Wohnmobile im Dieselskandal Hunderte Anzeigen gegen Fiat und Iveco

In Deutschland sind vermutlich 200.000 Fahrzeuge von Fiat und Iveco von Dieselmanipulationen betroffen – darunter viele Wohnmobile. Nach einem Aufruf der Ermittlungsbehörden setzen sich die Kunden jetzt zur Wehr.
Wohnmobile auf Basis des Fiat Ducato sind möglicherweise von Dieselmanipulationen betroffen

Wohnmobile auf Basis des Fiat Ducato sind möglicherweise von Dieselmanipulationen betroffen

Foto: Sebastian Geisler / imago images

Drei Monate nach der Diesel-Razzia bei Fiat Chrysler (FCA) und Iveco haben Hunderte Fahrzeugbesitzer Anzeige gegen die beiden Hersteller erstattet. Rund 300 lägen inzwischen vor, regelmäßig gingen zudem noch weitere ein, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main der Deutschen Presse-Agentur mit. In etwa 90 Prozent der Fälle gehe es um Wohnmobile.

Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht des Betruges mit sogenannten Abschalteinrichtungen in der Abgasreinigung. Im Juli hatten Ermittler den Sitz von FCA Deutschland in Frankfurt am Main, Iveco in Ulm sowie weitere Objekte in Italien und der Schweiz durchsucht. Neun Beschuldigte stehen weiterhin im Fokus, drei Verantwortliche von Fiat Chrysler sowie sechs des Schwesterkonzerns CNH Industrial, zu dem die Nutzfahrzeugmarke Iveco gehört.

Die Ermittler hatten Käufer von Fahrzeugen mit möglicherweise manipulierten Motoren aufgerufen, sich bei der Polizei zu melden und Verträge und Bescheinigungen vorzulegen. Unter Verdacht stehen die Dieselmotoren 1,3 Liter Multijet, 1,3 Liter 16V Multijet, 1,6 Liter Multijet, 1,6 Liter, 2,0 Liter Multijet, 2,0 Liter, 2,2 Liter Multijet II, 2,3 Liter, 2,3 Liter Multijet, 3,0 Liter aus den Jahren 2014 bis 2019. Die beiden Konzerne haben betont, mit den Behörden zu kooperieren.

Alfa Romeo und Jeep betroffen - aber auch viele Wohnmobile

Außer um Fiat- und Iveco-Fahrzeuge geht es auch um die FCA-Marken Alfa Romeo und Jeep. Welche Modelle konkret betroffen sein sollen, hatte die Staatsanwaltschaft nicht mitgeteilt. Die genannten Motoren mit den Abgasnormen Euro 5 und 6 stecken in einer Reihe von Fiat-, Jeep- und Alfa-Romeo-Fahrzeugen vom Kleinwagen bis zum Transporter und zudem auch in Modellen von Iveco.

Nach Angaben der Ermittler sind in Deutschland mehr als 200.000 Fahrzeuge betroffen, darunter viele Sonderformen wie eben Wohnmobile. In allen soll - wie bei anderen Herstellern auch - eine Technik stecken, die dafür sorgt, dass die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickstoffdioxid nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. "Fahrzeuge mit einer derartigen Abschalteinrichtung sind auf dem gemeinsamen Markt nicht genehmigungsfähig, weswegen Kunden Fahrverbote oder Stilllegungen drohen", hatte die Staatsanwaltschaft damals erläutert.

Den aktuellen Angaben der Behörde zufolge sind seither vereinzelt auch Anzeigen eingegangen, die nichts mit den Ermittlungen zu tun haben. Welche Konsequenzen diese haben, ist bislang unklar. Bei Anzeigen von Gebrauchtwagenkäufern etwa lasse sich nicht nachweisen, dass der Händler von den mutmaßlichen Manipulationen wusste. Zudem hätten diese Käufe nicht zu einer Bereicherung des FCA-Konzerns geführt.

Andere Fälle wiederum beträfen Dieselmotoren aus US-Produktion, die in den Modellen Lancia Voyager und Jeep Wrangler steckten und bei denen es bislang keine hinreichend gesicherten Erkenntnisse für eine Abschalteinrichtung gebe.

mhe/dpa
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