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Ratgeber Rad: E-Fatbike Elom 505 Ti

Foto: Stefan Weißenborn

Ratgeber Rad – E-Fatbike Elom 505 Ti Allzeit breit

Das teure Elektro-Fatbike 505 Ti hat laut dem deutschen Hersteller Elom die dicksten Reifen am Markt. Deshalb fing sich unser Testfahrer viele Kommentare. Die vergaß er im Wald aber schnell.

Der erste Eindruck: Massiver Auftritt! Ist dieses E-Fatbike mit Titanrahmen und Ultrareifen nur etwas für Poser mit viel Geld, oder steckt mehr hinter der Fassade?

Das sagt der Hersteller: Das Fatbike der kleinen Manufaktur Elom aus dem bayerischen Großostheim zieht eine »komische Kundschaft« an – so formuliert es selbst Daniel Lippert, der Geschäftsführer. Er meint das positiv. »Die kommen nicht durch Werbung, sondern durch Eigeninteresse auf uns zu.«

Dabei plagt Fatbikes ein Vorurteil: Sie seien nur etwas für Heranwachsende mit Geltungssucht – was auf das Elom in gesteigertem Maße zutreffen könnte. An keinem anderen Serienfatbike der Welt sind laut Lippert breitere Reifen montiert. Ja, das Fahrrad polarisiere, »das ist mir mittlerweile aber komplett egal«. Die Fahreigenschaften seien unübertroffen. »Das ist ein Unimog, der im Gelände nicht aufzuhalten ist.«

5,05 Zoll (12,83 cm) sind die Reifen breit – und so großvolumig, dass sie mit äußerst geringem Luftdruck von nur 0,3 Bar gefahren werden können. Dadurch sei die Aufstandsfläche der Gummis sehr groß, sagt Lippert. Die »exorbitant hohen Stollen« verzahnten sich geradezu mit dem Boden. Traktionsprobleme auf Geröll oder Sand? Trotz impulsiv ansprechendem Bosch-Mittelmotor laut dem Elom-Chef unbekannt. »Erst auf Schnee oder im Matsch bringen Sie die Reifen ansatzweise zum Durchdrehen.«

Aber nicht alles am Rad ist funktional, sagt Lippert. So fahre sich das Elom auf normaler Straße träge. Hinzu komme bei zu geringem Luftdruck der »Self Steering«-Effekt: Dabei zieht der Reifen das Fahrrad ins Kurveninnere. »Auch das fühlt sich eigenartig an.« Und dass das Fatty um einen Rahmen aus dem haltbaren, aber teuren Werkstoff Titan herum aufgebaut ist, habe dann doch »mit Prestige zu tun«. Fette 9350 Euro kostet das 505 Ti mit der elektrischen 14-Gang-Nabenschaltung von Rohloff – mindestens.

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Das ist uns aufgefallen: Das Elom ist ein sozialer Katalysator. Auf der Straße rollt es zäh und so lautstark ab, dass vom Motor nichts zu hören ist. Wer sich nicht nach dem bienenschwarmartigen Brummen der Reifen umdreht, reagiert spätestens beim Anblick des Monsterbikes: Ein Mountainbikefahrer schaut abschätzig über seinen Sportbrillenrand auf die dicken Stollen, grinst dann aber. Ein älteres Paar mit Nordic-Walking-Stöcken hält inne. Sie fragt: »Fahren Sie damit durch den Wald?« Er sagt: »Sieht schön aus« – was beide unisono in »beeindruckend« korrigieren. Es gibt praktisch niemanden, der nicht irgendwie reagiert.

Die Außenwirkung ist bald vergessen. Die Reifen gleiten über Kopfstein und getrocknete Profilrillen einer Waldmaschine hinweg. Erschütterungen schlucken die Reifen weg. Feinen Komfort liefert die Federgabel, doch man muss das Rad schon hart herannehmen, um es zu spüren. Selbst in Kurven oder auf Geröll vermittelt das Fatty Bodenhaftung, andere Mountainbikes würden dort abschmieren. Das ist gefühlte Fahrsicherheit.

Nicht der Sandstrand am See stoppt den Vortrieb des Elom, nicht die Matschfurche im Wald – und auch nicht ein steiler, staubiger Hang, der mit größeren Kieseln übersät ist. Da schabt kein durchdrehender Hinterreifen, kein Vorderrad hebt ab. Dass es am Boden bleibt, liegt auch am Mehrgewicht des Reifens. So gesehen könnte man auf die leichten Carbonfelgen, die am Testbike pro Laufrad über 200 Gramm an Gewicht einsparen und 790 Euro extra kosten, womöglich gut verzichten. Ob das Rad Steigungen mit den serienmäßigen und schwereren Alufelgen noch besser erklimmt, wäre jedenfalls einen Vergleich wert.

Sogar über dünne Baumstämme, die der jüngste Sturm über den Weg gelegt hat, rollt das Titanbike hinweg, ohne dass man den Vorbau lupfen müsste. Dabei setzt es dann zwar leichte Schläge in die Unterarme, und die Reifenflanken schlagen beim Aufprall Falten. Aber das sei so noch im Sinne des Erfinders, sagt Lippert.

Motor

Bosch Performance Line CX, 250 Watt, 85 Nm

Akku

Bosch, 500 Wh, vollständiger Ladevorgang 4 Stunden

Tretunterstützung

bis max. 25 km/h, abschaltbar

Antrieb

Gates Carbon-Zahnriemen

Rahmen

Titan, drei Größen (Rahmenhöhe 44 cm, 48 cm, 52 cm)

Schaltung

Rohloff Speedhub XXL E-14

Bremsen

Scheibenbremsen Hayes Dominion, vorn und hinten je 203 mm

Bereifung

Veetire 2XL

Beleuchtung

Supernova M99 Mini Pro 25 mit Fernlichtfunktion

Gewicht

ca. 24 Kilo

Federweg

Gabel Manitou Pro EXT, 100 mm

Radstand

1238 mm (in Größe L)

Preis

Testrad:

10.245 Euro (ab 9350 Euro)

Das muss man wissen: Die Abgeklärtheit des Rades, die mit jedem Kilometer auch die Person im Sattel erfasst, erfordert eine besondere Konstruktionsweise. Damit derart breite Reifen ans Fahrrad passen, hat Lippert einen speziellen Rahmen entworfen: Sitz- und Kettenstreben klaffen weit auseinander. Die Naben hinten und vorn sind mit 197 Millimetern und 150 Millimetern rund fünf und vier Zentimeter breiter als bei einem herkömmlichen MTB. Entsprechend weit greift die Federgabel.

Weil mit den breiten Naben der Antriebsriemen weiter außen läuft, also mehr Abstand zum Rahmenrohr hat, ist auch der Abstand der Kurbelarme zueinander größer. An Bord ist eine Nabenschaltung, denn eine Kettenschaltung ließe sich nicht optimal schalten. In den ersten beiden Gängen würde die Kette, die dann weiter innen läuft, an den XXL-Reifen schleifen, sagt Lippert. Aber die elektrische Rohloff ist eine gute Wahl, die Gänge sind in Sekundenbruchteilen gewechselt. Geschaltet werden darf, anders als bei einer Kettenschaltung, auch im Stand.

Spürbar ist der erhöhte Stromverbrauch. Pauschale Reichweitenangaben sind bei E-Bikes allgemein wenig sinnvoll. Der Aktionsradius hängt von Faktoren wie Fahrergewicht, Wind und Wetter, Topografie, Trittfrequenz oder Unterstützungsstufe ab. Beim Elom ist aber schnell klar: Der höhere Rollwiderstand frisst Kilometer. Während unseres Testzeitraums zeigte das Display bei vollgeladenem 500-Wh-Akku maximal 65 Kilometer an – das ist wenig. Wer den Strombedarf drosseln möchte, bestellt das 505 Ti mit etwas schmaleren 4,8-Zoll-Reifen.

Ein Wort zu den laufenden Kosten: Im Rahmen verbirgt sich ein GPS-Tracker der deutschen Marke »It's my bike«. Über ihn lässt sich das Fahrrad per Smartphone-App (iOS, Android) und Mobilfunk orten – etwa, wenn es gestohlen wurde. Seinen Akku versorgt die E-Bike-Batterie. Für drei Jahre sind die Konnektivitätsdienste im Kaufpreis enthalten, danach wird eine Jahresgebühr von 49 Euro fällig – sofern man nicht auf die Funktion verzichten mag. Zudem muss Dichtmilch alle paar Monate nachgefüllt werden, wenn man die Pneus schlauchlos fährt. Dazu müssen übers Ventil pro Laufrad etwa 150 Milliliter nachgefüllt werden – eine 500-ml-Flasche Reifendichtmittel etwa von Schwalbe kostet 22 Euro.

Das werden wir in Erinnerung behalten: Lipperts Worte, dass es gewisser Reife bedürfe, um die Qualitäten des Fatbikes hinter dessen Poserfassade zu entdecken. Dass die Kunden des 505 Ti meist jenseits der Fünfzig sind, könnte aber auch schlicht daran liegen, dass im gesetzten Alter Budget für so ein Spielzeug vorhanden ist.

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