Alfa Romeo GTA Adrenalin und Angstschweiß

Alfa Romeo hat den bislang stärksten Motor seiner Firmengeschichte gebaut und ihn unter die Haube des Mittelklasse-Modells 156 gesteckt. Jetzt steht er da, der GTA - ein Alptraum für zurückhaltende Verkehrsteilnehmer, die Offenbarung für Alfisti.


Alfa Romeo 156 GTA - sportlich und elegant

Alfa Romeo 156 GTA - sportlich und elegant

In den Sechzigern sorgte das Kürzel GTA erstmals für Aufsehen. Die Alfa-Romeo-Modelle mit diesem Label ließen bei Tourenwagenrennen die Konkurrenz weit hinter sich. Die drei Buchstaben standen für "Gran Tourismo Alleggerita", also für eine sportliche Limousine in Leichtbauweise.

Die akutellen GTA-Modelle - es gibt sie als Limousine und Sportwagon (vulgo Kombi) - wiegen gut 1,4 Tonnen, von Alleggerita kann also keine Rede mehr sein. "Beim neuen GTA", sagt Alfa-Pressechef Jörg Walz, "steht das A für Adrenalin".

Die Instrumente sind voll und ganz auf den Fahrer ausgerichtet

Die Instrumente sind voll und ganz auf den Fahrer ausgerichtet

Kritiker würden wohl eher Angstschweiß assoziieren, doch wer für konsequent sportliche Autos nichts übrig hat, kann die GTA-Ableger der Alfa-Modelle eh gleich wieder vergessen. Allen anderen wird der Wagen gefallen. Vor allem deshalb, weil sich der Wagen von außen wunderbar bedeckt hält.

Es gibt zwar Schürzen an Front und Heck, es gibt Seitenschweller und Diffusor, einige dezente Lüftungsöffnungen und verchromte Doppelauspuff-Endrohre, doch eine "Seht-her-wie-schnell-ich-schon- aussehe"-Attitüde ist dem Sportwagon GTA fremd. Dabei kommt es dem Auto zu gute, dass er schon in der Basisversion und ziviler motorisiert sehr elegant und sportlich ausschaut.

Der einzige optische Fehltritt sind vielleicht die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen im Fünfloch-Design. Die riesigen Ausschnitte in den Rädern wirken viel zu grobschlächtig für die feinsinnige Linienführung der Karosserie. Dass durch die großen Öffnungen die rotlackierten Bremssättel hervor leuchten, stört eher das ansonsten angenehm Gimmick-freie Gesamtbild.

Sobald der GTA antritt, wird die Optik sowieso nebensächlich. Dann drängen sich erstens die Motorleistung und zweitens der Motorklang in den Vordergrund. Noch nie war ein Alfa-Romeo-Aggregat so stark wie diese 3,2-Liter-V6-Maschine mit 250 PS (184 kW) und 300 Nm Drehmoment. Bei Tempo 250 riegelt die Elektronik den weiteren Vortrieb ab, die Tachoskala reicht immerhin bis 300 km/h.

Dank direkter Lenkung und knochentrockenem Fahrwerk ist der GTA gut zu kontrollieren

Dank direkter Lenkung und knochentrockenem Fahrwerk ist der GTA gut zu kontrollieren

Wer die Nadel des Drehzahlmessers bis an den roten Bereich, der bei 7000 Umdrehungen pro Minute beginnt, rotieren lässt und das Sechsgang-Getriebe geschwind bedient, schafft mit dem Auto den Sprint von 0 auf 100 km/h in 6,3 Sekunden. Bei derartigen Spielchen faucht und grollt der Motor, als ob irgendwo Dolby-Sourround-Lautsprecher installiert wären.

Doch natürlich lässt sich der Sportwagon GTA auch ganz lässig und ruhig über Land manövrieren. Auch bei moderater Fahrweise machen die extrem direkte Lenkung und das knochentrockene Fahrwerk Spaß. Vorausgesetzt allerdings, die Straßen sind glatt und griffig. Auf ruppigen Fahrbahnen macht der GTA keine Freude, weil Stöße ohne große Umwege vom Asphalt in die Sportsitze weitergeleitet werden.

Alfa Romeo baut Fahrerautos, das machen die GTA-Modelle besonders deutlich. Wer auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, bekommt von den hübschen analogen Anzeigen für Tempo, Drehzahl, Tankinhalt, Uhrzeit oder Kühlwassertemperatur nichts mit. Zudem lassen die Scheibenwischer einen guten Teil der Frontscheibe vor dem rechten Vordersitz unbearbeitet. Das ist schade, aber nicht mehr zu ändern.

Fahrzeugschein
Hersteller: Alfa Romeo
Typ: Sportwagon GTA
Karosserie: Kombi
Motor: V6-Benziner
Hubraum: 3.179 ccm
Leistung: 250 PS (184 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 6,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 12,1 Liter
CO2-Ausstoß: 287 g/km
Kofferraum: 378 Liter
umgebaut: 1.180 Liter
Versicherung: 21 (HP) / 36 (TK) / 32 (VK)
Preis: 39.700 EUR
Dafür bieten die beheizbaren Leder-Sportsitze besten Seitenhalt und es gibt serienmäßig eine für rechts und links getrennt regelbare Klimaanlage, Regensensor, Tempomat und eine auch vom Lenkrad aus bedienbare Bose-Musikanlage mit CD-Wechsler. Ab Werk installiert sind ebenfalls Xenon-Scheinwerfer, sechs Airbags, Isofix-Kindersitzbefestigungen, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und eine elektronische Anti-Schlupf-Regelung.

Als Extras bleiben nicht mehr viele Dinge übrig. Zusätzlich bestellt und bezahlt werden müssen zum Beispiel Glasschiebedach (plus 760 Euro), Navigationssystem (plus 1350 Euro) oder Metallic-Lack (plus 500 Euro). Wer schalten will wie Schumi I oder II, kann für 1000 Euro extra das Selespeed-Getriebe wählen, das den Gangwechsel per Wippschalter am Lenkrad ermöglicht.

Ob die Welt Autos wie den Alfa GTA wirklich braucht, ist strittig. Unstrittig dagegen ist, dass es Menschen gibt, die solche Autos geradezu herbeisehnen. Denn eine Umfrage der Mailänder Marke ergab, dass zwölf Prozent der potenziellen Kunden deshalb keinen Alfa Romeo kaufen, weil ihnen "Speed" fehle. Diesen Zeitgenossen wird ab 13. April, wenn der GTA auf den deutschen Markt kommt, geholfen.



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