Unfallstatistik 2019 Historischer Tiefstand bei Zahl der Verkehrstoten

2019 starben auf deutschen Straßen die wenigsten Menschen seit Beginn der Statistik. Vor allem die Zahl der getöteten Motorradfahrer sank. Mehr Unfälle gibt es bei den elektrischen Pedelecs.
Noch im Jahr 1970 starben in der Bundesrepublik rund 21.000 Menschen im Straßenverkehr, nun sank die Zahl der Getöteten auf einen historischen Tiefstand

Noch im Jahr 1970 starben in der Bundesrepublik rund 21.000 Menschen im Straßenverkehr, nun sank die Zahl der Getöteten auf einen historischen Tiefstand

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit mehr als 60 Jahren gesunken. Bei Unfällen im Straßenverkehr kamen 2019 insgesamt 3059 Menschen ums Leben, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das seien 216 oder 6,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Verkehrstoten erreichte damit den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik.

Auch die Zahl der Verletzten ging demnach 2019 gegenüber dem Vorjahr zurück. Sie sank um drei Prozent auf 384.000. Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahrzehnten, allerdings mit kleinen Ausreißern. 1970 war mit mehr als 21.000 Verkehrstoten der bisherige Höchstwert erreicht worden. 2018 war die Zahl im Vergleich zum Vorjahr auf 3275 angestiegen, Grund waren unter anderem mehr getötete Fahrradfahrer.

Stärkster Rückgang bei getöteten Motorradfahrern

Die Polizei erfasste 2019 allerdings erneut mehr Unfälle, rund 2,7 Millionen oder 1,9 Prozent mehr. Bei 300.200 davon wurden Menschen verletzt oder getötet.

Detailliertere Ergebnisse liegen den Angaben zufolge bisher für den Zeitraum Januar bis November 2019 vor: Diese zeigen den stärksten Rückgang bei getöteten Motorradfahrern, der Grund für diesen Rückgang blieb vorerst unklar. Einen starken Anstieg verzeichnete die Statistik dagegen bei Fahrern von Pedelecs, hier gab es ein Plus von 28 Toten (plus 32,6 Prozent).

Zu niedrige Bußgelder und schlechter Schutz für Radfahrer

Es gebe nach wie vor viel zu tun, sagte der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Rund 3000 Verkehrstote seien kein Grund zum Jubeln. So müsse es mehr Kontrollen auf Regelverstöße im Straßenverkehr geben wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch sowie zu hoher Geschwindigkeit. Das Bußgeldniveau sei auch zu gering. Radfahrer sowie Menschen, die mit E-Scootern oder Pedelecs unterwegs seien, würden nach wie vor zu wenig geschützt.

Beispielsweise an Kreuzungen: "Abbiegeunfälle werden von Lastwagen verursacht, oft aber auch von Autofahrern." Nötig seien getrennte Grünphasen für Rechtsabbieger und Fahrradfahrer, doch dies sei aus Platzgründen nicht überall möglich. Viele Unfälle geschähen außerdem mit Fahrradfahrern untereinander. Breitere Fahrradwege würden hier entgegenwirken, sagte Brockmann. Sehr gefährlich sei es zudem, wenn Radfahrer dicht an parkenden Autos vorbeigeleitet würden - wird ohne Rücksicht eine Autotür geöffnet, kann so leicht ein "Dooring"-Unfall die Folge sein. Auch die hohe Zahl der getöteten Motorradfahrer bleibe ein großes Problem, so Brockmann.

Die Bundesregierung habe für die Zeit zwischen 2011 und 2020 das Ziel ausgegeben, die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent zu reduzieren. Dies sei bei Weitem nicht in Sicht: "Bisher haben wir etwas über 20 Prozent Reduktion", kritisierte Brockmann.

ene/dpa/AFP
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