Mehr Oldtimer in deutschen Garagen Autoliebe

Autoklassiker werden immer beliebter, im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Zahl der Oldtimer um knapp 11 Prozent. Fachleute warnen angesichts des Booms davor, auf Wertzuwächse zu spekulieren.
Oldtimer wie dieser VW Scirocco werden immer beliebter - sind jedoch nur bedingt als Wertanlage geeignet

Oldtimer wie dieser VW Scirocco werden immer beliebter - sind jedoch nur bedingt als Wertanlage geeignet

Foto: imago/Rust

Der Oldtimerbestand in Deutschland ist erneut gestiegen. Zu Beginn des Jahres waren nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 595.046 der historischen Fahrzeuge zugelassen. Das sind 10,9 Prozent mehr als zum Stichtag 2019.

Zuwächse wurden in allen Klassen verzeichnet, besonders hoch fielen diese bei den Kfz-Anhängern (+17,8 Prozent), den Lastwagen (+14,3), den Zugmaschinen (+11,8) und den Pkw (+10,8) aus. Auf sie entfällt mit 526.002 Exemplaren oder 88,4 Prozent auch der Großteil der Oldtimer. 52.399 der Fahrzeuge waren 60 Jahre und älter.

Mögliche Gründe für den seit Jahren zu verzeichnenden Anstieg sind nach Angaben des KBA, dass die Alltagsautos der Siebziger- und Achtzigerjahre, wie zum Beispiel der Golf 1 oder der Opel Kadett, in großer Stückzahl gebaut wurden und aufgrund ihres guten Erhaltungszustands über ein "Oldtimer-Gutachten" verfügen. Ein "H" am Ende des Kfz-Kennzeichens dürfen Gefährte führen, die als "historisches Kulturgut" gelten und mindestens 30 Jahre alt sind.

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Damit ein Fahrzeug die 30-Jahre-Marke erreicht und - wie es die Anforderungen des H-Kennzeichens verlangen - einen guten und originalen Erhaltungszustand aufweist, bedarf es frühzeitig guter Pflege und Wartung. Für den Halter kann das H-Kennzeichen Vorteile bei Versicherung und Kfz-Steuer haben.

Käfer und Ente gehen immer

Claus Mirbach beschäftigt sich seit den Fünfzigerjahren mit Oldtimern, betreibt in Hamburg einen Oldtimer-Handel und organisiert auch Rallyes. Für ihn und seine Frau Britta sind es die "wunderschönen historischen Formen, die einfache Mechanik, die schönen Veranstaltungen in diesem Bereich", die sie an den alten Gefährten faszinieren.

Ihrer Erfahrung nach gibt es mehrere Kriterien, die einen Oldtimer zum nachgefragten Objekt machen: Ist es eine Rarität, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Aber auch, was man selbst aus der eigenen Jugend oder dem Familienumfeld kenne, spiele eine Rolle. Und "Käfer, Ente und Co. gehen immer", sagt Claus Mirbach.

Oldtimer als Wertanlage lohnt meist nicht

Einen Oldtimer als reine Wertanlage zu kaufen, lohnt sich nach Angaben der Mirbachs nicht. "Ein historisches Automobil ist immer ein Hobby, genau wie ein Pferd oder ein Boot", sagt der Oldtimerhändler. Der Wertzuwachs sei immer vom Einzelobjekt abhängig, vom Zustand, der Historie, der Seltenheit.

Er weist auch auf die mit einem Fahrzeug verbundenen Kosten, beispielsweise für Werkstatt, Versicherung, Unterstellung und Ersatzteile hin. Und man müsse seinen Oldtimer auch fahren: "Die übelsten Schäden kommen immer, wenn der Wagen nur steht."

Wenn man dies alles bedenke, den Wagen immer fahre und regelmäßig warte, dann werde man sein Geld wieder erlösen, oder mit Glück, wie an der Börse, auch mal deutlich mehr bekommen. Aber: "Für wen die Rendite im Vordergrund steht, sollte die Hände von diesen Objekten lassen."

Auch Fritz Cirener zufolge, der beim Verband der Automobilindustrie (VDA) das Thema historische Fahrzeuge verantwortet, könne es in einigen Fällen zwar so wirken, als sei ein Oldtimer eine gute Wertanlage. "Eine Blendung durch Versteigerungserlöse besonderer Klassiker ist häufig der Fall. Wenn Sie Stand-, Betriebskosten und Inflation einrechnen, ist Ernüchterung angesagt, weil die vermeintliche Wertsteigerung hierin oft verpufft." Generell habe sich der Trend bei der Wertentwicklung deutlich verlangsamt.

ene/dpa
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