Dienstwagencheck der Deutschen Umwelthilfe Nur sieben Politikerautos halten CO₂-Grenzwert ein

Spritschlucker statt E-Antrieb: Der CO₂-Ausstoß von Dienstwagen deutscher Spitzenpolitiker steigt laut einer DUH-Studie. Nur sieben Fahrzeuge halten den Grenzwert ein.
Zahlreiche Politiker-Dienstwagen fielen in einer Untersuchung der DUH durch (Symbolbild)

Zahlreiche Politiker-Dienstwagen fielen in einer Untersuchung der DUH durch (Symbolbild)

Foto: Robert Michael / imago images

Komfort statt Klimaschutz – dieser Devise folgen offenbar die meisten Politikerinnen und Politiker bei der Wahl ihrer Dienstwagen. Das geht aus einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor. Demnach halten nur sieben der dienstlich genutzten Politikerautos den EU-Flottengrenzwert von 95 Gramm CO₂ pro Kilometer im Realbetrieb ein. Gleichzeitig stiegen im Schnitt die Kohlenstoffdioxidemissionen der Dienstwagen gegenüber dem Vorjahr von 225 auf 227 Gramm pro Kilometer.

Dafür sorgte laut DUH der steigende Anteil umstrittener Plug-in-Hybride, die im Realbetrieb oft deutlich mehr verbrauchen als von den Herstellern angegeben. Waren im Vorjahr noch 31 Prozent der untersuchten Dienstwagen extern aufladbare Hybride, lag ihr Anteil 2020 bei 43 Prozent.

Giffey verdrängt Scheuer im Negativranking

Für die Rangliste wurden 240 Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker in Bund und Ländern mit insgesamt 235 Dienstwagen befragt, die Mehrheit setzt nach wie vor auf den Diesel. 47 Prozent beziehungsweise 111 der untersuchten Fahrzeuge waren Diesel-Pkw, dicht gefolgt von insgesamt 101 Plug-in-Hybriden, die auf einen Anteil von 43 Prozent kamen. Nur drei Prozent – insgesamt acht Fahrzeuge – sind Benziner. Damit sind sie seltener vertreten als batterieelektrische Fahrzeuge, 15 Stromer sorgten für einen Elektro-Anteil von sechs Prozent.

Die Bewertung der DUH basiert auf dem Normverbrauchswert des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Die Werte der realen CO2-Emissionen werden anhand einer Studie  des International Council on Transportation (ICCT) zu herstellerspezifischen Abweichungen vom Normverbrauch ermittelt. Bei Elektroautos wurden die realen Emissionen auf Basis des deutschen Strommix des Jahres 2019 berechnet.

Im Bundeskabinett musste sich Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) mit dem letzten Platz begnügen, deren Audi A8 L 60 TFSI e quattro laut DUH im Realbetrieb 286 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstieß. Damit löste sie auf Bundesebene Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ab, dessen BMW 745Le xDrive iPerformance mit 258 Gramm CO₂ pro Kilometer den EU-Flottengrenzwert laut DUH um mehr als das 2,7-fache übertraf.

Das ungewöhnlichste Ergebnis verzeichnete der Berliner Senat, in dessen Fuhrpark sowohl der Dienstwagen mit dem höchsten als auch der mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß stehen. So stößt das Tesla Model 3 von Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) durch den deutschen Strommix laut DUH nur 64 Gramm CO₂ pro Kilometer aus. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) stand dagegen wie im Vorjahr am anderen Ende der Tabelle. Sein Mercedes-Benz S-Guard 600 bläst pro Kilometer 408 Gramm klimaschädliches CO₂ in die Luft.

Bremen fährt am klimafreundlichsten

Im Vergleich der Bundesländer schnitt Bremen am besten ab. Mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 194 Gramm pro Kilometer lag der Fuhrpark der Hansestadt knapp vor dem Berlins. Schlusslicht der Länderwertung war Hessen mit 257 Gramm CO₂ pro Kilometer.

Das Bundesministerium mit dem höchsten realen CO2-Ausstoß ist laut DUH das Bundesinnenministerium, dessen Fuhrpark im Schnitt 245 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer ausstößt. Am besten schnitt hier das Finanzministerium mit einem Wert von durchschnittlich 188 Gramm CO₂ pro Kilometer ab. Die besonders geschützten Fahrzeuge der Bundeskanzlerin, der Verteidigungsministerin, des Finanz-, Innen- und Außenministers wurden nicht gewertet.

ene
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