DER SPIEGEL

Luftverschmutzung in Indien Auf drei Rädern in die Zukunft

Neu-Delhi hat die schlechteste Luftqualität weltweit. Aber Indien will abgasfrei werden: Neue Rikschas und Motorräder dürfen bald nur noch elektrisch fahren. Doch der Wandel wird schwer.
Ein Video von Fabian Pieper und Raghavendra Verma

Unterwegs in Neu-Delhi – der Stadt mit der schlechtesten Luftqualität der Welt. Baustellen, Brandrodung von Feldern, Industrie- und Verkehrsabgase: die schmutzige Luft macht die Menschen krank – und Covid-19 trifft sie besonders hart: Laut einer Studie könnten 15 Prozent der Corona-Toten weltweit "auf das Konto von Luftverschmutzung" gehen – in Delhi dürften es mehr sein. 

Im Kampf gegen den Smog sollen diese wackligen Fahrzeuge helfen: Abgasfreie Elektro-Rikschas. Sie sollen auf den Straßen indischer Städte den Wandel zur E-Mobilität als erste mittragen: Ab 2023 will die indische Regierung nur noch elektrisch betriebene dreirädrige Fahrzeuge zulassen, ab 2025 gilt das für alle Zweiräder. 

Mohammad Jahid, E-Rikscha Fahrer 

»Ich fahre diese Rikscha sehr gerne. Man hat keinen Ärger mit dem Schalten. Jede normale Person kann sie fahren. Es gibt keinen Rauch, keine Abgase, macht einen nicht krank. Es ist besser, viel besser.«

Kurze Teepause für Mohammad Jahid. Seit sein Vater krank ist, hat der Sohn dessen E-Rikscha übernommen und sichert so das Einkommen der Familie. Umgerechnet 6 Euro am Tag verdient Jahid zur Zeit – vor Corona war es das doppelte. 

Nächster Stopp: Batterie aufladen. Doch ein großes Hindernis für die abgasfreie E-Revolution ist die fehlende Infrastruktur. Geladen wird oft privat – oder illegal durch Anzapfen von Leitungen des fragilen Stromnetzes. 

Ihre langsame Geschwindigkeit und das wacklige Design verwickeln die E-Rikschas häufig in Unfälle im indischen Verkehrschaos – beliebt macht sie allerdings der deutlich günstigere Fahrpreis im Vergleich zur mit Erdgas- oder Diesel betriebenen Konkurrenz. Das sorgt für Ärger. 

Mohammad Jahid, E-Rikscha Fahrer 

»Sie (Auto-Rikscha-Fahrer) beschweren sich, dass wir die Passagiere sehr günstig transportieren und wir ihr Geschäft kaputt machen. Deshalb bedrohen sie uns mit der Verkehrspolizei. Sie bestechen die Verkehrspolizisten und schikanieren uns E-Rikscha-Fahrer.«

Viele ältere Fahrer von schweren Fahrradrikschas sind bereits Anfang der 2010er Jahre auf die ersten E-Modelle umgestiegen – mehrere tragische Unfälle sorgen aber zunächst für einen schlechten Ruf und ein kurzzeitiges Verbot. 

Mittlerweile wächst die E-Branche, Start-Ups entwickeln Batterietauschkonzepte, Firmen wie Ikea oder Amazon wollen über zehntausend E-Rikschas als Lieferflotten einsetzen – und vom grünen Image der E-Mobilität profitieren. Dafür setzt sich Amazon-Boss Jeff Bezos auch schonmal selbst hinters Steuer. Ende 2019 ließ sich Angela Merkel in Indien moderne E-Rikschas zeigen und unterzeichnete mit Premier Narendra Modi eine Absichtserklärung, dass grüne, abgasarme Mobilitätslösungen in Indien gefördert werden.  

Wirklich grün sind die Nachfolger solcher knatternden Auto-Rikschas aber noch nicht: Neben der häufig unsachgemäßen Entsorgung der Blei- oder Lithiumbatterien, setzt Indien auch in Zukunft vor allem auf Strom aus Kohle. Einen Teil der Stromversorgung könnten Solarpanele übernehmen - dann muss nur noch die Sonne durch den hoffentlich dünneren Smog in Delhi dringen.

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