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Konferenz der Verkehrsminister Deutschlandticket soll neun Euro teurer werden

Die Verkehrsminister der Länder haben entschieden: Das Deutschlandticket wird nach SPIEGEL-Informationen künftig 58 Euro kosten. So soll die Staatskasse entlastet werden.
Regionalzug in Bayern

Regionalzug in Bayern

Foto: Matthias Balk / dpa / picture alliance

Das Deutschlandticket wird teurer: Ab 1. Januar 2025 soll der Fahrschein nach SPIEGEL-Informationen 58 Euro kosten und damit neun Euro teurer sein als bisher.

Bereits Anfang Juli hatten sich die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister der Länder bei einer Sonderkonferenz grundsätzlich verständigt, dass das Deutschlandticket ab kommendem Jahr teurer werden soll. Eine Preiserhöhung für das Ticket im Jahr 2025 sei erforderlich, »um gemeinsam mit dem staatlichen Zuschuss von Bund und Ländern ein passendes Finanzierungskonzept auszubalancieren«, heißt es dazu in der Beschlussvorlage, die dem SPIEGEL vorliegt.

»Die Verkehrsministerkonferenz weist darauf hin, dass die Attraktivität des Deutschlandtickets auf Dauer nur gesichert werden kann, wenn in Zukunft neben dem Ticketpreis auch der Zuschuss von Bund und Ländern angemessen dynamisiert wird«, heißt es in der Beschlussvorlage weiter. Durch das günstigere Angebot entstehen für die Verkehrsunternehmen hohe Einnahmeeinbußen. Bund und Länder hatten sich ursprünglich darauf verständigt, diese jeweils zur Hälfte auszugleichen. Die Regionalisierungsmittel, mit denen der Bund die Länder bei der Bereitstellung des ÖPNV unterstützt, wurden dafür erhöht.

Zähe Debatte

Rund anderthalb Stunden haben die Verkehrsminister der Länder hitzig diskutiert. Dabei äußerten sie auch ihren Unmut über den Bund. »Wir sitzen hier und machen uns Sorgen um Abokunden, wir fahren auf eine Wand zu, wenn nicht irgendwann eine klare Aussage vom Bund kommt, dann ist es egal, dann ist das Deutschlandticket weg«, sagte etwa Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe-Madsen (CDU).

Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) übte harsche Kritik am Bund, der sich in der Debatte über den Ticketpreis heraushält. An die Adresse von Wissings Staatssekretärin Susanne Henckel, die ebenfalls zugeschaltet war, schrieb Lies im Chat: »Der Bund kann sich nicht aus der Preisdiskussion raushalten. Das ist ein gemeinsames Ticket«. Dass der Bund dies nicht tue, sei auch eine Aussage, pflichteten ihm mehrere Teilnehmer bei.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gab in der internen Schalte zu bedenken, er müsse selbst im reichen Baden-Württemberg angesichts knapper Kassen »grausame Entscheidungen« treffen, wenn sich an den Regionalisierungsmitteln nichts ändere.

Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Reinhard Meyer sprach von einer »Grundsatzfrage«, wie das Ticket zu subventionieren zu sei. Er sprach sich deutlich gegen eine Erhöhung um mehr als fünf Euro aus: Einer Erhöhung über 54 Euro hinaus könne er nicht zustimmen.

»Ich muss in den Flieger«

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter während der Verhandlungen zum Deutschlandticket

Dieser Aussage des SPD-Politikers wurde vonseiten der Union heftig widersprochen. »Lieber Reinhard, das bedeutet das Aus! Aufgabenträger steigen aus!«, schrieb Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) in den Chat. Umso ungeduldiger sah der CSU-Politiker einer Einigung entgegen: »Ich muss in den Flieger«, schrieb er. Der Debatte konnte er nur zum Teil folgen, da er sich im Auto Richtung Münchner Flughafen befand.

»Wir machen uns lächerlich«

Gegen Ende kam es zu einem Schlagabtausch zwischen Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Reinhard Meyer und Vertretern von Union und Grünen. Meyer wollte die Entscheidung vertagen und regte an, den Preis erst 2026 auf 59 Euro zu erhöhen. Für diese Entscheidung wurde er scharf kritisiert, besonders von Grünen-Verkehrsminister Winfried Hermann aus Baden-Württemberg: »Wir machen uns lächerlich«, sagte Hermann genervt.

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Hermanns Parteifreund Oliver Krischer aus Nordrhein-Westfalen, versuchte, daraufhin zu besänftigen, etwa indem er Meyers Wunsch nach einer Abstimmung nach Ziffern in der Beschlussvorlage entgegenkam. So einigten sich die Verkehrsminister einstimmig auf die Preiserhöhung – nur Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern enthielten sich.

Das Deutschlandticket für 49 Euro im Monat gilt seit dem 1. Mai 2023. Es berechtigt bundesweit zur Fahrt in allen Bussen und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs. Das Ticket ist als Abonnement gedacht, aber monatlich kündbar.

fin/ani