Unfallbilanz E-Scooter-Fahrer gefährden andere Verkehrsteilnehmer deutlich stärker als Radfahrer

Sieben Menschen sind bei Unfällen mit E-Scootern von Januar bis September 2020 ums Leben gekommen, 269 Nutzer wurden schwer verletzt. Offenbar missachten Fahrer häufig Regeln – daher verunglückten besonders oft andere.
E-Scooter sollen bei der Verkehrswende helfen, sorgen jedoch immer wieder für Unfälle

E-Scooter sollen bei der Verkehrswende helfen, sorgen jedoch immer wieder für Unfälle

Foto: David Weyand / imago images

Bei Unfällen mit E-Scootern sind in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres sieben Menschen getötet worden. 269 Fahrer der mithilfe von Batterien betriebenen Roller wurden schwer verletzt, 1096 erlitten leichte Verletzungen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

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Insgesamt registrierte die Polizei demnach von Januar bis September 1570 Unfälle mit den Elektrokleinstfahrzeugen, bei denen es Tote oder Verletzte gab. Ein Wert sei dabei alarmierend, warnt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV): »Bei 21 Prozent der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden ist der Verunglückte nicht der Fahrer, sondern ein anderer Verkehrsteilnehmer.« Bei Fahrradunfällen liege dieser Wert nur bei fünf Prozent, erklärt der Unfallforscher dem SPIEGEL.

Scooterfahrer nutzen häufig den Gehweg

Das liege vor allem daran, dass Scooterfahrer oft regelwidrig auf dem Fußweg führen. »Eine unserer Studien zeigt, dass in knapp 60 Prozent der Fälle auf dem Fußweg gefahren wird, obwohl man eigentlich die Straße oder den Radweg nutzen müsste«, sagt Brockmann.

Dieser Verstoß ist vielen Fahrern offenbar aber gar nicht bewusst. »25 Prozent der Fahrer denken einer Befragung zufolge, sie dürften auf dem Fußweg fahren«, klagt der Unfallforscher. Er spricht sich deshalb für eine europaweite Aufklärungskampagne aus, um Fahrer hierzulande, aber auch Touristen zu sensibilisieren.

Die Unfallhäufigkeit lasse sich aber nur bedingt mit der von anderen Verkehrsmitteln vergleichen. »Es gibt leider keine Bewegungsdaten für die E-Scooter«, erklärt Brockmann. Man wisse derzeit nicht, wie hoch die Fahrleistung der Roller ist – die sei für Vergleiche entscheidend. »Ich erwarte deshalb von den Anbietern, dass sie diese Daten offenlegen«, so Brockmann.

2020 schwer vergleichbares Jahr

Gleichzeitig sei 2020 ein atypisches Jahr, erklärt der Unfallforscher. So haben die Anbieter wegen der Corona-Pandemie ihren Betrieb zwischenzeitlich eingeschränkt oder ganz ausgesetzt. Zusätzlich fiel ein Großteil der Touristen weg, die die Roller sonst oft nutzen. Außerdem sind die elektrischen Stehroller ein vergleichsweise neues Phänomen.

Die Scooterunfälle werden erst seit Anfang 2020 gesondert erhoben. Für den Straßenverkehr zugelassen sind die E-Roller in Deutschland seit Juni 2019. Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden stieg im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres an: Zwischen Januar und März wurden 252 aufgenommen, zwischen April und Juni 417. Am höchsten war die Zahl den Angaben zufolge zwischen Juli und September mit 901 Unfällen: Vier Menschen wurden dabei getötet, 145 schwer und 627 leicht verletzt.

ene/dpa