Engpass vor Jahreswechsel E-Auto-Käufern drohen Tausende Euro Prämie zu entgehen

Wer sich vor Jahresende noch schnell die lukrativen staatlichen Zuschüsse für E-Autos sichern will, könnte leer ausgehen, warnt die Automobilbranche. Der Grund: geschlossene Zulassungsstellen.
Ladesäulen für E-Autos an der Tesla Gigafactory in Grünheide (Brandenburg): Ab 2023 gibt es deutlich weniger Zuschüsse beim Kauf eines E-Autos

Ladesäulen für E-Autos an der Tesla Gigafactory in Grünheide (Brandenburg): Ab 2023 gibt es deutlich weniger Zuschüsse beim Kauf eines E-Autos

Foto: Jochen Eckel / IMAGO

Torschlusspanik dürfte manche befallen, die ein Elektroauto bestellt haben und mit der für 2022 geltenden Kaufprämie rechnen. Plug-in-Hybride werden ab dem 1. Januar 2023 gar nicht mehr bezuschusst, und auch die Prämien beim Kauf von reinen E-Autos sollen kräftig sinken. Die Papiere bis zum 31. Dezember zu bekommen, bringt mehrere tausend Euro Unterschied. Doch das könnte schiefgehen, warnen der Verband der Automobilindustrie, der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe laut »Handelsblatt« .

Das Problem: Die Prämien werden nur gezahlt, wenn das Auto rechtzeitig zugelassen wird, also noch vor dem 1. Januar. Doch das geht nur, wenn die Zulassungsstellen auch über die anstehenden Weihnachtsfeiertage geöffnet sind. »Uns erreichen aktuell besorgniserregende Meldungen, dass einige Zulassungsstellen schon zur Monatsmitte schließen wollen«, berichten die Verbände demnach in einem offenen Brief an die kommunalen Spitzenverbände. Einige Ämter bieten schon jetzt keine Termine mehr an.

Datum der Zulassung entscheidet über Prämie

Die Automobilbranche appelliert deshalb an die Kommunen, »die Arbeitsfähigkeit der Kfz-Zulassungsstellen auch in den letzten Tagen dieses Jahres aufrechtzuerhalten, damit Fahrzeuge mit alternativen Antrieben noch im laufenden Jahr zugelassen werden können«. Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt laut dem Bericht eine Kulanzregelung ab. Die Industrie habe genug Zeit gehabt, sich auf die neuen Regeln zur Prämie einzustellen und rechtzeitig die gewünschten Fahrzeuge zu liefern.

Bisher wurde der Kauf von sogenannten Plug-in-Hybriden mit Verbrennungsmotor und aufladbarem Elektroantrieb mit bis zu 6750 Euro von Staat und Herstellern bezuschusst. Ab dem 1. Januar 2023 soll es in dem Segment keine Kaufprämie mehr geben . Die Klimabilanz der Hybride gilt als zweifelhaft, da diese mit ihren zwei Motoren oft besonders schwer sind. Zudem wird häufig nur mit dem Verbrenner gefahren, die Reichweite des E-Motors ist gering.

Rekordzahl neuer E-Autos im November

Ende der Woche will das Bundeswirtschaftsministerium die neue Förderrichtlinie für reine E-Autos veröffentlichen. Fahrzeuge mit einem Listenpreis bis 40.000 Euro netto werden ab dem kommenden Jahr noch mit 6750 Euro von Staat und Herstellern bezuschusst, bisher sind es 9000 Euro. Für teurere E-Autos bis 65.000 Euro sinkt die Förderung um 3000 auf maximal 4500 Euro. Ab 2024 sollen die Kaufprämien weiter sinken, 2025 auslaufen. Möglicherweise könnte schon früher Schluss sein, weil die Subvention künftig auf ein festes Gesamtbudget von 2,5 Milliarden Euro begrenzt wird.

Ein Spontankauf, um noch schnell die höhere Prämie zu ergattern, ist kaum möglich. Schon in der ersten Jahreshälfte meldeten viele Hersteller Lieferzeiten für elektrische Neuwagen, die bis 2023 oder gar 2024 reichten. Etliche Modelle sind derzeit gar nicht zu bestellen, weil die Produktionskapazität ausgebucht ist. Einzelne Hersteller garantieren noch auf eigene Kosten die volle Prämie für Kaufverträge, die vor Jahresende abgeschlossen werden. Zugleich steigen jedoch auch die Listenpreise kräftig.

Dennoch zeigt sich eine Jahresendrallye in der Zulassungsstatistik. Im November wurden 57.980 vollelektrische Pkw neu zugelassen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg (KBA) mitteilte. Mit einem Marktanteil von 22,2 Prozent wurde der bisherige Höchststand von Ende 2021 noch übertroffen. Hinzu kamen 44.581 Plug-in-Hybride (17,1 Prozent).

Experten bezweifeln jedoch, dass sich der Trend fortsetzen wird. »In Deutschland kündigt sich für das Elektroauto eine Dürrezeit an«, warnt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Duisburger Center Automotive Research. Frühestens 2025 sei wieder mit steigenden Zulassungszahlen zu rechnen. Deutschland verliere wichtige Zeit bei der Mobilitätswende. Die Bundesregierung strebt an, die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen von rund 900.000 bis zum Jahr 2030 auf 15 Millionen zu steigern.

koe/ahh
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