Alfa Spider Dolce Diesel

Der Alfa Spider ist eine Ikone des Dolce Vita. Die fünfte Generation der Bella Macchina ist etwas schwer geraten - an den erstmalig in dem Roadster eingesetzten Dieselmotor gewöhnt man sich hingegen schnell.


Das ist der Sommer, von dem Autofahrer träumen: links das Meer, rechts die Berge und darüber nichts als blauer Himmel. Auf der Zunge liegt noch der Geschmack des letzten Espresso, die Luft trägt den Duft des Salzwassers heran, und auf der Haut brennt die Sonne des Südens.

Diese Dolce Vita auf vier Rädern hat seit rund 50 Jahren einen Namen in der Autowelt: Alfa Spider. Abgesehen vom Fiat 500 ist kaum ein anderes Modell so sehr mit dem italienischen Lebensgefühl verbunden wie der offene Zweisitzer aus Mailand. Selbst wenn man in ihm nur durch Neustadt fährt statt durch Neapel, möchte man am liebsten lauthals "O sole mio" singen.

Während der offene Alfa früher häufig Anlass zu technischen Mäkeleien bot, ist das jüngste Modell ziemlich ausgereift. Entwicklerin Cristina Stiletto kann das mit einem Datenwust über Torsionssteifigkeit, Crashstruktur und Details leidenschaftlich untermauern.

Das aber ist graue Theorie, die erst an Farbe gewinnt, wenn der Startknopf den Motor zum Leben erweckt und eine Landstraße unter die Räder kommt. Doch Vorsicht: Dies ist kein luftig-leichter Sportwagen, dafür hat er einfach zu viele Pfunde auf den Hüften. Die steife Karosse, der kein Knistern zu entlocken ist und die einem das Gefühl von Sicherheit gibt, sorgt für ein Gewicht von 1,7 Tonnen und fordert in engen Kurven ihren Tribut. Wo andere Roadster leichtfüßig ums Eck tänzeln, braucht der Alfa gelegentlich etwas mehr Auslauf.

Aha-Effekt, wenn sich das Dach öffnet

Vorn blickt der Wagen stolz und selbstbewusst aus schmalen Scheinwerferschlitzen, die links und rechts vom dreieckigen Kühler abzweigen. An der Flanke spielt er mit schnittigen Linien und kräftigen Muskeln, und an dem von zwei Höckern über den Kotflügeln und den verchromten Überrollbügeln überragten Heck laufen alle Linien harmonisch in einer weichen Rundung zusammen. Auf der Piazza sind dem Spider die Blicke sicher, selbst wenn sich das Verdeck noch über den Innenraum spannt. Wenn dann auf Knopfdruck die Elektromotoren surren, das Dach sich in die Klappe vor dem Kofferraum faltet und den Blick zum Himmel frei gibt, sieht man ringsum eine Spur von Neid auf den Gesichtern.

Die allerdings nehmen einen verwunderten Ausdruck an, wenn der Motor anspringt. Kann das wirklich sein? Hört man da statt des Bollerns eines Sechszylinders tatsächlich das leise Nageln eines Diesels? Ja! Denn Alfa ist einer der wenigen Hersteller, die dem Trend zum Selbstzünder konsequent Rechnung tragen, so dass er ihn sogar im Roadster einbaut. Diesel-Cabrios? Die gibt es bei Audi, BMW, VW, Ford oder Opel längst. Doch im Zweisitzer ist der Commonrail-Motor ein Exot.

Dabei ist die Kombination gar nicht schlecht. Zumindest zum Bummeln über den Boulevard gibt es kaum einen besseren Motor als den 2,4 Liter großen Fünfzylinder. Immerhin hat der 200 PS und macht das sechsstufige Schaltgetriebe mit 400 Nm beinahe zur Automatik: Egal in welchem Gang man fährt, immer reicht ein kleiner Druck aufs Gaspedal, schon geht es munter voran. Und Messwerte wie 8,4 Sekunden für den Standardsprint oder 228 km/h Höchstgeschwindigkeit zeugen davon, dass es dem Diesel nicht an Feuer fehlt.

Strammer Preis - und ein ordentlicher Gegenwert

"Wer einen Spider kauft, der kauft ihn aus Leidenschaft", sagen die Italiener. Trotzdem gibt niemand 34.300 Euro aus, wenn der Gegenwert nicht stimmt. Deshalb hat Alfa Romeo durchaus auch die praktische Seite bedacht. Das Kofferraumvolumen ist mit 235 Litern überraschend groß. Der Wagen ist durchaus alltagstauglich. Es gibt zwei abschließbare Staufächer im Fond, die Getränkedosen im Halter in der Mittelarmlehne werden gekühlt und überhaupt ist die Ausstattung sehr ordentlich. Und für den Diesel spricht noch ein besonderes Argument: der Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern. Den schaffen unter den Roadstern sonst nur Zwerge wie der Opel Tigra.

Nur eines stört am offenen Diesel-Alfa: Ganz gleich wie gut der Motorraum auch isoliert sein mag, das Nageln der Maschine hört man doch. Andererseits: Spätestens bei Tempo 60 geht das typische Dieselgeräusch im Rauschen des Windes unter. Und an der Ampel kann man ja Eros Ramazotti auflegen - oder O Sole mio singen.



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