Globale Studie zur E-Mobilität Deutschland steigt auf zur drittgrößten Elektro-Auto-Nation

Die Elektromobilität ist in den weltgrößten Automärkten China und USA laut einer aktuellen Studie deutlich ins Stocken geraten. Die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland hingegen steigen deutlich.
Auf den Hersteller Tesla entfallen über die Hälfte aller US-Neuzulassungen von Elektroautos

Auf den Hersteller Tesla entfallen über die Hälfte aller US-Neuzulassungen von Elektroautos

Foto: Stephen Lam/ REUTERS

In Deutschland entwickeln sich die Zulassungszahlen von Elektroautos positiv. Das bilanziert jetzt eine globale Marktstudie. In den größten E-Auto-Märkten China und USA hat sich der Trend zur Elektromobilität im vergangenen Jahr dagegen deutlich abgeschwächt.

In Deutschland gibt es laut der Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach einen absoluten Zuwachs von 41.000 Elektroautos oder 60 Prozent auf 109.000 Neuzulassungen. Der Marktanteil steigt von zwei Prozent auf erstmals drei Prozent an. Davon sind 58 Prozent reine E-Autos und 42 Prozent Plug-in-Hybride. "Treiber dieser Entwicklung in Deutschland sind die Emissionsgrenzwerte, welche die Hersteller einhalten müssen", sagt Bratzel. 2020 werde das Angebot der Hersteller noch einmal deutlich wachsen.

Deutschland steigt damit im Gesamtjahr 2019 zum weltweit drittgrößten E-Fahrzeugmarkt auf und überholt damit - zumindest in absoluten Zulassungszahlen - das Elektroautoland Norwegen. Dort wurden 80.000 Elektroautos neu zugelassen, was ein Plus von zehn Prozent bedeutet. Der Marktanteil der Stromer steigt von 49,1 Prozent im Jahr 2018 auf 55,9 Prozent im vergangenen Jahr. Damit ist jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug in Norwegen ein Elektroauto. Rund 76 Prozent der norwegischen E-Fahrzeuge sind reine Batterieautos.

Chinesischer Automarkt schwächelt

Im größten Automarkt China sanken die Neuzulassungen von sogenannten New Energy Vehicles, wozu auch Nutzfahrzeuge gezählt werden, um vier Prozent auf 1,2 Millionen Fahrzeuge. "Der starke Rückgang in China ist damit zu erklären, dass die Förderungen für Elektroautos Mitte vergangenen Jahres gestrichen wurden", erklärt Stefan Bratzel. Die chinesische Regierung subventioniert seitdem nur noch teurere Fahrzeuge mit einer Mindestreichweite von 250 Kilometern. Daher sei die Nachfrage der chinesischen Käufer deutlich zurückgegangen. So deutlich sogar, dass die chinesische Regierung sich dazu entschlossen hat, die eigentlich nur bis Mitte 2020 befristete E-Fahrzeugförderung fortzuführen.

"China hat lange angekündigt, die Förderungen zu streichen, damit sich die Hersteller gar nicht erst daran gewöhnen, sondern sich auch aus eigener Kraft am Markt halten können", erklärt Bratzel. Außerdem wolle die Regierung auch andere Techniken, wie beispielsweise Wasserstoffautos, vorantreiben. Bratzel rechnet aber damit, dass sich der chinesische Markt 2020 leicht erholen wird.

In den USA sinken die Neuzulassungen von E-Autos laut der Studie sogar um rund zehn Prozent auf 324.000 E-Fahrzeuge. Dort mangele es an einem breiten Angebot von Elektroautos. "Wenn es den US-Herstellern nicht gelingt, das Angebot bezahlbarer E-Autos deutlich zu erweitern, wird der Markt auch langfristig schwächeln", so Bratzel. Neben dem geringen Angebot seien auch fehlende Förderungen ein Grund für den Rückgang am US-Markt. Derzeit sei Tesla dort der bestimmende Hersteller und decke mehr als die Hälfte aller US-Elektroautoverkäufe ab. Insgesamt sinkt der Marktanteil von E-Autos in den Vereinigten Staaten von 2,1 Prozent auf 1,9 Prozent. Dennoch bleibt die USA nach China mit weitem Abstand der zweitwichtigste Markt für Elektroautos.

2030 erstmals mehr Elektrofahrzeuge als Verbrenner

In den europäischen Ländern kommt Großbritannien auf rund 73.000 Stromer, während in den Niederlanden mit einem starken Wachstum von rund 150 Prozent jetzt etwa 67.000 E-Pkw neu zugelassen worden sind. In den Niederlanden wächst der Marktanteil der E-Autos auf 15 Prozent. Dort hat vor allem das Model 3 von Tesla im letzten Quartal profitiert. Allein im Dezember 2019 wurden rund 12.000 Model 3 in den Niederlanden neu zugelassen. In Frankreich ist der E-Absatz auf rund 61.000 Fahrzeuge (plus 35 Prozent) angestiegen. Schweden verzeichnete 2019 40.300 und Spanien 24.300 E-Autos.

Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) könnten im Jahr 2030 weltweit erstmals mehr Autos mit Elektro-Antrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. Die Unternehmensberatung rechnet dabei batterieelektrische Autos und Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieben zusammen. Treiber für die Entwicklung seien dabei unter anderem der Druck durch Vorgaben der Regulierer zum Schadstoffausstoß sowie sinkende Batteriekosten. So dürfte der Batteriepreis zwischen 2014 und 2030 um 80 Prozent fallen, prognostizierte BCG.

Der Anteil verschiedener Antriebsarten werde dabei von Region zu Region unterschiedlich sein. BGC prognostiziert, dass in China und Europa zum Jahr 2030 gut jedes Vierte neue Fahrzeug nur mit Batterien betrieben werde, während der Anteil von Wagen mit Benzinmotoren auf rund ein Drittel sinken werde. In den USA dürften dagegen Benziner auf einen Anteil von 47 Prozent bei Neuwagen kommen - und reine Batterie-Antriebe auf gut ein Fünftel.

Anmerkung: In einer vorigen Version des Textes hieß es, Deutschlands Elektroauto-Neuzulassungen seien um 50 Prozent gestiegen. Der korrekte Wert ist 60 Prozent. Wir haben den Fehler korrigiert.

cfr/dpa