Stockende Mobilitätswende Jede zweite Kommune hat keine öffentlichen Ladesäulen

Vor allem in kleinen Orten gibt es laut Statistiken der Bundesnetzagentur keine Stromtankstellen. Dabei müsste die Infrastruktur mitwachsen, damit die Zahl der E-Autos wie geplant steigen kann.
An dieser Schnellladeanlage im nordrhein-westfälischen Kamen gibt es 52 Ladepunkte

An dieser Schnellladeanlage im nordrhein-westfälischen Kamen gibt es 52 Ladepunkte

Foto: Bernd Thissen / dpa

Weit mehr als eine Million E-Autos sind in Deutschland unterwegs, wenn man sogenannte Plug-in-Hybride mitrechnet, also Fahrzeuge, die sowohl einen Verbrennungs- als auch einen Elektromotor an Bord haben. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Zahl der strombetriebenen Pkw hierzulande auf 15 Millionen steigen – doch das setzt einen massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur voraus.

Der Ausbau passiert aber bisher zu langsam. Jede Woche müssten 2000 Ladepunkte errichtet werden, beklagte  im Sommer die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller. Es würden aber nur um die 300 gebaut. Aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur belegen denn auch: In mehr als der Hälfte der Gemeinden in Deutschland steht bisher keine öffentlich zugängliche Ladesäule für E-Autos. Die 25.376 öffentlich zugänglichen Ladeeinrichtungen mit 49.207 Ladepunkten für Elektroautos sind nämlich höchst ungleich verteilt.

Paradoxe Situation in Bayern

So steht es in einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage von Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe  vorliegt. Von den 10.796 Gemeinden in Deutschland verfügen demnach 6516 über keine einzige Ladesäule für Elektroautos. Hier können entsprechende Fahrzeuge nur an privaten Ladeboxen daheim mit neuer Energie versorgt werden.

Besonders wenige Kommunen mit Ladesäulen gibt es dem Bericht zufolge in Rheinland-Pfalz mit seinen vielen kleinen Orten (1962 von 2302 ohne Ladesäule). Aber zum Beispiel auch in Thüringen (491 von 633 Gemeinden ohne Ladesäule) ist das Angebot überschaubar. Etwas paradox ist die Situation in Bayern. Hier gibt es zwar in absoluten Zahlen die meisten Ladesäulen pro Bundesland, aber auch eine große Zahl von Orten ohne entsprechendes Angebot (994 von 2056). In Nordrhein-Westfalen dagegen haben nur acht von insgesamt 396 Orten keine Lademöglichkeit für E-Autos.

Forderung nach mehr Geld für den Ausbau der Ladesäulen

Bartsch sprach den Funke-Zeitungen gegenüber von einem großen »Ladesäulenversagen«. Der Umstieg auf E-Mobilität könne nicht gelingen, wenn Politik die Bereitstellung von Infrastruktur verschlafe. »Statt den Kauf von Elektroautos mit Milliarden zu subventionieren, muss die künftige Bundesregierung Milliarden in ein bundesweites Ladesystem investieren«, forderte er.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann. »Es gibt einen Crash, wenn wir da nicht nacharbeiten«, warnte er in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« . Förderprogramme liefen, Fabriken würden umgestellt und Kunden wollten die Fahrzeuge – gleichzeitig gebe es zu wenige Ladesäulen.

chs/AFP
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