28 Prozent bis 2030 Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr soll deutlich steigen

Der Verkehrssektor gilt als entscheidend für den Klimaschutz. Die Bundesregierung will den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr nun deutlich steigern – und handelt sich dennoch Kritik von Umweltschützern ein.
Weniger CO₂ durch Strom und Wasserstoff: Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr soll deutlich steigen

Weniger CO₂ durch Strom und Wasserstoff: Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr soll deutlich steigen

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Harry Koerber / imago images

Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr soll in Deutschland bis 2030 auf 28 Prozent steigen – und damit doppelt so hoch sein wie von der EU vorgesehen. Das geht aus einer Gesetzesänderung hervor, die die Bundesregierung beschlossen hat. Sie beinhaltet neben größeren Anreizen für grünen Wasserstoff und dem Ausbau von Ladesäulen auch das Ende von Palmöl als Biokraftstoff ab 2026.

Im Flugverkehr wird ein Mindestanteil an Kraftstoff aus Ökostrom eingeführt. Dieses strombasierte Kerosin soll bis 2030 schrittweise einen Anteil von mindestens zwei Prozent ausmachen. Kraftstoffe aus Nahrungs- und Futterpflanzen sollen aus Naturschutzgründen – wenn möglich – nicht im Tank landen. Ihr Anteil soll mit 4,4 Prozent auf das aktuelle Niveau begrenzt bleiben.

Umweltorganisation kritisiert späten Palmöl-Ausstieg

»Mit dem Gesetz zur Förderung klimafreundlicher Kraftstoffe schafft die Bundesregierung ein wirksames Instrument, um Treibhausgasemissionen wirklich zu reduzieren«, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Es müsse dabei gewährleistet werden, dass Biokraftstoffe die Natur nicht zerstörten, sagte die Ministerin. »Was Erdöl ersetzen soll, darf nicht zugleich den Regenwald vernichten.«

Die Umweltorganisation Transport and Environment (T&E) kritisierte die Gesetzesänderung und wertete die künftige Rolle von Biokraftstoffen als Rückschlag für die Klimapolitik, da diese durch Landnutzungseffekte mehr CO₂ als Diesel und Benzin verursachten. Außerdem kritisierte die Organisation den Palmöl-Ausstieg im Jahr 2026 als zu spät, andere europäische Staaten wie Frankreich, Österreich und die Niederlande wollen laut T&E bereits in den kommenden Jahren auf Palmöl als Biokraftstoff verzichten. »Während andere EU-Mitgliedstaaten entschieden vorgehen, schaut Deutschland der Abholzung des Regenwalds tatenlos zu«, klagte T&E-Expertin Jekaterina Boening. Der Ausstieg aus dem Palmöl sei dabei nur der erste Schritt. »Die Nutzung aller Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen muss möglichst schnell beendet werden«, so Boening.

Deutschland will EU-Vorgabe deutlich übertreffen

Mit der Gesetzesnovelle wird die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien im Verkehr umgesetzt. Sie sieht vor, dass der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch im Verkehrssektor 2030 in der EU mindestens bei 14 Prozent liegen muss. Deutschland erfüllt diese EU-Vorgaben über die Treibhausgas-Minderungsquote (THG-Quote) und will sie mit der nun beschlossenen Novelle deutlich übertreffen.

Die THG-Quote verpflichtet Mineralölunternehmen, die Treibhausgasemissionen ihrer Kraftstoffe um aktuell sechs Prozent zu senken. Sie soll bis 2030 schrittweise auf 22 Prozent steigen. Dazu können die Firmen klimafreundliche Energie wie grünen Wasserstoff, Strom oder Biokraftstoffe einsetzen. Die »fortschrittlichen« Biokraftstoffe aus Abfällen oder Stroh sollen nach der Gesetzesänderung bis 2030 einen Anteil von mindestens 2,6 Prozent erreichen – sofern die THG-Quote nicht anderweitig erfüllt wird.

ene/dpa