Studie Offenbar viel mehr Unfälle mit E-Scootern als bekannt – Fachleute fordern Helmpflicht

Eine Studie an der Uniklinik Essen zeigt: Die offizielle Statistik bildet wohl nur einen Bruchteil aller Unfälle mit E-Rollern ab. Experten der Unfallchirurgie zeigen mögliche Konsequenzen auf.
Hohe Bordsteinkanten können für E-Scooter-Fahrerinnen und Fahrer zur Gefahr werden.

Hohe Bordsteinkanten können für E-Scooter-Fahrerinnen und Fahrer zur Gefahr werden.

Foto: Eduard Bopp / IMAGO

Vermutlich verletzen sich viel mehr Menschen bei der Fahrt auf E-Scootern, als aus offiziellen Statistiken hervorgeht. Das zeigt eine Studie der Universitätsklinik Essen .

Erfasst worden seien für die Untersuchung alle Patientinnen und Patienten, die sich vom 15. Juni 2019 bis Ende Oktober 2020 nach E-Scooter-Unfällen in der Notaufnahme des Essener Krankenhauses gemeldet hatten: insgesamt 68 Personen. Telefonisch wurden diese Scooterfahrerinnen und -fahrer befragt, ob sie ihre Unfälle polizeilich gemeldet haben. Knapp drei Viertel – 73,5 Prozent – der Unfälle seien nicht polizeilich gemeldet worden, zeigte das Ergebnis.

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Offizielle Unfallzahlen hatte das Statistische Bundesamt erstmals im März vergangenen Jahres mitgeteilt. Demnach wurden im Jahr 2020 bundesweit 2155 E-Scooterunfälle mit Personenschaden registriert, 566 davon in Nordrhein-Westfalen und 21 in Essen.

Weil die Studie nicht alle, sondern nur schwerer verletzte E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer erfasst habe, sei insgesamt von deutlich mehr Scooterunfällen auszugehen als bisher bekannt.

Die Verletzungen, die die an den Unfällen Beteiligten davontrugen, seien teilweise schwer: Der Studie zufolge wurden 70 Prozent der verletzten Scooterfahrer stationär im Krankenhaus aufgenommen, 20 wurden operiert, acht kamen auf die Intensivstation. Verletzungen wurden vor allem am Kopf, an der Halswirbelsäule und an den oberen Extremitäten festgestellt.

Knapp zwölf Prozent der Scooterfahrerinnen und -fahrer, die in der Essener Studie erfasst wurden, seien unter Alkoholeinfluss verunglückt. Die Hälfte davon habe schwere Verletzungen am Kopf erlitten.

Mehr Kontrollen und Helmpflicht gefordert

Weil sich alle diese Unfälle am Wochenende oder einem Feiertag ereignet hätten, empfahlen die Studienautoren mehr innerstädtische Kontrollen von E-Scooter-Fahrern an Wochenenden.

Als häufigste Unfallursache sei der Sturz über zu hohe Bordsteine angegeben worden. Die E-Roller haben recht kleine Räder. Beim Ausbau von Fahrradwegen sollte dieses Risiko künftig berücksichtigt werden. Der Wechsel von der Fahrbahn auf einen Radweg könnte dann weniger gefährlich sein.

Und sie sprachen sich für eine weitere Schutzmaßnahme aus: Viele der schweren Verletzungen hätten durch einen Helm verhindert werden können. Nur eine einzige Person aus der Gruppe der 68 verunglückten Fahrerinnen und Fahrer habe auf dem E-Scooter einen Helm getragen. »Durch eine generelle Helmpflicht könnten die Schwere und eine Vielzahl an Verletzungen deutlich reduziert werden«, schlussfolgern die Autoren.

vki/dpa
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