Experiment in der Schweiz Brennende E-Autos sind im Tunnel nicht gefährlicher als Benziner

Brennende Elektroautos sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Schweizer Forscher haben nun untersucht, welche Gefahr von Akku-Bränden in Tunneln oder Tiefgaragen ausgeht.
Beim Versuch der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt entstand jede Menge Ruß

Beim Versuch der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt entstand jede Menge Ruß

Foto: A+W Progress / Empa

Erst knallt es trocken, dann schießt eine Rauchwolke durch den Tunnel: Forscher der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt haben in einem Versuchsstollen im schweizerischen Hagerbach untersucht , was passiert, wenn die Batterie eines Elektroautos in einem Tunnel oder einer Tiefgarage Feuer fängt.

Die Aufnahmen des Experiments wirken bedrohlich, Stichflammen schießen aus dem Batteriepaket und erzeugen jede Menge Ruß. Die Forscher simulierten den Brand eines Kleinwagens mit einem vollständig geladenen, 32 Kilowattstunden fassenden Akku - allerdings in einem kleineren Maßstab. So fasste das verwendete Batteriepaket nur vier Kilowattstunden Energie.

Hitzeentwicklung nicht höher als bei einem Verbrenner

In drei verschiedenen Szenarien wurde die Verteilung von Ruß und Rauchgasen, die Verschmutzung des verwendeten Löschwassers sowie die Auswirkungen auf eine Lüftungsanlage untersucht. Durchgeführt wurden die Versuche bereits 2019, die Ergebnisse liegen allerdings erst jetzt vor. Ein brennendes Elektroauto ist bezogen auf die Hitzeentwicklung demnach nicht gefährlicher als ein in Brand geratener Verbrenner.

Auch die Konzentration stark ätzender Flusssäure, die als zusätzliche Gefahr bei Batteriebränden gilt, blieb demnach unterhalb des kritischen Bereichs. Von Elektroautos geht auch bei Bränden in Tunneln offenbar keine größere Gefahr aus als von Autos mit Verbrennungsmotor, auch direkt vom Brand betroffene Personen sind demnach nicht stärker gefährdet als bei einem konventionellen Pkw. "Die Schadstoffemissionen eines Fahrzeugbrands waren schon immer gefährlich und unter Umständen tödlich", urteilen die Forscher.

Moderne Lüftungen kommen auch mit brennenden Elektroautos zurecht

Eine moderne Tunnellüftung kommt der Untersuchung zufolge nicht nur mit in Brand geratenen Benzinern und Dieselfahrzeugen zurecht, sondern auch mit brennenden Elektroautos. Die dabei entstehenden Stoffe sorgen auch nicht für eine stärkere Korrosion an der Lüftung oder anderen Bauteilen im Tunnel - nach dem Feuer müssen jedoch einige Dinge beachtet werden.

Denn der Brand einer Batterie ist ein chemischer Prozess, der nicht wie bei einem konventionellen Auto mit Löschschaum erstickt werden kann. Er muss durch Kühlen mit einer großen Menge Wasser unterbrochen werden. Anschließend muss das Wrack in einem Wasserbecken oder einem Spezialcontainer aufbewahrt werden, damit es sich nicht erneut entzünden kann.

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Das dafür verwendete Wasser kann der Studie zufolge zum Problem werden. So lag die chemische Belastung des Löschwassers um das 70-fache über dem Schweizer Grenzwert für Industrieabwässer, das Kühlwasser sogar um das 100-fache. Es dürfe deshalb nicht ohne Vorbehandlung in die Kanalisation gelangen, folgern die Forscher.

Besitzer privater Garagen sollten Brandrückstände nicht selbst entfernen

Doch nicht nur das Wasser, auch Brandrückstände an Böden, Decken und Wänden erfordern einen speziellen Umgang, denn im "Ruß eines solchen Brandes sind große Mengen Kobaltoxid, Nickeloxid und Manganoxid enthalten", warnt Lars Mellert vom Beratungsunternehmen Amstein und Walthert, das ebenfalls am Projekt beteiligt war. Vor allem Besitzer privater Parkgaragen sollten sich hier keinem unnötigen Risiko aussetzen, da die enthaltenen Schwermetalle auf ungeschützter Haut starke allergische Reaktionen auslösen könnten. "Versuchen Sie nicht, den Ruß und den Dreck selbst aufzuwischen", warnt Mellert.

Allerdings wurden die Messungen mit einer freiliegenden Batterie durchgeführt, bei Elektroautos sind die Stromspeicher üblicherweise fest im Fahrzeug verbaut. Man könne deshalb davon ausgehen, "dass sich die Schadstoffe dann nicht so frei in der Umgebung ausbreiten", heißt es in der Studie. Dafür sei jedoch ein weiterer Versuch mit einer Karosserieattrappe nötig.

ene