Autogramm Alfa Romeo 4C Das neue Alfa-Tier

Endlich! Ein Lebenszeichen von Alfa Romeo, und was für eines. Selten begeisterte ein Auto aus Italien derart wie der neue 4C. Der Wagen bietet ein Fahrerlebnis wie im Ferrari - zum Fiat-Preis.

Alfa Romeo

Der erste Eindruck: Den will ich haben!

Das sagt der Hersteller: "Ein Traum wird wahr." So schwärmt Louis Carl Vignon, Alfa-Romeo-Verkaufschef für Europa, den Mittleren Osten und Afrika. Das Auto sei ein eindrucksvolles Lebenszeichen einer großartigen Marke, sagt Vignon und fabuliert von einem PS-Prinzen, der die schlafende Schönheit Alfa Romeo wachküssen soll.

Das Auto wurzle in der Vergangenheit mit Vorbildern wie Alfa 33 Stradale oder Alfa 8C; und stehe zugleich für eine großartige Zukunft. "Alle kommenden Alfa-Modelle werden so klar und kompromisslos sein wie dieses Auto", verspricht Vignon.

Die Kompromisslosigkeit betonen alle Projektbeteiligten. Der Designer, weil er nur der Form verpflichtet war, der Chefentwickler, weil er bei den ambitionierten Zielvorgaben (0 bis 100 km/h in unter 5 Sekunden) keine Kompromisse machen musste, und der Verkäufer, weil der Preis von "deutlich unter 60.000 Euro" nie zur Debatte stand. Vignon: "Wir bauen ein Auto mit der Technik und den Fahrleistungen eines Supersportwagens zu einem noch immer erreichbaren Preis." In Deutschland sind das exakt 50.500 Euro, der 4C ist damit eine Art Ferrari zum Fiat-Tarif.

Das ist uns aufgefallen: Kaum ist man hinuntergerutscht in die dünnen Sitzschalen, nimmt einen das knappe Coupé gefangen. Für eine lässige Position ist es zu eng hier drinnen. Also: Das dicke Lenkrad krallen, den sanften Gegendruck im mächtigen, stehenden Alu-Gaspedal ausloten, den Blick auf die Straße heften und dann los! Von 0 auf 100 km/h in 4,5 Sekunden - irrwitzig. Denn der 4C ist kein superteurer Supersportwagen, sondern ein sehr gut motorisierter Kleinwagen zum Preis einer Mittelklasselimousine.

Wirklich unvergesslich wird das Fahrgefühl des Alfa 4C in Kurven. Unverfälscht von jeder Servo-Unterstützung rasiert man mit dem Coupé traumwandlerisch sicher durch die Radien und vergisst alles andere. Mit jedem der rasend schnellen Gangwechsel (130 Millisekunden) steigt der Spaß und Gier nach der nächsten Serpentine.

Auffällig ist leider auch die Diskrepanz zwischen dem hinreißenden Äußeren und lustlos gestalteten Interieur des Autos. Ein ordentliches Handschuhfach, eine Ablage fürs Mobiltelefon oder ein Navigationssystem wird in einer puristischen Fahrmaschine keiner vermissen. Doch klobige Schalter und graue Kunststoffe in grobschlächtiger Verarbeitung - so ein billiges Interieur hat der Wagen nicht verdient. Immerhin ist der Anblick des nackten Karbons eine Augenweide.

Das muss man wissen: Mal abgesehen vom Lotus Elise gibt es neben den Autos von McLaren, Lamborghini, Ferrari & Co. kein anderes Auto, das derart kompromisslos als Fahrmaschine konstruiert ist. Dafür sorgt vor allem der Leichtbau. Chefentwickler Mauro Pierallini konstruierte ein Chassis aus Karbon mit Hilfsrahmen aus Aluminium und einer Karosse aus Kunststoff. Dazu kommen ein Motor aus Vollaluminium (22 Kilo Gewichtsersparnis) oder Details wie die Scheinwerfergehäuse aus Karbon (1,5 Kilo Gewichtsersparnis). Das ergibt ein Trockengewicht (also ohne Öl, Kühlflüssigkeit, Benzin) des Autos von 895 Kilogramm.

Für so ein Leichtgewicht braucht es auch keinen riesigen Motor. Und so sitzt direkt hinter den Sitzen ein Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum, der 240 PS leistet und 350 Nm Drehmoment freisetzt. Klingt nach nichts, doch kurzes Rechnen ergibt ein Leistungsgewicht von 3,85 Kilo pro PS, und das ist schon beachtlich. Zum Vergleich: Der normale Porsche 911 Carrera hat mit 4,15 Kilo pro PS das Nachsehen. Das beeinflusst auch den Verbrauch, als Durchschnittswert gibt Alfa 6,8 Liter an, was den 4C zu einem der sparsamsten Sportwagen überhaupt macht.

Gebaut wird der Feger übrigens nicht bei Alfa Romeo, sondern bei der Schwestermarke Maserati in Modena. Weil die mehrheitlich aus dem Fiat-Konzern akquirierten Technologiepartner nicht mehr als 16 Karbonchassis am Tag liefern können und die Montage eines 4C insgesamt rund 125 Stunden dauert, ist der Wagen ein knappes Gut. "Mehr als 3600 Exemplare im Jahr wird es nicht geben", sagt Vignon. Lediglich 1500 sind für Europa und den Mittleren Osten reserviert, mit den übrigen möchte Alfa das Comeback in die USA und die Expansion in Asien vorantreiben.

Das relativiert auch die Frage nach der Markteinführung. Offiziell beginnt der Verkauf Oktober. Aber das betrifft nur jene 500 Fahrzeuge der "Launch Edition", die unmittelbar nach der Weltpremiere in Genf in diesem Frühjahr schon vergriffen waren. Wer demnächst einen Alfa 4C bestellt, muss wohl mindestens sechs Monate auf die Auslieferung des Autos warten.

Das werden wir nicht vergessen: Den irren Klang des ungefilterten Vierzylindermotors, der für Außenstehende noch viel besser klingt als für Drinnensitzende und der so wunderbar nachhallt, selbst wenn das Auto schon über alle Berge ist. Dieser Sound ist der vielleicht beste Grund, auf den 4C Roadster zu warten. Und er ist der einzige Grund, aus dem 4C auszusteigen.

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insgesamt 68 Beiträge
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kaaarl 02.10.2013
1. fiat-preise
ich möchte fast sagen, dass auch ferraris zu fiat-preisen angeboten werden ... immerhin gehört ferreri doch zum fiat-konzern, oder liege ich da falsch? :-)
stefanmargraf 02.10.2013
2. Ramsauer freut sich schon.......
Blitzschnell ist der Lappen weg. Deutschschland ist gepflastert mit Geschwindigkeitsverboten, jedes Kaff hat alle 50m ein neues Schild, viele mit Zeitabhängigkeit, Autobahnschlafbaustellen mit 60km/h, oder Blitzer 200m nach einem einzigen Schild (B3 Marburg). Das ganze garniert durch eine "Punktereform" unseres wiedergewählten Verkehrsministers gekoppelt mit juristischer Ohnmacht. Aber wenn das Auto steht, ist es auch hübsch.
trashschollie 02.10.2013
3. endlich wieder ein neuer opel speedster
Zitat von sysopAlfa RomeoEndlich! Ein Lebenszeichen von Alfa Romeo, und was für eines. Selten begeisterte ein Auto aus Italien derart wie der neue 4C. Der Wagen bietet ein Fahrerlebnis wie im Ferrari - zum Fiat-Preis. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/alfa-romeo-4c-rasanter-zweisitzer-als-starkes-lebenszeichen-der-marke-a-924706.html
das verhältnis aus gewicht und leistung definiert die sportlichkeit. lotus praktiziert das schon jahrzehnte. ein suv mit 2 tonnen und 500 ps ist nicht sportlich. aber nur in diesen kommt ein übergewichtiger unsportlicher mit dickem geldbeutel überhaupt rein. ;-)
michlauslöneberga 02.10.2013
4. Nun ja,
Zitat von sysopAlfa RomeoEndlich! Ein Lebenszeichen von Alfa Romeo, und was für eines. Selten begeisterte ein Auto aus Italien derart wie der neue 4C. Der Wagen bietet ein Fahrerlebnis wie im Ferrari - zum Fiat-Preis. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/alfa-romeo-4c-rasanter-zweisitzer-als-starkes-lebenszeichen-der-marke-a-924706.html
so richtig neu ist das aber auch nicht, Lotus baut ein- übrigens auch optisch - sehr ähnliches Fahrzeug schon seit langem. Aber gefallen kann der Flitzer schon...
BeatDaddy 02.10.2013
5. Bin
13 Jahre lang Alfa Romeo gefahren und muss sagen, mir reichts! Soviel Geld in Wartung und Instandhaltung habe ich noch für kein anderes Auto bezahlt. Ganz abgesehen von den häufigen Reparaturen qualitativ minderwertiger Bauteile, wie z.B. Querlenker, Antriebswellen und Lager...und dem eklatanten Ölverbrauch von ca. 1 Liter 10W60 auf knapp 1000 Km. Und Metapher hin Metapher her, Alfas sind NICHT zum FIAT-Preis zu haben...für 50.000 Zahlungseinheiten bekommt man fast 3 Abarth 500 mit jeweils 160 Ps!
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