Audi E-Tron Spyder Hochspannung in den Hollywood Hills

Minimale Regenwahrscheinlichkeit, 30 Grad und ein Postkartenpanorama - wo besser als in den Hügeln von Hollywood könnte ein Prototyp wie der Audi E-Tron Spyder zur Probefahrt starten. Vor allem, wenn er dabei weniger verbraucht als ein normaler Sportwagen beim Anlassen.

Aus Malibu berichtet


Auf seinen Ford Crown Victoria lässt Officer Eninguez nichts kommen. "Ein solider V8-Motor und Hinterachsantrieb - alles andere ist doch nach ein paar Monaten Schrott", sagt der Highway-Sheriff. Wenn sich der freundliche Herr mit der grimmig gestylten Uniform da mal nicht irrt. Schließlich arbeitet er in Kalifornien, jenem Sonnenstaat an der US-Westküste, in dem Firmen wie Tesla Motors vor ein paar Jahren die elektrische Revolution des Autos auslösten. Und jetzt muss Eninguez auch noch die Straße sperren für ein Elektroauto.

Für ihn sind das nur Spielzeuge. Erst recht der silberne Audi E-Tron Spyder, der da auf dem Mullholland Highway oberhalb von Malibu in der Sonne glänzt. Gemessen an seinem "Crown Vic" ist der 4,06 Meter lange und 1,11 Meter hohe Zweisitzer, der selbst hinter einem TT noch verschwinden würde, ein sehr kleines Auto. Und aufgrund der Elektromotoren klingt er auch noch wie ein Spielzeugmodell. "Cool ist er schon", räumt der Officer immerhin ein.

Vor einem Jahr auf dem Autosalon in Paris wurde der Prototyp erstmals präsentiert, jetzt startet er zur Jungfernfahrt in den Hügeln von Hollywood. Ein bisschen beengt aber durchaus bequem sitzt man in dem E-Renner nochmals tiefer als im R8, erfreut sich an dem betont schlicht gestalteten Cockpit, das den Blick nicht von der Straße ablenkt, und späht durch die flache Frontscheibe wie Officer Eninguez durch die obligatorische Ray Ban.

Der Prototyp schießt in 4,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100

Die fällt ihm fast von der Nase, als sich der E-Tron Spyder in Bewegung setzt. Trotz eines großen Lithium-Ionen-Akkus wiegt der aus Karbon und Aluminium gebaute Zweisitzer nicht einmal 1,5 Tonnen und fährt dem Streifenwagen mühelos davon. Während das Dickschiff aus Detroit gewichtig schwankend auf Richtungswechsel reagiert, nimmt der Audi jede Kehre wie ein Carver. Der elektrische Sprinter klebt förmlich auf dem Asphalt, dreht sich beinahe wie von selbst in die Kurve und lässt den Streifenwagen im Rückspiegel auf Daumengröße schrumpfen. Immerhin schafft das E-Auto den Sprint von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden.

Theoretisch würde der E-Tron danach bis Tempo 250 weiter beschleunigen. Aber dagegen hat nicht nur Officer Eninguez von Amts wegen etwas einzuwenden, sondern auch Uwe Haller. Haller ist der Projektleiter, der mitsamt einem 15-köpfigen Team den Wagen in nicht einmal drei Monaten fahrtüchtig gemacht hat. Und das soll behutsam passieren, denn sonst müsste Haller der Versicherung einen Schaden von zwei Millionen Euro erklären.

Ein Dieselmotor im Heck sorgt für Reichweite

Was den Sheriff wiederum am meisten verblüfft, ist das sonore Grollen, das aus den Tiefen der Karbon-Karosse rollt. Denn mit den beiden jeweils 44 PS starken E-Maschinen an der Vorderachse ist es bei diesem Prototypen nicht getan. "Ja Mann, das ist gar kein Elektroauto. Zumindest keines, der reinen Sorte", erklären wir dem Mann, dessen Mine sich mit jedem Gasstoß aufhellt.

Der Audi E-Tron-Spyder ist ein so genanntes Plugin-Hybrid-Auto, bei dem die E-Motoren an der Vorderachse und der mit den 20-Zöllern im Heck verblockte und längs hinter den Sitzen platzierte V6-Dieselmotor ein schlagkräftiges Trio bilden. Laut und ungefiltert grölt der drei Liter große Biturbo ein raues Lied von Lust und Leistung, das von 300 PS und 650 Nm erzählt. "Mit diesem Spyder kann man problemlos über den Rodeo-Drive oder den Sunset Boulevard stromern," sagt Haller. Bis zu 60 km/h und 50 Kilometer Reichweite schafft der E-Tron tatsächlich als Batterie-Bolide. "Und hier draußen in den Hügeln kann man mit dem Auto auch richtig Spaß haben. Und zwar ohne auf die Reichweite achten zu müssen."

Das ist der wesentliche Unterschied zum Tesla Roadster, der hier in den Hollywood Hills seinen Siegeszug begann. Wo beim Elektroflitzer aus Palo Alto die Reichweite bei jedem Gasstoß dahinschmilzt wie der Frozen Yoghurt in der kalifornischen Sonne, könnte der E-Tron beinahe ewig so weiterfahren: Bei einem Normverbrauch von 2,2 Litern reicht der Dieseltank für knapp 1000 Kilometer. Was der E-Tron auf 100 Kilometer verbraucht, reicht dem Streifenwagen von Officer Eninguez wahrscheinlich nicht einmal zu Anlassen.

Mit mehr Schwung noch flotter durch die Kurven

"Das Konzept ist aber nicht nur sportlich und sparsam", sagt Haller, "es gewährt uns auch neue Freiheiten für die Fahrdynamik". Dass der Spyder so sehr nach Kurven giert und so leichtfüßig durch die Hollywood Hills fliegt, verdankt er auch dem sogenannten Torque Vectoring. Statt via ESP einzelne Räder in kritischen Situationen einzubremsen, dreht der Audi - zumindest in der Theorie - sogar noch ein wenig auf. Kein Wunder also, dass er so zum Kurvenkönig wird.

Als der Officer beim Fotostopp wieder aufschließt, sieht er die Sache mit den Stromern nicht mehr ganz so kategorisch. Im Gegenteil. "Den würde ich glatt nehmen", sagt er und bietet nur halb im Scherz seinen Dienstwagen zum Tausch an. Aber Projektleiter Haller muss den Officer genau wie alle anderen Interessenten enttäuschen. Details wie das Bediensystem, das Design der Frontpartie, den elektrischen Quattroantrieb und das Plug-In-Prinzip werde man zwar schon bald in Serie sehen, sagt der Projektleiter. Doch der Spyder selbst bleibt wohl auf ewig ein Einzelstück. Auch wenn Audi ein Sportwagen zwischen den Modellen TT und R8 gut zu Gesicht stünde, ist Haller skeptisch.

Aber wer weiß: In Hollywood sind schon manche Träume wahr geworden.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
mmueller60 24.10.2011
1. x
2,2 Liter Verbrauch wird ja wohl der übliche Betrug wie bei allen Plug-In-Hybridfahrzeugen sein, oder? Wenn der Wagen zu Beginn jeder Fahrt vorher elektrisch gefüllt wurde - der Stromverbrauch geht dann mit Null ein in die Rechnung.
seikor 24.10.2011
2. augenwischerei
ja, das mit den 2,2 Litern ist eine Verdrehung der Tatsachen, die das Elektroauto nicht verdient hat. Ähnlich, wie wenn man die Reichweite eines Elektroautos durch eine Schleichfahrt bei Tempo 30 ermittelt. Klar, dass dann 200km rauskommen, wo bei normaler Fahrt nur 60-70km drin sind. Ehrlichkeit würde hier weiterhelfen. Und eigentlich wäre es doch ganz einfach: Verbrauchsangaben für die jeweilige Betriebsart: - in kWh/100km für den rein elektrischen Batteriebetrieb (aber bitte ab Steckdose) - in Liter/100km für den Verbrennerbetrieb Und wenn schon Kombibetrieb, dann bitte beide Werte auflisten.
phboerker 24.10.2011
3. ...
Jetzt muss man nur noch das weglassen, was man eh nicht braucht: den überdimensionierten Verbrennungsmotor. Stattdessen einen kleinen Verbrennungsmotor, der nichts anderes tut, als bei optimaler Drehzahl die Batterie zu laden. Natürlich nur, falls deren Ladezustand zu niedrig wird. Die Gewichtsersparnis (kein mechanisches Getriebe, kleinerer Verbrennungsmotor) darf dann in mehr Innenraumkomfort investiert werden.
JaguarCat 24.10.2011
4. Mini-Verbrauch
Zitat von mmueller602,2 Liter Verbrauch wird ja wohl der übliche Betrug wie bei allen Plug-In-Hybridfahrzeugen sein, oder? Wenn der Wagen zu Beginn jeder Fahrt vorher elektrisch gefüllt wurde - der Stromverbrauch geht dann mit Null ein in die Rechnung.
Das vermute ich auch. Bei einer genannten rein elektrischen Reichweite von 50 km verbleiben im Normzyklus somit 50 km mit Diesel, ergo 4,4 l auf 100 km, wenn man längere Strecken ohne Steckdose unterwegs ist. Die halte ich für ein so flaches Auto durchaus für realistisch erreichbar, wenn man Normzyklus fährt. Der Motor arbeitet dann im Intervallbetrieb: ein paar Minuten lang an und Batterie laden, dann wieder lange Pause.
deufin 24.10.2011
5. xxx
Ich sehe die Hybrid-Wagen eigentlich recht unkritisch. Natürlich sind die angegebenen 2.2 Liter totaler Blödsinn und der reale Wert liegt wahrscheinlich sogar bei dem doppeltem, wenn man gemäßigt fährt. 4 Liter werden es schon alleine zum aufladen der Akkus sein was der 3l V6 verbrennt. Um eine sportliche Fahrweise zu erreichen mit Tempo 200 sind es dann wahrscheinlich sogar eher 10 Liter. Kleine Otto-Motoren als Rangextender sind aber mE sinnvoller. Der Opel Ampera (Chevy Volt) verwendet den Otto-Motor nur, um die Akkus aufzuladen und kommt bei Langstrecken mit 3 Liter auf 100km aus, und wenn man nur in der Stadt ist, dann reichen die 50km der Batterien auch locker aus, ohne einen Tropfen Benzin zu verbrennen. Über Nacht sind die Akkus wieder voll, selbst mit normalem 230V Haushaltsstrom. Einzges Problem in deutschen Städten ist der Mangel an Parkplätzen mit Steckdose. Wer eine Garage hat der hat dieses Problem jedoch nicht mehr. Wenn man dann noch den Strom regenerativ erzeugt, dann ist man auf einem guten Weg. Autostellplatz mit Solaranlage z.B., was aber derzeit von der Investition noch zu teuer ist und auch im Winter wenig tauglich. Die Richtung stimmt jedoch im großen und ganzen.
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