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Umrüst-Kit für Simson-Mopeds Von Öl auf E in 30 Minuten

Elektroroller sind die Allzweckwaffe der Mobilitätswende: Wendig, günstig, sauber. Eine Berliner Studentengruppe hat nun einen Umrüstsatz entwickelt, mit dem Simson-Zweitakt-Mopeds in Stromer verwandelt werden können.
aus DER SPIEGEL 26/2021
Umgebautes Simson-Kleinkraftrad mit Elektroantrieb

Umgebautes Simson-Kleinkraftrad mit Elektroantrieb

Foto: Carlo Schmid

SPIEGEL: Herr Schmid, Sie und ihr Team behaupten, es gehe schneller und einfacher, ein Moped auf Elektroantrieb umzurüsten, als einen Ikea-Schrank aufzubauen.

Schmid: Meine Kommilitonen und ich schaffen das in einer guten halben Stunde. Wir bauen den alten Verbrenner aus und ersetzen ihn durch einen von uns entwickelten E-Motor. Dafür muss man im Prinzip nur ein paar Kabel und Schrauben lösen und andere festziehen, das kann fast jeder.

SPIEGEL: Ist Ihr Bausatz für alle Kleinkrafträder geeignet?

Schmid: Prinzipiell ließe er sich modifizieren, aber derzeit eignet er sich nur für die Simson-Modelle »Schwalbe« und S 50/51, für die wir ihn entwickelt haben. Von diesen DDR-Kultfahrzeugen mit Zweitaktmotor wurden etwa drei Millionen Stück verkauft: Jeder, der einen Pkw-Führerschein hat, darf diese Simsons fahren. Insofern gäbe es für unsere Projektwerkstatt noch eine Menge zu tun.

SPIEGEL: Wie weit kommt man denn mit dem Akku, der zu Ihrem Bausatz gehört?

Schmid: Etwa 50 Kilometer. Das reicht für die meisten Nutzer von Kleinkrafträdern vollkommen aus, außerdem lässt sich unser Akku an jeder gewöhnlichen Steckdose aufladen. Man kann ihn abends einfach mit in die Wohnung nehmen.

SPIEGEL: Ließen sich auch Pkw mit Verbrennungsmotor nachträglich elektrifizieren?

Schmid: Das ist heute schon möglich, aber Aufwand und Kosten sind viel zu hoch. Wir wollen das ändern. Unser Umbausatz für die Simson-Kleinkrafträder besteht aus nur drei Teilen, seine Kosten werden bei deutlich unter 2000 Euro liegen. Wir sind überzeugt, dass sich unsere Lösung auf alle Fahrzeugklassen übertragen lässt, auch auf Pkw. Wenn es uns gelingt, einen Austauschmotor zu entwickeln, der sich schnell einbauen lässt und einigermaßen kostengünstig ist, dann hätte das ein enormes Potenzial für eine nachhaltige Verkehrswende. Dann könnten auch Menschen, die sich keinen Tesla oder ein anderes teures E-Auto leisten können, emissionsfrei fahren.

SPIEGEL: Außerdem müssten die alten Autos nicht verschrottet und keine komplett neuen E-Fahrzeuge gebaut werden.

Schmid: Exakt! Das umweltfreundlichste Auto ist das umgebaute, nicht das neu gebaute. Es ist ja klar, dass die Produktion eines Umbausatzes deutlich weniger Emissionen verursacht als der Bau eines komplett neuen E-Autos, nach unseren Berechnungen nur etwa die Hälfte. Anstatt die knapp 50 Millionen Pkw mit Verbrennungsmotor, die auf unseren Straßen unterwegs sind, alle zu verschrotten, sollten wir sie daher besser umrüsten.

SPIEGEL: Ihre Projektwerkstatt alleine wird das nicht schaffen.

Schmid: Wir planen eine Ausgründung, aber das kostet Geld. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es die Nachfrage gibt. Das Bewusstsein wächst, der Weg ist längst eingeschlagen. Der Abschied vom Verbrennungsmotor wird kommen.

gui
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