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Audi A4 Allroad: Lack und Leder

Foto: Jürgen Pander

Audi A4 Allroad Zurück zur Natur

Landlust und Naturverbundenheit sind der Gegentrend zum digitalen Lifestyle. Das passende Auto dazu ist der Audi A4 Allroad. Man kann den Allrad-Kombi seltsam finden. Aber er ist der beste Beweis dafür, dass niemand SUVs braucht.

Draußen, das ist da, wo es kein W-Lan gibt, kein Facebook und keine Flachbildschirme; für die meisten Mitteleuropäer also kein besonders attraktiver Ort. Doch trotz aller Vernetzung, Technisierung und künstlicher Aromastoffe scheint die Sehnsucht nach dem Einfachen und Natürlichen stark zu sein. Die Fußgängerzonen sind voller Leute in grellbunten Expeditionsjacken. Trachtenmode und Filzpantoffeln gelten als hip und in den Hitparaden schießt Mundart-Pop wie jener der Vorarlberger Combo "Holstuonarmusigbigbandclub" nach oben.

Ein passendes Auto zu dieser Schizophrenie - von Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber unter dem Slogan "Laptop und Lederhose" zusammengefasst - ist der Audi A4 Allroad. Der Wagen fährt nicht einfach dem SUV-Trend hinterher, sondern versucht, eine eigene Linie zu finden. Nämlich ein bisschen mehr zu sein als ein normaler Kombi, der bei Audi Avant heißt, und eben zugleich Distanz zum SUV zu wahren.

Das bisschen Mehr im Vergleich zum A4 Avant besteht beim A4 Allroad zum Beispiel in einer um knapp vier auf achtzehn Zentimeter angehobenen Bodenfreiheit, außerdem in einem serienmäßig installierten Allradantrieb sowie in Rädern von mindestens 17 Zoll Durchmesser. Dazu kommt ein Außendesign, das versucht, den rustikalen Charme von Lodenstoff, Hirschhornknöpfen und Wadlstrümpfen auf die Karosseriegestaltung zu übertragen. So gibt es dunkle Kunststoffverbreiterungen der Radläufe und der Schweller, vorn und hinten je einen Unterfahrschutz aus Edelstahl und eine Dachreling aus Aluminium.

Insgesamt wirkt das Auto dadurch zupackend und hemdsärmelig, wie ein Kumpel auf vier Rädern. Auf jeden Fall sieht es schneidiger und flotter aus als der normale A4 Avant, der sich optisch weitgehend auflöst im Design-Einheitsbrei von Audi.

Die vom krachledernen Anschein geschürte Stimmung überträgt sich sogleich aufs Fahrerische. Das liegt auch daran, dass der Wagen ausschließlich mit potenten Motoren ausgeliefert wird - Minimum ist eine Leistung von 143 PS. Wir fuhren das stärkste Modell, die Variante 3.0 TDI mit 3-Liter-V6-Diesel und satten 245 PS. Ab Werk wird dieser Motor mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert; in 6,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100, und 237 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich.

Man glaubt das schon nach ein paar Minuten. Denn wenn es diesem Auto an irgendetwas nicht fehlt, dann ist es Vorwärtsdrang. Satt, geschmeidig und vor allem sehr ruhig geht es voran, ganz ohne nervöse Aufdringlichkeit (die oft mit Sportlichkeit verwechselt wird) oder großspurigem Getöse.

Im Efficiency-Modus hilft die Technik wirklich beim Spritsparen

Der direkteinspritzende Turbomotor ist einfach da, wenn man ihn braucht. Man kann ihn allerdings auch per Dreh an der so genannten Drive-Select-Regelung bändigen. Indem man beispielsweise den Efficiency-Modus einstellt. Dann wirkt der Antrieb beinahe schlapp - doch genau das hilft beim Spritsparen. In diesem Betriebszustand nämlich bewegten wir den vollgepackten Wagen mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,5 Liter je 100 Kilometer. Gegenüber dem offiziellen Wert von 6,2 Liter eine absolut akzeptable Abweichung.

Insgesamt lässt sich mit dem Drive-Select-System die Abstimmung des Autos in vier Stufen einstellen; außerdem besteht die Möglichkeit, eine persönliche Lieblingsabstimmung frei zu konfigurieren. Verändert werden je nach Modus die Empfindlichkeit des Gaspedals, die Schaltpunkte des Getriebes, die Sensibilität der elektromechanischen Lenkung und die Wirkung der Klimaanlage.

Uns gefiel die Standardeinstellung am besten. Dadurch steigt der Kraftstoffverbrauch je nach Fahrstil zwar geringfügig, aber dafür fühlt sich das Auto ausgewogen und im besten Sinne durchschnittlich an. Weder zappelig wie im Sport-Modus, noch schlaff wie im Effizienz-Programm - wobei: ganz so gravierend sind die Unterschiede auch wieder nicht. Es ist mehr eine Spielerei, wenn Vati vor den Kegelbrüdern mal wieder die Sportskanone raushängen lassen will.

Noch drei Jahre muss diese A4-Generation frisch bleiben

Audi hat die A4-Baureihe, und damit auch das Allroad-Modell, erst vor einigen Monaten überarbeitet. Der Wagen wirkt jetzt ausgereift und durchdacht, im schnelllebigen Autobusiness kann man dem Fahrzeug durchaus so etwas wie Altersweisheit attestieren. Drei Jahre muss das noch reichen, dann wird ein Nachfolgemodell auf die Straße rollen.

Das sollte vielleicht mehr aufs Gewicht achten - unser Testauto wog 1840 Kilogramm - dazu sparsamer und vielleicht rundum ein paar Zentimeter kompakter sein. Im Innenraum jedoch fällt einem nur wenig ein, was sich noch verbessern ließe. Die Einrichtung sieht nämlich klasse aus - und fühlt sich auch so an.

Gut zum naturburschigen Gesamtcharakter des Autos passt übrigens auch das Schichtholz-Furnier "Eiche Beaufort", eine Art mittelbraunes Miniparkett mit Nadelstreifen. Für unseren Geschmack könnte die Holzvertäfelung ruhig noch etwas großzügiger verbaut werden.

Dann hätte man drinnen so etwas wie eine gute Stube, draußen die eingangs beschriebene, trendige Rustikalität und dazwischen ein stimmiges Technikpaket samt Allradantrieb. Eigentlich macht so ein Allroad-Modell jedes SUV überflüssig, und allein dafür muss man dieses Auto preisen.

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