Umfrage zu Elektroautos Welche Verkehrsmittel sollte der Staat fördern?

Viele Deutsche plädieren in einer Umfrage für eine Förderung von Wasserstoffautos. Batterie-betriebene Pkw schneiden schwach ab, ebenso Lastenräder. Großen Vorsprung hat allerdings ein anderes Verkehrsmittel.
Wasserstoff-Zapfhahn in Berlin: Viele Deutsche finden die Vorstellung, fürs Autofahren weiterhin einen Tank zu füllen, offenbar attraktiv

Wasserstoff-Zapfhahn in Berlin: Viele Deutsche finden die Vorstellung, fürs Autofahren weiterhin einen Tank zu füllen, offenbar attraktiv

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Autohersteller in Europa verkaufen zunehmend elektrische Pkw. Vor allem setzen sie aber Fahrzeuge mit Akku ab – und kaum solche mit Brennstoffzelle, die also Wasserstoff tanken.

In Deutschland fuhr zuletzt knapp jeder neunte Neuwagen rein batterieelektrisch, insgesamt sind etwa eine Million E-Autos (inklusive Plug-in-Hybride) in Deutschland registriert. Wasserstoffautos hingegen sind noch in einer winzigen Nische unterwegs. Ihre Zahl wird in der offiziellen Statistik nicht gesondert ausgewiesen. Im Oktober 2020 ermittelte der SPIEGEL 507 zugelassene Fahrzeuge.

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Allerdings hoffen viele Deutsche weiterhin auf den Durchbruch des Wasserstoffantriebs bei Pkw. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL sprachen sich 39 Prozent der Befragten dafür aus, Brennstoffzellenautos dringend staatlich zu fördern, um die Verkehrswende voranzutreiben. Für batteriebetriebene Elektroautos plädierten lediglich 14 Prozent.

Wenig Hoffnung auf Fahrdienste

Besonders viele Fans hat die Brennstoffzelle bei Wählerinnen und Wählern von Union und FDP. Fast jeder Zweite von ihnen wünscht sich Unterstützung für die Technik. Bei Grünenanhängern liegen Wasserstoff und Batterie am dichtesten beieinander (28 zu 23 Prozent).

Lesen Sie hier mehr über die Civey-Methodik

Den größten Zuspruch in der Umfrage erhielt der öffentliche Personennahverkehr mit 61 Prozent. Dahinter folgte der Fernverkehr der Bahn mit 41 Prozent.

Das Ergebnis repräsentiere stark die Wünsche der Mehrheit von Autofahrerinnen und Autofahrern, sagte Verkehrsexperte Andreas Knie dem SPIEGEL. »Autofahrende wünschen sich den Ausbau des Nahverkehrs, damit dann mehr Platz auf der Straße ist. Selbst fahren sie damit aber nicht.«

Dass innovative, per App buchbare Verkehrsmittel wie Fahrgemeinschaften oder Carsharing wenig Begeisterung auslösen, überrascht Knie nicht. »Das sind bis heute keine wirklich bekannten Verkehrsmittel, außer in den großen Städten. Ansonsten wissen nur rund ein Drittel der Bevölkerung, was Carsharing eigentlich ist.« Derartigen Systemen sprechen viele Wissenschaftler indes ein großes Potenzial zu.

Recht schwach schneiden auch E-Bikes, Fahrräder und Lastenräder ab, die nur 15 Prozent der Wählerinnen und Wähler dringend vom Staat unterstützt wissen wollen. Besonders groß ist der Zuspruch für eine Förderung dieser Fahrzeuge bei Arbeitslosen (30 Prozent). Die Vorstellung, dass vor allem Gutverdienende in hippen Stadtvierteln Lastenräder nutzen oder nutzen wollen, scheint von der Realität eher nicht gedeckt.

Zuletzt hatten die Grünen angeregt, die öffentliche Hand solle den Kauf eines Lastenrades mit 1000 Euro fördern. Unionsfraktionsvize Ulrich Lange warnte, das nütze nur einer »Klientel, deren Lebensart von anderen großzügig subventioniert werden soll«. Auch die FDP sorgte sich, dass Geringverdiener zugunsten von Reichen belastet würden.

Vorbehalte gegen Akku-E-Autos

Nahezu auf ganzer Linie durchgefallen sind bei den Deutschen offenbar E-Scooter. Dass dieses Verkehrsmittel unterstützt wird, möchte nur ein Prozent.

Viele Menschen halten Batterie-Elektroautos trotz Kaufprämien noch für zu teuer, das ergab zuletzt eine Umfrage  des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Für 63 Prozent sprechen zu hohe Anschaffungskosten gegen einen Kauf. Weitere Kaufhindernisse sehen die Befragten in der geringen Zahl der Ladestationen (64 Prozent), der Dauer des Ladens (53 Prozent) und der Reichweite der Fahrzeuge (59 Prozent). 58 Prozent der Befragten halten es für fraglich, ob E-Autos wirklich umweltfreundlicher sind als Verbrenner.

Der deutsche Staat fördert derzeit sowohl Batterie- als auch Wasserstoffautos. Käuferinnen und Käufer erhalten jeweils bis zu 6000 Euro Zuschuss vom Staat über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Hinzu kommen bis zu 3000 Euro (netto) Rabatt vom Hersteller.

Kaum Wasserstoffautos erhältlich

Gefördert werden in diesem Programm allerdings lediglich E-Autos, die höchstens 65.000 Euro kosten (Nettolistenpreis). Den vollen Satz gibt es nur für Wagen, die höchstens 40.000 Euro kosten. Somit bekommen Käufer des Toyota Mirai (ab ca. 54.000 Euro) nur den geringeren Staatszuschuss in Höhe von 5000 Euro. Gar nicht auf der Förderliste steht der teurere Hyundai Nexo.

Weitere Wasserstoffauto-Serienmodelle gibt es derzeit in Deutschland nicht zu kaufen. Peugeot will bald einen Transporter mit dem Antrieb anbieten, BMW plant für Ende 2022 einen Brennstoffzellen-X5, erhältlich für einen ausgewählten Kundenkreis. Hingegen haben Konzerne wie Volkswagen, Mercedes oder Stellantis Dutzende batterieelektrische Modelle im Angebot.

Die Brennstoffzellenwagen kommen mit einer Tankfüllung inzwischen kaum weiter als die besten Batterieautos mit einer Akkuladung. Zudem gibt es gerade einmal 92 Tankstellen und der Treibstoff ist deutlich teurer als Strom. Volkswagen-Chef Herbert Diess hat mehrfach betont, dass er die Wasserstofftechnologie für Pkw als weitgehend sinnlos erachtet. Allerdings punkten die Fahrzeuge damit, dass sie sich schnell auftanken lassen – was vielen Autofahrern offenbar wichtig ist.

Knackpunkt beim Wasserstoff ist dessen schlechte Energiebilanz: Für seine Herstellung sind große Mengen Strom erforderlich, etwa bei der Umwandlung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Unterm Strich liegt die Effizienz des Wasserstoffantriebs laut VW  nur bei 25 bis 35 Prozent, das Batterieauto kommt demnach auf 70 bis 80 Prozent. Manchen Berechnungen zufolge ist zudem die Herstellung eines Batterieautos inzwischen nicht mehr energieaufwendiger als die eines Wasserstoffautos.

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