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»Quasimonopol von Tank & Rast« Kaum Ladesäulen für Elektroautos an Raststätten

Obwohl die Flächen dem Bund gehören, fehlen selbst an Autobahnraststätten die Ladepunkte für E-Autos. In seltener Allianz fordern Linkspartei und Autoindustrie mehr Tempo beim Ausbau.
aus DER SPIEGEL 11/2022
Seltener Anblick: Schnellladestation für Elektroautos auf der Raststätte Samerberg an der Autobahn A8

Seltener Anblick: Schnellladestation für Elektroautos auf der Raststätte Samerberg an der Autobahn A8

Foto: Rolf Poss / imago images

Der Aufbau eines Schnellladenetzes an deutschen Autobahnen kommt nur langsam voran. An den rund 400 Standorten des größten Betreibers Autobahn Tank & Rast GmbH finden sich nur 224 Ladesäulen mit Anschlüssen von mindestens 150 kW Leistung für Elektroautos. Insgesamt sind das 715 Ladepunkte, durchschnittlich also nur rund drei pro Raststätte. Auch bei weniger schnellen Ladesäulen sind noch längst nicht genügend Anschlüsse errichtet. An 358 Tank-&-Rast-Standorten sind zusammen 1359 Ladepunkte für Elektroautos vorhanden. Insgesamt gibt es (Stand 1. Februar) 55.205 öffentlich zugängliche Ladepunkte.

Aus: DER SPIEGEL 11/2022

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Das geht aus Zahlen hervor, die das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage des Linkenpolitikers Victor Perli zusammengetragen hat. »Auch mit dem neuen Verkehrsminister geht es mit dem Schnellladenetz kaum voran«, kritisiert Perli. »Das Quasimonopol von Tank & Rast an den Autobahnen hemmt den ganzen Aufbau. An vielen Raststätten fehlen immer noch Schnellladepunkte, obwohl der Bund dafür fast alle Flächen praktisch kostenlos zur Verfügung stellt.«

Auf Autobahnen kommt es vor allem auf die Anzahl von Schnellladesäulen an, damit Autofahrer auch weite Strecken ohne große Verzögerungen im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor zurücklegen können. Einen »Masterplan Ladeinfrastruktur« hat sich Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) als besonders dringliche Aufgabe vorgenommen, dafür zuständig ist seine Parteifreundin Daniela Kluckert als parlamentarische Staatssekretärin. Die Ampelkoalition hat in ihrem Koalitionsvertrag ein Ziel von einer Million Ladepunkten bis 2030 gesetzt. Der Schwerpunkt soll bei Schnellladepunkten liegen.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt, mangelndes Tempo beim Ausbau der Ladeinfrastruktur drohe »zum entscheidenden Engpass für den Hochlauf der Elektromobilität zu werden«. Am Freitag veröffentlichte der VDA ein Positionspapier . Die Industrie fordert, dass die Zahl der Ladesäulen ebenso schnell wächst wie der Bestand an Elektroautos. Der Ausbau müsse dem Bedarf um zwei Jahre vorauseilen. Bis 2025 solle dafür eine »Booster-Förderung« von fünf Milliarden Euro eingesetzt werden. VDA-Präsidentin Hildegard Müller forderte »zeitnah« einen »Ladegipfel«.

Aus der Energiebranche kommen jedoch auch Rufe nach weniger Tempo. EnBW-Chef Frank Mastiaux sagte im Februar der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« , »Wir brauchen nicht unbedingt an jeder Ecke eine Stromtankstelle.« Er fürchte, dass der Markt gebremst werde, wenn sich die Investitionen nicht lohnen, weil zu viele gebaute Säulen schwach genutzt würden. Das Schnellladen verringere zugleich die Zahl der benötigten Ladepunkte. Der Energiekonzern EnBW ist Deutschlands größter Betreiber von Ladestationen, er gehört mehrheitlich dem grün-schwarz regierten Land Baden-Württemberg und Kommunen.

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