Autogramm Audi A1 1.0 TFSI Sportback Da waren's nur noch drei

Dreizylindermotoren gelten nicht mehr als Spaßbremsen, sondern als clevere Sparer. Das hat jetzt auch Audi erkannt: Beim neuen A1 üben sich die Ingolstädter erstmals im Verzicht unter der Haube. An anderer Stelle fahren sie umso dicker auf.

Audi

Der erste Eindruck: Ui, Lichtspiele! Der erneuerte Audi A1 sieht fast genauso aus wie der bisherige - die einzigen Unterschiede sind die Gestaltung der Front- und Heckscheinwerfer.

Das sagt der Hersteller: Dieser A1 ist das erste Serienauto von Audi mit Dreizylinder-Ottomotor. Vor zwei Jahren gab es zwar schon mal einen A1-Hybrid mit einem Dreizylinder-1,5-Liter-Ottomotor mit 130 PS unter der Haube, doch das war nur ein Prototyp. Und im A2 arbeitet ein Diesel-Dreizylinder.

Beim Serienmodell hat Audi jetzt den 1-Liter-Dreizylinder aus dem VW-Konzernregal verwendet. "Aufgrund des geringeren Hubraums ist der Motor leichter, und aufgrund eines optimierten Turboladers leistet er 95 PS, was uns für den A1 als genau richtig erschien", begründet Audi-Sprecher Tobias Söllner die Wahl.

Die Entscheidung dürfte vor allem auch aus Kostengründen so getroffen worden sein, denn der 1-Liter-Dreizylinder soll ein Triebwerk mit hohen Stückzahlen werden, das ebenso im VW Polo und später wohl auch im Golf (dann mit 116 PS) zum Einsatz kommt. Der 1,5-Liter-Dreizylinder von Audi jedenfalls liegt vorübergehend, so hört man, auf Eis.

Das ist uns aufgefallen: Obwohl der Dreizylinder im A1 mehr Leistung entwickelt als der Vierzylinder (95 statt 86 PS), läuft die Maschine sparsamer: Der Motor kommt bestenfalls mit 4,3 Liter je 100 Kilometer aus, was einen CO2-Ausstoß von 99 g/km bedeutet.

Allerdings bringt das ganze Downsizing nichts, wenn nicht auch der Fahrer seine Ansprüche etwas herunterschraubt. Denn wer den fehlenden Zylinder durch mehr Druck im Gasfuß zu kompensieren versucht, der hört nicht nur das penetrante Schnattern, das Dreizylindermotoren zu eigen ist, sondern er kann auch den Normverbrauch spielend verdoppeln. Nach 200 zügigen Kilometern im Stadtverkehr, auf einer tempolimitierten Autobahn und auf leeren Landstraßen meldete der Bordcomputer unseres Testautos 9,2 Liter je 100 Kilometer - ganz schön viel für einen Kleinwagen.

Auch sonst ist der A1 eigentlich kein klassischer Kleiner. Nur wenn man hinten einsteigt wird es ein bisschen eng für Kopf und Knie. Vorn herrscht dagegen nicht nur ausreichend Platz, sondern vor allem eine luxuriöse Umgebung, die man sonst eher in höheren Fahrzeugklassen erwartet: Piekfeine Materialien und schnörkelloses Design - da haben die Bayern einen guten Job gemacht.

Dazu gibt es - natürlich gegen Aufpreis - auch jede Menge Ausstattung, die vor allem beim Infotainment noch einmal auf Vordermann gebracht wurde: Online navigieren und über einen Hotspot surfen, das geht jetzt auch im kleinsten Audi-Modell. Was dem A1 allerdings fehlt, sind ein paar neue Assistenzsysteme wie ein Tempomat mit Abstandsregelung. Und dass ausgerechnet der selbsternannte Lichtpionier Audi auf LED-Scheinwerfer verzichtet, ist unverständlich.

Dafür haben die Bayern beim Thema Fahrspaß nachgelegt. Künftig erhalten alle Varianten die Charakterregelung "Drive Select". In diesem Modus haben die Stoßdämpfer eine veränderbare Härte und die Unterstützung durch die Servolenkung geht mit zunehmendem Tempo zurück. Solche Funktionen waren bisher dem Sportmodell S1 vorbehalten.

Das muss man wissen: Das technische Highlight der Modellpflege ist der neue Basis-Benziner. Mit diesem Motor kostet der Dreitürer knapp unter 17.000 Euro und der fünftürige Sportback 850 Euro mehr. Der Motor mit einem Liter Hubraum wiegt 88 Kilogramm und ist damit um 15 Kilo leichter als der bisherige Vierzylinder. Weil die innere Reibung des kleineren Triebwerks kleiner ist, sinkt auch der Verbrauch.

Der A1 mit dem neuen Motor heißt 1.0 TFSI und kommt ab Mai in den Handel. Bereits ab Ende Februar bietet Audi den überarbeiteten A1 mit fünf anderen, teils neuen oder überarbeiteten Motoren an - zu Preisen ab 19.300 Euro.

Bei den Benzinern sind ein 1,4-Liter-Aggregat mit 125 oder 150 PS, ein 1,8-Liter-Motor mit 192 PS oder der 231 PS starke 2,0-Liter-Ottomotor aus dem S1 im Angebot. Und bei den Diesel bietet Audi neben dem 1,6-Liter-Selbstzünger mit 116 PS künftig ebenfalls einen Dreizylinder an. Er verfügt über 1,4 Liter Hubraum, leistet 90 PS und tritt mit einem Durchschnittsverbrauch 3,4 Liter an.

Das werden wir nicht vergessen: Knallbunt, piekfein und quietschfidel - so demonstriert der A1 außen wie innen, dass ein Kleinwagen längst kein Verzichtmodell mehr ist. So lange, bis man die Motorhaube öffnet. Denn mit dem winzigen Dreizylinder wirkt der Motorraum so leer und verlassen wie die Regale eines Konsummarkts in den letzten Wochen der DDR.

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insgesamt 90 Beiträge
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fessi1 12.12.2014
1. ^^ made my day
Das Modell A1 ist jenes im Audi-Sortiment mit den jüngsten Kunden. Im Schnitt sind die A1-Käufer 38 Jahre alt.
polltroll 12.12.2014
2. Der Schlusssatz...
"Denn mit dem winzigen Dreizylinder wirkt der Motorraum so leer und verlassen wie die Regale eines Konsummarkts in den letzten Wochen der DDR.": Das Schlaraffenland DDR hatte auch in den 40 Jahren vor den letzten Wochen keine vollen Regale zu bieten. Ansonsten wirkt der Vergleich etwas deplatziert und sehr gewollt. Vielleicht hätte ja der Verweis darauf gereicht, dass der typische Audi Kunde eigentlich einen wohl gefüllten Motorraum gewohnt ist.
Hajojunge 12.12.2014
3. Drei Zylinder nutzen nur dem Hersteller
Die Herstellung des Motors wird erheblich billiger, weniger bewegliche Teile, weniger Bearbeitungsschritte. Dieser klare Preisvorteil wird selbstverständlich nicht an die Kunden weitergereicht. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, einen Leihwagen mit drei Töpfen zu fahren. Der Leerlauf war unrund wie bei einem Vierzylinder mit Zündaussetzern, die Kraftentfaltung unharmonisch. Erst bei höheren Drehzahlen kam er in die Pötte. Der Zweizylinder-Boxer meiner Ente lief seinerzeit erheblich runder. Wer etwas vom Massenausgleich versteht, weiß, wovon ich rede. Der Zweizylinder-Boxer wird wohl die nächste und letzte Stufe des Downsizing sein.
mikerossmann 12.12.2014
4. 3-Zylinder sind eine Zumutung
Wir haben vor Jahren leider blauäugig einen gekauft, den ich jetzt noch fahre, nach dem er nach Motorschaden wieder instandgesetzt wurde. In Bezug auf die Laufruhe eine Zumutung, in bezug auf die Haltbarkeit eine Katastrophe, was aber generell für alle Down-Sizing-Projekte gilt. Fragen Sie mal einen Autoschlosser zu Ecoboost und Co., der Vortrag wird abendfüllend. Das Kfz wird so immer mehr zum unökonomischen/unökologischen Wegwerfprodukt bei 100 T km.
uhuplus 12.12.2014
5. Drehorgel?
Hatte diese Woche das erste mal das "Vergnügen" mit einem der modernen 3l Einzylinder äähh... andersrum. Sollte angeblich 80PS haben, aber selbst mit kraftvollem Tritt aufs Gas konnte man die nur ganz knapp vor dem roten Drehzahlbereich aus der Maschinchen herauswringen. Statt einem Gaspedal hätte auch ein einfacher an-aus-Schalter für den Motor gereicht. War froh, das Gerät am Abend wieder abzugeben und zu genießen, wie entspannt das fahren mit einem nominell gleich starken Diesel mit früher einsetzender Kraft und deutlich mehr Drehmoment ist. Ich mag einfach diese hochtourigen Drehorgeln nicht.
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