000 Kilometer Schiene haben keine Oberleitung, das sind immerhin 39 Prozent des Netzes. Die Elektrifizierung geht langsam voran, gleichzeitig sind die Strecken ohne Stromanschluss oft nicht besonders stark befahren.

Auch Wasserstoffzüge will die Bahn testen. Die Technologie soll ab 2024 im Raum Tübingen erprobt werden. Der dabei eingesetzte Zug von Siemens soll eine Reichweite von 600 Kilometern haben.

Die Akkutechnik ist bei der Bahn nicht gänzlich neu. Laut Deutscher Bahn waren in den 1960er Jahren schon einmal Batteriezüge im Einsatz. »Sie brauchten zwar noch zusätzliche Wagen für den Batterietransport, aber das Prinzip war ähnlich«, teilte das Unternehmen dem SPIEGEL mit. »Jedoch hat sich die Technologie deutlich weiterentwickelt und die Akkutechnologie ist heute eine andere, als vor 60 Jahren.«

Neu seien etwa die Möglichkeit, die Batterien über die Oberleitung aufzuladen, deutliche schnellere Ladezeiten und ein geringerer Energieverbrauch. Zudem würden die Batterien heute auch für den Fahrgastkomfort, etwa die Wärmeversorgung des Zuges, genutzt.

Anmerkung: In einer ersten Fassung lautete die Überschrift »Deutsche Bahn testet erstmals Batteriezug«. Wir haben das Wort »modernen« ergänzt und eine Passage im Text hinzugefügt, um klarzustellen, dass die Batterietechnik nicht gänzlich neu bei Zügen ist. So hatte ein Vorgängerunternehmen der Deutschen Bahn, die Deutsche Bundesbahn, diese Technik laut Angaben der Bahn in anderer Form schon in den 1960er-Jahren im Einsatz.

joe/dpa