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Autogramm Alfa Romeo Giulia Veloce: Lamettafreie Zone

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Autogramm Alfa Romeo Giulia Veloce Mittelmaß der Dinge

Bisher gab es die Alfa Romeo Giulia nur sehr vernünftig motorisiert und als brachiales PS-Monster. Nun kommt mit dem "Veloce"-Modell das, was man wohl die goldene Mitte nennt.

Der erste Eindruck: Ein Auto für den zweiten Blick - je öfter man den Wagen ansieht, desto besser sieht er aus.

Das sagt der Hersteller: Alfa-Romeo-Europachef Fabbrizio Curci nennt das neue Veloce-Modell das vorerst "letzte Teil des Puzzles, mit dem das Bild der Giulia komplett wird". Der Wagen schließt die klaffende Lücke zwischen den normalen Giulia-Typen mit bis zu 200 PS und dem Extrem-Modell "Quadrifoglio" mit 510 PS. "Jetzt kann man die Giulia auch sportlich fahren, ohne dass man gleich einen Sportwagen mit vier Türen kaufen muss", sagt Curci.

Offiziell heißt es bei Alfa Romeo, die Markteinführung der neuen Baureihe laufe nach Plan. Das Auto wird mittlerweile europaweit in 30 Ländern angeboten und sei bereits bei 500 Firmenflotten gelistet, sagt Curci. Doch mit den bislang 9000 Zulassungen In Deutschland können die Verantwortlichen eigentlich nicht zufrieden sein. Dass es die Giulia damit in Deutschland an die Spitze der Alfa-Romeo-Verkaufsstatistik geschafft hat, ist keine große Überraschung, wenn man bedenkt, wie veraltet die anderen Fahrzeuge der Modellpalette inzwischen sind.

Trotzdem ist die Limousine aktuell gar nicht mehr das Hauptaugenmerk von Curci: Der Blick des Managements richtet sich immer stärker auf die Markteinführung des komplett neuen Stelvio im nächsten Frühjahr. Als erstes SUV-Modell der Marke wird dem Auto das Zeug zum neuen Bestseller zugetraut. und was hat das alles mit der Giulia Veloce zu tun? Die liefert die Plattform für den SUV - und den Antriebsstrang.

Das ist uns aufgefallen: Kein Grollen, kein Brüllen, ja nicht einmal ein kurzes Bellen, bevor der Motor nach dem Anlassen ins Standgas zurückfällt. Wer auf den Startknopf im Lenkrad drückt, merkt noch nichts von der Potenz unter der Haube. Anders als das Top-Modell Quadrifoglio schenkt sich der Giulia Veloce trotz des verheißungsvolle Namens das übliche Vollgas-Brimborium und kommt ohne Drama direkt zur Sache.

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Man sollte dieses Auto deswegen jedoch nicht unterschätzen. Im Gegenteil: Der Motor hängt gut am Gas, vehement stürmt die Limousine voran und weil der Veloce serienmäßig mit Allradantrieb ausgestattet ist, kann man ihn locker laufen lassen. Wenn es schnell wird, schwänzelt der Wagen bisweilen ein wenig mit dem Heck, weil der Allradantrieb hecklastig ausgelegt ist und ein bisschen Nervenkitzel bei einem Alfa Romeo eben dazugehört. Doch ehe das Auto über die Stränge schlägt, mischen sich die Vorderräder wieder ein und holen den Veloce zurück auf den Pfad der Tugend. Gerade auf rutschigen Straßen, wenn die Straßen nass oder voller Laub sind, steigert der Alfa-Allradantrieb Fahrspaß und Sicherheit gleichermaßen.

Das muss man wissen: Die innen wie außen nur sehr moderat modifizierten Veloce-Varianten stehen ab sofort bei den Alfa-Romeo-Händlern. Ab 46.800 Euro wird das Veloce-Modell mit einem 2,2 Liter großen Diesel angeboten, der 210 PS Leistung entwickelt und 450 Nm Drehmoment bereit stellt; 1000 Euro mehr kostet die Veloce-Variante mit dem 2,0 Liter großen Turbo-Benziner mit 280 PS und 400 Nm.

Während sich der Diesel vor allem nach der Autobahn sehnt und erst auf langen Strecken so richtig aufblüht, deckt der Benziner das breitere Spektrum ab. Der turbogeladene Ottomotor klingt nicht nur besser, sondern hat auch mehr Biss. Mit Hilfe der fein sortierten 8-Gang-Automatik spurtet die Benziner-Variante in 5,2 Sekunden (Diesel: 6,8) von 0 auf 100 km/h und erreicht bei Vollgas auf 240 km/h Höchstgeschwindigkeit (Diesel: 235 km/h). Auch beim Überholen auf der Landstraße schlägt sich der Benziner besser als der Diesel, dafür allerdings gönnt er sich schon auf dem Prüfstand knapp zwei Liter mehr als der Veloce mit Selbstzünder und kommt auf einen Normverbrauch von 6,4 Liter je 100 Kilometer.

Das werden wir nicht vergessen: Nicht nur das Karosseriedesign ist für ein italienisches Sportmodell ungewöhnlich dezent, auch das Cockpit des Giulia Veloce ist viel leerer und aufgeräumter als bei der Konkurrenz. Einerseits liegt es daran, dass Alfa bei Assistenzsystemen und Infotainment hinterher fährt, andererseits bemerkt man diesen Mangel kaum. Die Limousine hat ausreichend technische Substanz, um sich von digitalen Spielereien fernhalten zu können - das ist auch eine Qualität.

Hersteller:Alfa Romeo
Typ:Giulia Veloce
Karosserie:Limousine
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:2.143 ccm
Leistung PS:210 PS
Leistung kW:154 kW
Drehmoment:450 Nm
Von 0 auf 100:6,8 Sek.
Höchstgeschw.:235 km/h
Verbrauch (ECE):4,7 Liter
CO2-Ausstoß:122 g/km
Kofferraum:480 Liter
Gewicht:1.610 kg
Maße:4643 / 1873 / 1450
Preis:46.800 €