Audi Q7 Dickschiff auf Diät

Die Neuauflagen des VW Touareg und des Porsche Cayenne bringen den technischen Cousin dieses Duos, den Audi Q7, in Zugzwang. Der klobige SUV aus Ingolstadt wird zwar nicht renoviert, erhält aber neue Motoren, die etwas sparsamer sind. SPIEGEL ONLINE hat's ausprobiert.


Seit die SUV-Zwillinge Porsche Cayenne und VW Touareg frisch am Start sind, und das jeweils auch in einer Hybridvariante, sehen die Nobel-Allradler der deutschen Konkurrenten ein bisschen alt aus. Die Argumente der neuen Typen: Rund 200 Kilogramm Gewichtsverlust, serienmäßig Start-Stopp-Automatik und eben die schon erwähnte Option auf einen Hybridantrieb. Mercedes M-Klasse, BMW X5 und Audi Q7 können darauf kaum etwas erwidern.

Am schwierigsten ist die Situation für den Letztgenannten, denn der Audi Q7 wird frühestens in zwei Jahren grundlegend erneuert. Immerhin erhält er jetzt einige Komponenten, die den Spritverbrauch senken und so das Auto insgesamt sowohl attraktiver, als auch sozialverträglicher machen sollen. Die Technik stammt übrigens aus dem selben Baukasten, aus dem sich auch VW Touareg und Porsche Cayenne bedienen.

Ein Beispiel ist die neue Achtgang-Automatik, die ab Juli auch im Audi Q7 den Dienst antreten wird. Das Räderwerk wechselt die Fahrstufen beinahe so schnell und unmerklich wie ein Doppelkupplungsgetriebe und ist deshalb gleichermaßen entspannend und komfortabel. Und natürlich trägt der Wandler auch zur Verbrauchssenkung bei: Weil die Motoren jetzt öfter im optimalen Drehzahlbereich arbeiten können, schlucken sie weniger Sprit. Außerdem gibt es auch im Q7 dann eine Start-Stopp-Funktion, die etwa an der roten Ampel automatisch den Kraftstoffhahn zudreht - auch das fördert die Sparsamkeit.

Die Motoren selbst, hat Audi ebenfalls optimiert oder ersetzt: So gibt es statt der bisherigen Benziner mit sechs oder acht Zylindern künftig nur noch einen V6 mit Kompressor und Direkteinspritzung, der allerdings in zwei Leistungsstufen angeboten wird. In der stärkeren Variante kommt die Maschine auf 333 PS, in der etwas schwächeren Version auf 272 PS. In beiden Fällen verbraucht das Aggregat im großen Audi-SUV 10,7 Liter und ist damit bis zu zwei Liter sparsamer als die bisherigen Benziner.

Die Entrümpelung des Motors brachte 20 Kilo Ersparnis

Das ist beachtlich, wird aber wohl wenig daran ändern, dass die Q7-Kunden in den allermeisten Fällen ein Auto mit Dieselmotor wählen. "Der mit Abstand wichtigste Motor ist für uns der neue V6-Diesel", sagt Audi-Entwickler Jörg Juchem. Das Modell mit diesem Aggregat kostet lediglich 400 Euro mehr als das mit dem schwächeren Benziner und macht sich bereits nach wenigen Tankstopps bezahlt. Denn auch der Dreiliter-Diesel ist sparsamer geworden. Dabei fanden die Ingenieure insgesamt mehr als 20 überflüssige Kilos. In Verbindung mit anderen Feinarbeiten kommt der Motor jetzt - bei unverändert 240 PS Leistung und nun 550 Nm Drehmoment - auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern, was einer Ersparnis von 20 Prozent entspricht. Anders ausgedrückt reichte eine Füllung des 100 Liter fassenden Tanks nun für rund 1400 Kilometer Fahrt.

Und genau für derartige Langstrecken scheint das Dickschiff wie gemacht. Natürlich kann man mit dem Q7 auch über Offroad-Pisten brettern, oder sich, eine andere Herausforderung, mit dem Fünf-Meter-Trumm durch enge Altstadtgassen tasten. Doch eigentlich ist der luxuriöse Geländewagen nichts anderes als eine aufgebockte Langstreckenlimousine mit besserer Übersicht für die Insassen.

Wer sonst im überzüchteten Kombi oder der aufgemotzten Limousine über die linke Spur bolzt und die Finger ständig an der Lichthupe hat, könnte die Fahrt in dem Zweitonner als eine Entspannungsübung empfinden. Dabei ist man im Q7 nicht unbedingt langsamer. Schließlich wuchtet selbst der V6-Diesel den bayerischen Kaventsmann in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft bei abgesenkter Luftfederung und damit tiefer liegender Karosserie 218 km/h.

Nach wie vor gibt es auch V8- und gar V12-Dieselmotoren

Wem das nicht reicht, aber trotzdem Diesel fahren möchte, der kann auf den V8-Ölbrenner mit nach wie vor 340 PS Leistung wechseln. Auch dieser Motor wurde überarbeitet, entwickelt jetzt respektable 800 Nm Drehmoment und braucht dank erhöhtem Einspritzdruck und reduzierter innermotorischer Reibung nun im Schnitt 9,2 statt bislang 9,9 Liter je 100 Kilometer.

Insgesamt bleibt der Audi Q7 ein gewaltiges Trumm, das im europäischen Straßenbild überdimensioniert wirkt. Und bei aller Anerkennung für den Diätkurs der Ingenieure sind die leichteren Motoren auch kein so großes Ding. Jedoch: Die Aggregate sind jetzt wieder auf der Höhe der Zeit - sprich: denen der Konkurrenz. Abgesehen natürlich vom V12-Diesel mit 500 PS, 1000 Nm und dem ziemlich prohibitiven Preis von 132.400 Euro. Auch die Achtgang-Automatik samt der eingebauten Start-Stopp-Funktion ist ein Fortschritt. Lediglich beim Thema Hybridantrieb kommt Audi nicht voran. Die Technik ist zwar in Vorbereitung, wird aber wohl erst im kommenden Jahr im kleineren SUV-Modell Q5 debütieren.

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
taiga, 11.05.2010
1. ...
Zitat von sysopDie Neuauflagen des VW Touareg und des Porsche Cayenne bringen den technischen Cousin dieses Duos, den Audi Q7, in Zugzwang. Der klobige SUV aus Ingolstadt wird zwar nicht renoviert, erhält aber neue Motoren, die etwas sparsamer sind. SPIEGEL ONLINE hat's ausprobiert. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,693611,00.html
Ugliest car ever.
Scathe 11.05.2010
2. .
Zitat von taigaUgliest car ever.
Den Preis würde ich immernoch dem X6 zusprechen...
hungarumlaut, 11.05.2010
3. Ein weiteres Fahrzeug...
...aus der Serie "Autos, die die Welt nicht mehr braucht". Vielleicht kann man aber mit dem häßlichen Blechklotz das Ölbohrloch im Golf von Mexiko zustopfen.
mooksberlin, 11.05.2010
4. Gebannt
Es wird Zeit, dass solch hässliche, umweltverschmutzende und gefährliche Gefährte aus den Grosstädten verbannt werden. Zwei Parkplätze verschwendend, überall parkend um die lieben Kleinen an der Privatschule mal "schnell" rauszulassen und bei Unfällen mit Fussgängern, Radfahrern und normalen Autos als lebensgefährlich tickende Zeitbombe agierend, gehören diese mit einer Sondersteuer versehen und aus Städten verbannt. Leider sind die X5´s, Q7´s und Porsche Cayennes die Lieblingsgefährte vieler sozialer Aufsteiger und Trustfund Babies und leider haben diese mit der FDP eine (noch) schlagkräftige Lobby.
Stefanspiegelt 11.05.2010
5. Keine soziale Akzeptanz
Sonst steht doch immer der CO2-Verbrauch im Artikel drin? Warum hier nicht? Warum bespricht der Spiegel überhaupt solche Dinosaurier Autos? Nur weil sie mal umsonst damit rumfahren dürfen? Von einem modernen Spiegel würde ich erwarten, mal ein Statement aufzustellen: Nein Danke, Autos über 130 CO2 g/km werden von uns nicht mehr beworben und also nicht mehr getestet! Aber nein, man will genau wissen wie sich das nun anfühlt. So ein Auto gehört an den Pranger. Keine soziale Akzeptanz.
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