»Epochaler Leistungstest« am Großglockner Elektrischer 26-Tonnen-Lkw überwindet Hochalpenstraße

Schwere Lkw mit Elektroantrieb sind noch selten. In Österreich hat ein Lkw jetzt bewiesen, dass die Batterietechnik auch für extreme Bergfahrten reif ist.
Extremtest: Elektro-Lkw auf der Großglocknerstraße

Extremtest: Elektro-Lkw auf der Großglocknerstraße

Foto: Franz Neumayr

Auf der Großglockner-Hochalpenstraße fährt man normalerweise nur zum Vergnügen. Wer zwischen Salzburg und Kärnten von A nach B muss, nimmt auf Talhöhe die Tauernbahn oder die parallel verlaufende Autobahn, mit Tunnels durch den Alpenhauptkamm. Für Lkw gibt es keinen Grund, sich über die alte Passstraße mit mehreren Serpentinen bis auf 2500 Meter Höhe zu winden.

Am Sonntag war trotzdem ein Lastwagen dort unterwegs: ein batterieelektrisch angetriebener 26-Tonner des Modells CF Electric vom niederländischen Hersteller DAF, der zum US-Konzern Paccar gehört. Das Modell ist bereits seit 2018 in der Serienproduktion und wurde seitdem weiterentwickelt, ebenso wie rein elektrisch betriebene Sattelzugmaschinen von DAF für bis zu 37 Tonnen Gesamtgewicht.

Solche Fahrzeuge würden bereits von mehreren Unternehmen und Kommunen in verschiedenen europäischen Ländern erfolgreich für den Verteiler- und Linienverkehr eingesetzt, erklärte der Salzburger Nutzfahrzeughändler Tschann. Tagesreichweiten von 500 Kilometern mit zwischenzeitlichem Aufladen seien kein Problem.

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In Österreich zeigten die Kunden zwar Interesse an Null-Emissions-Lösungen für den Gütertransport, »waren aber gleichzeitig skeptisch, ob die Fahrzeuge, die sich im Flachland bereits bewährt haben, auch in einem gebirgigen Land wie Österreich einsetzbar sind«, so Tschann-Geschäftsführer Enrico Simma.

Deshalb die Hochgebirgschallenge: »Wo könnte man besser zeigen, wie viel zuverlässige Power in einem E-Lkw steckt?«, meinte Simma. Johannes Hörl vom Vorstand des Straßenbetreibers Grohag sprach von einem »epochalen Leistungstest«.

Um ein durchschnittliches Ladegewicht zu simulieren, wurde der Auflieger extra mit acht Tonnen schweren gefüllten Wasserbehältern beladen. Leer wiegt der Auflieger 7,9 Tonnen. Die Zugmaschine kommt auf weitere 9,3 Tonnen, wovon allein 2,2 Tonnen auf das Konto der Batteriepakete gehen.

Von Salzburg aus legte der Lkw bis zur Kassenstelle Ferleiten am Beginn der Mautstraße bereits 113 Kilometer und eine Höhendifferenz von 730 Metern zurück. Dort wurde die auf 34 Prozent Restkapazität geleerte Batterie noch einmal vollgeladen, bevor es auf die eigentliche Strecke ging: über 68 Kilometer mit 3350 Höhenmetern und bis zu zwölf Prozent Steigung, bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe jenseits des Alpenhauptkamms und zurück.

Panoramafahrt: Ziel war die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe unterhalb von Österreichs höchstem Gipfel, dem Großglockner

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Foto: Franz Neumayr

Den Stromverbrauch trieb die Bergtour in die Höhe: Der Sattelzug mit einer Maximalleistung von 326 PS zog auf der Anfahrt noch durchschnittlich 1,77 kWh pro Kilometer, auf der Hochgebirgsfahrt stieg der Verbrauch auf 2,7 kWh. Doch am Ende der Fahrt zeigte die Batterie noch einen Ladezustand von 45 Prozent, auch dank der Rekuperation von Energie beim Bremsen während der Talfahrt. So wurden auch die Bremsen geschont, außerdem ging es abgasfrei und leise durch den Nationalpark Hohe Tauern.

Schon mit heutiger Technik seien solche Fahrten vollelektrisch problemlos möglich, so das Fazit. Dagegen sprächen nur noch die hohen Investitionskosten für neue Lkw und Ladeinfrastruktur, die ab August aber auch in Österreich staatlich gefördert werden sollen. »Nicht nur die individuelle Mobilität, sondern auch der Warenverkehr wird sich ab jetzt sehr rasch in Richtung E-Mobilität entwickeln«, sagte Grohag-Vorstand Hörl voraus.

ak
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