Autobahnen Verkehrssicherheitsrat fordert Tempo 130

Das Tempolimit auf den deutschen Autobahnen rückt ein Stück näher: Mit dem deutschen Verkehrssicherheitsrat spricht sich jetzt ein wichtiger Dachverband für eine Geschwindigkeitsbegrenzung aus.

Ein allgemeines Tempolimit von 130 km/h ist in Deutschland umstritten - nun könnte ein Beschluss des Deutschen Verkehrssicherheitsrates der Diskussion neuen Schwung verleihen

Ein allgemeines Tempolimit von 130 km/h ist in Deutschland umstritten - nun könnte ein Beschluss des Deutschen Verkehrssicherheitsrates der Diskussion neuen Schwung verleihen

Foto: Florian Gaertner/ photothek/ imago images

Die Forderung nach einem generellen Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen hat einen weiteren Fürsprecher gewonnen. Nun macht sich auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) für ein Tempolimit stark und spricht sich für eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h aus.

Damit erhöht sich der politische Druck, ein generelles Tempolimit einzuführen. "Die Stimme des DVR hat Gewicht, weil er eine Allianz aus vielen gesellschaftlichen Bereichen bildet", erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann. Dessen Lobbyarbeit könnte der Forderung nach einem Tempolimit nun mehr Gewicht verleihen - vor allem auf politischer Ebene. "Die Kraft, die von einem Tempolimit überzeugt werden müsste, ist die CSU", sagt Lühmann. "Hier kann der DVR einen Umdenkprozess einleiten."

ADAC und Autoindustrie sind DVR-Mitglieder

Auch DVR-Präsident Walter Eichendorf verweist auf die Mitglieder des Rates als entscheidende Komponente. Denn jede Organisation, die mit dem Thema Verkehrssicherheit zu tun habe, sei dort Mitglied - "vom ADAC bis zum Verband der Automobilindustrie. Das verleiht diesem Beschluss ein enormes politisches Gewicht", sagt Eichendorf und nennt ein Beispiel. So habe der DVR vor zehn Jahren die "Vision Zero" von null Verkehrstoten beschlossen. "Dafür wurden wir anfangs angefeindet, heute steht sie im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung. Genauso wird sich auch dieser Beschluss auswirken."

Dennoch unterstützen nicht alle Mitglieder den Beschluss, räumte Eichendorf ein. Das sei jedoch auch bei der "Vision Zero" der Fall gewesen, heute würden alle Mitglieder diese Forderung unterstützen. Man gehe davon aus, dass die meisten Mitgliedsorganisationen ihre Lobbyarbeit für ein Tempolimit verstärken werden, so Eichendorf, und fügt an: "Das wird einen Effekt haben."

Tempolimit als schnell umsetzbare Option für weniger Verkehrstote

Der DVR, der sich die Senkung der Anzahl von Schwerverletzten und Toten im Straßenverkehr zu Hauptaufgabe gemacht hat, sieht ein Tempolimit als kostengünstige und schnell umsetzbare Option, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. So habe sich die Bundesregierung im Jahr 2011 das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken, heißt es im Vorstandsbeschluss, der dem SPIEGEL vorliegt. Von diesem Ziel ist Deutschland jedoch weit entfernt - obwohl die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr auf einen historischen Tiefstand fiel.

Deutschland liegt dem Beschluss zufolge bei der Sicherheit auf Autobahnen nur im europäischen Mittelfeld, gleichzeitig gilt auf rund 70 Prozent der Autobahnen kein Tempolimit. Dort würde eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung dem DVR-Papier zufolge zu kürzeren Anhaltewegen und weniger schweren Unfällen führen, bei einem gleichzeitig harmonisch fließenderen Verkehr. Zusätzlich könnte ein Tempolimit laut einer Studie des Umweltbundesamtes fast zwei Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.

Für ein Tempolimit bietet sich laut DVR der Wert von 130 km/h an - denn er sei durch die aktuelle Richtgeschwindigkeit bekannt und europaweit das häufigste Tempolimit. Auf geeigneten Streckenabschnitten will der DVR in besonderen Fällen ein höheres Tempolimit durch dort angebrachte Schilder erlauben.

Verkehrsministerium will auf weitere Studie warten

Im Bundesverkehrsministerium will man dagegen auf das Ergebnis einer weiteren Studie warten, die auf der A7 in Niedersachsen durchgeführt werden könnte. Offiziell sollen dabei jedoch autonome Fahrzeuge und deren Verhältnis zu konventionell gesteuerten Pkw im Mittelpunkt stehen. "Dass ein Tempolimit zu weniger Toten und Schwerverletzten auf Autobahnen führt, ist wissenschaftlich unstrittig", sagt dagegen DVR-Präsident Eichendorf.

Eine weitere Studie bringe keine Erkenntnisse über die Vorteile eines Tempolimits, nur über die Vorteile bestimmter Höchstgeschwindigkeiten. Er nimmt stattdessen den Verkehrsminister in die Pflicht: "Jeder Verkehrsminister der letzten 15 Jahre hat gesagt, jeder Tote im Straßenverkehr sei einer zu viel. Wer das ernst meint, kann nicht gegen ein Tempolimit sein."