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Autogramm Audi Q3 Wie nebensächlich das Fahren geworden ist

Die Zeiten, in denen die meisten Väter und Mütter von einem Kombi träumten, sind vorbei. Familienkutsche Nummer eins ist inzwischen das SUV. Warum, zeigt auch der neue Audi Q3.

Der erste Eindruck: Mit dem Generationswechsel gewinnt der Q3 deutlich an Profil. Es gibt nicht nur farblich abgesetzte Radläufe, sondern beispielsweise auch eine Motorhaube mit insgesamt sieben Knicken im Blech.

Das sagt der Hersteller: Jochen Kappler hat eine schwere Aufgabe übernommen. "Der erste Q3 war mit mehr als 1,1 Millionen Exemplaren der Bestseller unter unseren Geländewagen", sagt der Audi-Produktmanager, der die zweite Generation des SUV-Modells Q3 verantwortet. Das Auto soll die interne Spitzenposition verteidigen. Kappler setzt neben dem geschärften Design und einer Digital-Offensive vor allem auf ein neues Format. "Der Q3 wächst zu einem richtigen Familienauto", sagt er mit Blick auf zehn Zentimeter mehr Länge, zwei Zentimeter mehr Breite und acht Zentimeter mehr Radstand. Jetzt biete das Auto innen ähnlich viel Platz wie ein Kombi, sei aber bei 4,49 Meter Länge deutlich handlicher. "So wird der Q3 zur Alternative für alle, die das Raumangebot eines Avant brauchen, aber ohne Schweiß auf der Stirn einparken wollen."

Das ist uns aufgefallen: Stimmt - schwitzen muss beim Rangieren im neuen Audi Q3 keiner. Das liegt aber weniger an den Abmessungen als an der Ausstattung. Wozu gibt es schließlich Kameras an Front, Heck und an den Seiten und einen großen Bildschirm neben dem Lenkrad. So lässt sich der Wagen millimetergenau platzieren, ohne auch nur einmal nach draußen zu schauen. Oder der Fahrer überlässt die Aufgabe gleich der Parkautomatik, die dabei auch noch auf den Verkehr achtet.

Sicher, neu ist das nicht, aber es steht sinnbildlich für die vielen digitalen Zutaten, die den Alltag im neuen Q3 leichter machen sollen. Dazu zählen auch elektronische Helfer wie der adaptive Fahrassistent, der den Abstand regelt und bei der Spurführung hilft, sodass man dem freihändigen Fahren so nahe kommt, wie es der Gesetzgeber bislang erlaubt. Und natürlich das virtuelle Cockpit mit animierten Instrumenten, das Audi erstmals in dieser Baureihe in den Serienstand erhebt. Schade nur, dass es kein Head-up-Display gibt, weil den Entwicklern irgendwann Geld und Platz ausgegangen sind.

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Autogramm Audi Q3: Kinder, kommt ihr!

Foto: Audi

Ach ja: "Always online" ist der Q3 mit Internet-Navigation und Echtzeit-Verkehrsinformationen auch. Wer trotzdem das Smartphone nutzen will, kann es neuerdings auch mit dem kommenden USB-C-Standard laden. Der Q3 ist eines der ersten Autos überhaupt mit den kleinen Buchsen.

Aber so wichtig den Entwicklern die Elektronik war, auch die konventionellen Tugenden des Q3 wurden gestärkt - etwa indem schlichtweg Platz geschaffen wurde. Jetzt sitzen auch die meisten Erwachsenen im Fond bequem. Und weil das SUV durchaus den Kombi Avant beerbt, will es zudem ein praktisches Auto sein. Nicht nur, dass das Kofferraumvolumen um mehr als ein Drittel auf 530 Liter wächst. Nun lässt sich auch die Rückbank um 15 Zentimeter verschieben und die Neigung der Lehne in sieben Stufen einstellen - serienmäßig. So wächst das Ladevolumen ohne Preisgabe von Sitzplätzen auf bis zu 675 Liter. Wer noch mehr stapeln will - auch das ist eine Premiere bei Audi - kann nun sogar die massive Gepäckraumabdeckung unter dem Ladeboden verstauen. Dann noch die dreigeteilte Rücksitzlehne komplett umgelegt, und der Q3 fasst 1525 Liter und damit mehr als der aktuelle A4 Avant.

Das Fahren selbst geht dagegen ein bisschen unter. Es gibt zwar ein aufwendiges Allrad-Fahrwerk und auch die Charakterregelung "Drive Select". Aber selbst mit dem immerhin 230 PS starken Topmodell und der dynamischsten Abstimmung hält sich der Spaß in Grenzen. Man ist zwar souverän motorisiert und flott unterwegs, aber wo andere Autos mit weniger Leistung schon Lust auf einen kleinen Abstecher über Land machen, ist beim Q3 nicht der Weg das Ziel. Sind es die neue Größe und das Gewicht, das schon "nackt" bei 1,7 Tonnen liegt? Ist es der Allradantrieb und die Doppelkupplung? Oder ist es der Motor selbst? Wahrscheinlich von allem ein bisschen - auf jeden Fall klingt der zwei Liter große Vierzylinder angestrengter, als es sein sollte, und irgendwo zwischen Prüfstand und Praxis versickern offenbar ein paar PS.

Das muss man wissen: Der Verkauf des Audi Q3 beginnt im November zu Preisen ab 33.500 Euro. Dafür gibt es den Gegner von Mercedes GLA und BMW X1 als 1.5 TFSI mit 150-PS-Benziner, Handschaltung und Frontantrieb. Der 190 PS starke 2,0 Liter steht mit 39.600 Euro in der Liste und für den 230 PS starken Testwagen mit Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe verlangt Audi mindestens 43.800 Euro. Einziger Diesel zum Start ist der 35.900 Euro teure 2.0 TDI mit 150 PS, dem später noch eine Variante mit 190 PS zur Seite gestellt wird.

Das werden wir nicht vergessen: Wie nebensächlich das Fahren selbst geworden ist. Das merkt man am eher lustlosen Motor des Topmodells und erst recht am virtuellen Cockpit. Das ist so sehr mit Informationen überladen, dass man Tacho und Drehzahlmesser mit ihren ausgefallenen Grafiken fast schon suchen muss.

Hersteller:Audi
Typ:Q3
Karosserie:SUV
Motor:Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer mit Turbo
Getriebe:Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb:Allrad
Hubraum:1.984 ccm
Leistung PS:230 PS
Leistung kW:169 kW
Drehmoment:350 Nm
Von 0 auf 100:6,3 Sek.
Höchstgeschw.:233 km/h
Kofferraum:530 Liter
umgebaut:1.525 Liter
Gewicht:1.695 kg
Maße:4484 / 1856 / 1616
Preis:43.800 €
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