Gegenwind für Ampelkoalition Energiebranche bremst beim Bau von Elektroauto-Ladesäulen

Eine Million Ladesäulen für Elektroautos will die Ampelkoalition bis 2030 schaffen. Doch nun opponiert die Energiewirtschaft – so viele Stationen würden womöglich gar nicht gebraucht.
Europas größter öffentlicher Schnellladepark im nordrhein-westfälischen Kamen, im Dezember vom Energieversorger EnBW eröffnet

Europas größter öffentlicher Schnellladepark im nordrhein-westfälischen Kamen, im Dezember vom Energieversorger EnBW eröffnet

Foto: Anja Cord / imago images/Cord

Die Energiewirtschaft ist gegen ein starres Ziel beim Ausbau des Ladesäulennetzes für Elektroautos. »Es besteht die Gefahr, dass wir ein Überangebot erzeugen und viele Ladesäulen schlicht nicht genutzt werden«, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die Folge wäre fehlender Wettbewerb zwischen den Anbietern. Dieser wiederum sei nötig für die besten Preise und den besten Service.

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Ziel der Koalition aus SPD, Grünen und FDP sind 15 Millionen vollelektrische Pkw auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2030. Um den Wechsel zu erleichtern, sollen bis dann außerdem eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte vorhanden sein, schwerpunktmäßig Schnellladesäulen.

Andreae kritisierte diese feste Vorgabe. »Niemand weiß heute genau, wie die Mobilität im Jahr 2030 aussieht«, sagte sie. »Davon hängt aber ab, welche Ladeinfrastruktur gebraucht wird.« So könnte beispielsweise eine Citymaut oder ein Fahrverbot für Verbrenner in Innenstädten die Entwicklung stark beeinflussen. »Deshalb kann das Ausbauziel für Ladeinfrastruktur nur ein dynamisches Ziel sein«, fügte sie hinzu.

Andreae saß von 2002 bis 2019 für die Grünen im Bundestag und wechselte dann zur Energielobby. Mitgliedsunternehmen des BDEW wie Innogy, Eon oder EnBW zählen zu den größten Betreibern von Ladesäulen und investieren kräftig in den Ausbau – in der Hoffnung auf ein profitables Geschäft. Dem stehen mitunter politische Vorgaben entgegen. So soll die Branche den Tarifdschungel lichten, die Zahlung mit Kreditkarten ermöglichen und eben massiv Säulen zubauen.

Autoindustrie fordert mehr Tempo beim Ladesäulenausbau

Die Ampelkoalition will nun das Ladesäulenangebot auch mit staatlichen Mitteln ausbauen, ohne vorher auf ausreichend Nachfrage zu warten, die diese Anlagen wirtschaftlich machen würde. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach von einem Problem »wie zwischen Henne und Ei«. Noch vor Weihnachten ließ er die bundeseigene Autobahn GmbH einen Großauftrag für Ladesäulen an unbewirtschafteten Parkplätzen ausschreiben.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte zuvor mehr Tempo bei der Einrichtung neuer Stromtankstellen verlangt. »Um die Menge der E-Autos, die die Bundesregierung vorsieht, auch wirklich erreichen zu können, müssten pro Woche etwa 2000 neue öffentliche Ladepunkte installiert werden – tatsächlich sind es gerade mal 300«, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller der Nachrichtenagentur dpa.

ak/dpa-afx