Erste vollständige Statistik Fast 2300 Verletzte bei Unfällen mit E-Scootern

Die Fahrt auf einem E-Scooter ist riskant: 2020 hat es Hunderte Schwerverletzte und fünf Tote bei Unfällen mit den Rollern gegeben. Auffällig ist, wie viele Nutzer selbst für Schäden verantwortlich waren.
Erste Hilfe nach einem Rollerunfall: Vor allem junge Leute verletzten sich laut Statistischem Bundesamt

Erste Hilfe nach einem Rollerunfall: Vor allem junge Leute verletzten sich laut Statistischem Bundesamt

Foto: Mihajlo Maricic / iStockphoto / Getty Images

Zu den häufigsten Ursachen zählten hohe Geschwindigkeit und Alkohol: Bei 2155 Unfällen mit E-Scootern sind im vergangenen Jahr in Deutschland fast 2300 Menschen verletzt oder getötet worden.

Die Polizei registrierte fünf tödliche Unfälle, 386 Menschen wurden schwer verletzt, 1907 leicht, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte. Mehr als 80 Prozent der Verunglückten seien mit einem der kleinen Roller unterwegs gewesen, die übrigen waren Fußgänger oder Radfahrer.

Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 264.000 Unfälle im Straßenverkehr mit Personenschaden, davon entfielen also immerhin 0,8 Prozent auf solche mit E-Scooter-Beteiligung. Die Zahlen für 2020 sind bedingt aussagekräftig, da wegen der Coronapandemie die Anbieter ihren Betrieb zwischenzeitlich einschränkten oder ganz aussetzten. Die Statistik ist zugleich die erste, die ein gesamtes Jahr abbildet.

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Bei fast drei von vier Unfällen (rund 72 Prozent) mit E-Scootern sei die Fahrerin oder der Fahrer des Elektrotretrollers hauptverantwortlich gewesen. Sie hatten etwa die Kontrolle über ihr Gefährt verloren. Mit 18,3 Prozent häufigste Ursache sei Polizeiangaben zufolge Alkoholkonsum gewesen. Bei Fahrradfahrenden lag der Wert bei rund sieben Prozent. Die Scooterfahrer hätten zudem häufig Fahrbahn oder Gehwege vorschriftswidrig benutzt oder seien zu schnell unterwegs gewesen.

Unfälle geschahen meist mit jüngeren Menschen am Lenker: 76 Prozent waren jünger als 45 Jahre, knapp 34 Prozent jünger als 25 Jahre. Nur rund sieben Prozent waren älter als 65 Jahre. Bei 918 der 2155 Unfälle mit Personenschaden gab es den Angaben zufolge keinen Unfallgegner, drei der fünf getöteten Fahrer starben bei einem solchen Alleinunfall. Gut ein Drittel der Verunglückten verletzte sich bei einem Zusammenstoß mit einem Auto.

Streit über Helmpflicht

Für den Straßenverkehr zugelassen sind die kleinen Roller in Deutschland seit Juni 2019. Ab 14 Jahren darf man sie ohne Prüfung steuern – auf dem Radweg. Fehlt dieser, müssen die maximal 20 Kilometer pro Stunde schnellen Gefährte die Straße benutzen. Besetzt sein dürfen sie nur von einer Person.

Anfang Januar waren erste Zahlen zum Unfallgeschehen im vergangenen Jahr bekannt geworden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hatte daraufhin an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) appelliert, die Rechtslage zu überprüfen. So verlangte die Gewerkschaft, eine Prüfbescheinigung als Voraussetzung für Nutzer sowie eine Helmpflicht.

Der Anbieterverband »Plattform Shared Mobility« widersprach auf Anfrage: »Durch eine Einführung einer Helmpflicht würde die Nutzung von E-Scootern extrem zurückgehen, daher fordern wir Tempo 30 für Autos in Innenstädten und eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur zum Schutz der NutzerInnen von Mikromobilität«, erklärte Sprecher Christoph Egels. Die Mitgliedsunternehmen ermutigten Nutzer, freiwillig einen Helm zu tragen.

Die Unternehmen rechnen mit einer weiter steigenden Nachfrage: E-Scooter seien nicht mehr nur ein Phänomen in Großstädten. Auch im Außenbereich von Städten, wo es Lücken im öffentlichen Nahverkehr gebe, wolle man aktiv werden. Die Coronapandemie habe die Nachfrage zunächst einbrechen lassen, doch dann gab es einen positiven Trend.

nis/dpa
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