Autogramm Alfa Romeo Mito Individualista Italiana

Neuer Motor und ein bisschen Scheinwerfer-Bling-Bling - Alfa hat den Mito aufgehübscht. Für Menschen, die ein etwas anderes Auto suchen, ist der Kleinwagen ein Geheimtipp. Trotzdem kommt der Italiener in Deutschland nicht an. Warum eigentlich?

Alfa Romeo

Der erste Eindruck: Stand das Auto zu lange in der Sonne? Blickt man zum ersten Mal ins aufgefrischte Cockpit des Alfa Romeo Mito, zweifelt man unwillkürlich an der Materialqualität. Denn unten feurig rot, wird die Zierblende des Armaturenbretts nach oben hin immer dunkler und grauer. Doch das ist kein Defekt, sondern ein Effekt. Der Farbverlauf soll ein bisschen Exklusivität in den Innenraum bringen. Entsprechend betont Alfa Romeo die Bedeutung eines individualisierten Fahrzeugs und versucht, den Kleinwagen als Idealauto für Kunden mit einem eigenen Geschmack zu positionieren.

Das sagt der Hersteller: Alfa-Romeo-Europachef Louis Carl Vignon sieht den Mito in einer Liga mit bunten Lifestyle-Kleinwagen wie dem Mini, dem Opel Adam oder dem Citroën DS3. Und weil der Dreitürer in der Absatzbilanz für immerhin ein Drittel der gesamten Alfa-Romeo-Verkäufe steht, spendieren ihm die italienischen Autobauer jetzt noch einmal frische Schminke sowie einen neuen Motor. "Zusammen mit der Giulietta muss der Mito unsere Stückzahlen machen, bis volumenstarke Neuheiten kommen", sagt Vignon und räumt ein, dass vor 2015 kaum Verstärkung zu erwarten sei.

Das ist uns aufgefallen: Fünf Jahre hat der Mito jetzt auf dem Buckel - und das sieht man ihm auch nach der Überarbeitung einfach an. Man sitzt zwar bequem und hat das Auto buchstäblich gut im Griff, weil Alfa es einfach beherrscht, eine Fahrmaschine zu bauen. Doch derart tristes Plastik, so billige Chromimitate und solche altbackenen Matrix-Anzeigen findet man heute nicht einmal mehr in koreanischen Billigautos. Geschweige denn in den sogenannten Premium-Kleinwagen, mit denen Alfa den Mito gerne vergleicht. Da hilft auch das neue Tom-Tom-Navigationssystem nicht, das mit seiner bunten Touchscreen-Grafik wie ein Abziehbild aus dem Kaugummiautomaten im Cockpit prangt.

Besser als das Ambiente kommt der Antrieb weg. Denn mit dem 120 PS starken Diesel - der Motor ist der potenteste Selbstzünder im Angebot - kann man es auf einer italienischen Landstraße wunderbar brennen lassen. Und der neue Zweizylinder-Turbobenziner ist trotz mickrigem 0,9-Liter-Hubraum ein ganz Großer: 105 PS Leistung und 145 Nm Drehmoment sind vielleicht nicht gerade imposant, und von 0 auf 100 in 11,4 Sekunden und 184 km/h Spitze klingen auch eher ernüchternd - doch auf der Straße macht der Mini-Motor mächtig Spaß. Drehfreudig und quicklebendig legt der Zweizylinder los, und unter Last wirkt auch das Geräusch fast erwachsen. Dazu kommen eine relativ stramme Fahrwerksabstimmung, eine ordentliche Lenkung und ein tolerantes ESP. Wer sich davon anstecken lässt, kann eine hurtige Ausfahrt über Land unternehmen, doch am Ende wird man dann natürlich nicht bei den 4,2 Litern Durchschnittsverbrauch landen, sondern laut Bordcomputer bei rund dem Doppelten.

Im Stadtverkehr hat der Mito eine entscheidende Schwäche. Nach hinten ist der Wagen ziemlich unübersichtlich. Und vor allem taugt er nicht als Einkaufswagen. Der Kofferraum ist mit 270 Liter Fassungsvermögen zwar groß genug, doch es fehlt ein vernünftiger Öffner. Wer Tüten und Taschen einladen möchte, muss vorher den Schlüssel aus der Hose holen und aufs Knöpfchen drücken. Schade, denn irgendein moderneres, bequemeres System würde gut zu dem Auto passen.

Das muss man wissen: Ein neuer Chromgrill und frisch gestaltete Scheinwerfer-Augen - das ist auf den ersten Blick alles, woran man beim Alfa-Romeo-Händler erkennt, dass man vor einem neuen Mito steht. Ausgeliefert wird das überarbeitete Modell ab sofort. Die Preisliste des Kleinwagens aus Mailand startet bei 14.100 Euro. Dafür steckt dann ein Vierzylinder-Benziner mit 70 PS unter der Motorhaube. Darüber rangieren vier weitere Otto-Motoren mit 78, 105, 135 oder 170 PS sowie zwei Dieselaggregate, die 85 oder 120 PS leisten. Der sparsamste Mito ist mit 3,5 Liter Durchschnittsverbrauch zufrieden und der schnellste rennt 219 km/h.

Das werden wir nicht vergessen: Den gleich doppelt irritierenden Blick ins Cockpit. Zum einen, weil der kleine Zweizylinder-Motor so aberwitzig schnell auf Touren kommt, dass man erstaunt auf den Drehzahlmesser blickt und verwundert feststellt, fast immer am Drehzahllimit unterwegs zu sein. Zum anderen, weil die Tachoskala frech bis 260 km/h reicht. Das zeugt von Selbstbewusstsein à la "wenn ich erst mal groß bin". Und das braucht man wohl auch, wenn man es als Außenseiter mit Mini & Co. aufnehmen will.

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
nettermensch 19.11.2013
1.
Zitat von sysopAlfa RomeoNeuer Motor und ein bisschen Scheinwerfer Bling-Bling - Alfa hat den Mito aufgehübscht. Für Menschen, die ein etwas anderes Auto suchen, ist der Kleinwagen ein Geheimtipp. Trotzdem kommt der Italiener in Deutschland nicht an. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/alfa-romeo-mito-renovierter-kleinwagen-mit-neuem-zweizylinder-motor-a-931825.html
Das frage ich mich auch. Wir haben vor ein paar Jahren die erste Generation Mito innerhalb der Familie angeschafft und ich muss sagen, der Mito lässt Nichts zu wünschen übrig. Mängel weisst er auch nicht auf. Die Scheckheftintervalle reichen völlig aus, da ist der deutsche Kleinwagen, meines älteren Sohnes sehr viel häufiger in der Werkstatt, mit recht langen Ausfallzeiten.
trader_07 19.11.2013
2. Warum?
Zitat von sysopAlfa RomeoNeuer Motor und ein bisschen Scheinwerfer Bling-Bling - Alfa hat den Mito aufgehübscht. Für Menschen, die ein etwas anderes Auto suchen, ist der Kleinwagen ein Geheimtipp. Trotzdem kommt der Italiener in Deutschland nicht an. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/alfa-romeo-mito-renovierter-kleinwagen-mit-neuem-zweizylinder-motor-a-931825.html
Warum eigentlich? Weil ein Zweizylinder-Motor mit 875 ccm die richtige Motorisierung für meinen Aufsitz-Rasenmäher ist, aber ganz sicher nicht für mein Auto.
kuchengespenst 19.11.2013
3. Warum eigentlich?
Ganz einfach, weil die Marke seit Jahrzehnten den Ruf schlechter Verarbeitung weg hat, und wenn ich mir das Cockpit aus Yps-Plastik ansehe, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Alfa strahlt mittlerweile die gleiche Art von Hilflosigkeit wie Lancia aus. Gut, daß Matula das nicht mehr erleben muß.
patrick6 19.11.2013
4. Nun ja...
"Im Stadtverkehr hat der Mito eine entscheidende Schwäche. Nach hinten ist der Wagen ziemlich unübersichtlich." Also spontan fällt mir gar kein Auto mehr ein, das 'nach hinten' übersichtlich wäre. Wenn schon in der Fahrzeugklasse Mini etc. diese bescheuerten Parkpiepser notwendig sind, um ein schlichtes Parkmanöver ohne Beule zu überstehen, spricht das nicht gerade für funktionales Design.
Driver 19.11.2013
5. Tja, der Ruf
Zitat von kuchengespenstGanz einfach, weil die Marke seit Jahrzehnten den Ruf schlechter Verarbeitung weg hat, und wenn ich mir das Cockpit aus Yps-Plastik ansehe, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Alfa strahlt mittlerweile die gleiche Art von Hilflosigkeit wie Lancia aus. Gut, daß Matula das nicht mehr erleben muß.
Der Ruf muss nicht zwangsläufig mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Ich habe in den vergangenen Jahren zahlreiche Alfa Romeo gefahren, und ich hatte nicht mehr ( eher sogar weniger ) Ärger mit meinen Autos wie die Freunde, Bekannte und Kollegen mit ihren deutschen Fahrzeugen. Auch bei Dauertests schneiden Alfas i.d.R. durchschnittlich ab. Aber so ein Ruf kann eine Marke nunmal schwer schaden, siehe Opel. Die bauen auch keine schlechten Autos, und trotzdem wollen sie immer weniger haben. Ich kann jedem bedenkenlos empfehlen, einen Alfa zu kaufen. Letztlich ist es ohnehin immer ein bißchen glückssache - man kann einen Alfa problemlos über Jahre fahren, und der Audi der Gattin steht nur in der Wewrkstatt. Oder umgekehrt.
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