SPIEGEL ONLINE

Autogramm Audi SQ5 Der Diesel-Dominator

Ausgerechnet Audi setzt wieder voll auf den Diesel: Im neuen SUV SQ5 bollert ein V6-TDI. Seine ganze Kraft entfaltet der Wagen allerdings erst durch zwei zusätzliche Elektromotoren.

Der erste Eindruck: Andere Hersteller brezeln ihre Sportmodelle auf, der neue Audi SQ5 hält sich zurück. Es gibt lediglich ein paar neu gefärbte Anbauteile.

Das sagt der Hersteller: Natürlich weiß Andreas Fröhlich, dass der Ruf des Diesels zuletzt gelitten hat. So wundert er sich nicht über die Verwunderung derer, die unter die Haube des Audi SQ5 blicken - und dort einen Dieselmotor entdecken. Doch für Audi ist der Selbstzünder nach wie vor erste Wahl bei sportlichen Autos, die nicht allzu viel verbrauchen sollen. "Die Kombination aus starker Performance, hoher Reichweite und niedrigen Emissionen ist beim Diesel unschlagbar", sagt der Leiter der V-Motorenentwicklung. Weil Autos wie der SQ5 oft als Dienstwagen auf der Autobahn im Einsatz seien, passe der Diesel perfekt. Damit der Antrieb zeitgemäßer wirkt, hat Audi ihn erstmals in einem S-Modell elektrifiziert und mit zwei E-Maschinen kombiniert. Sie sollen ihn sportlicher und sparsamer machen.

Fotostrecke

Autogramm Audi SQ5: Der Diesel-Dominator

Foto: Audi

Das ist uns aufgefallen: Wenn Audi mit dem Diesel tatsächlich die Flucht nach vorn antreten will, dann ist der SQ5 das richtige Auto dafür. Jedenfalls stürmt der 347 PS starke Dreiliter-TDI mit dem maximalen Drehmoment von 700 Nm vehement davon. Für diesen Effekt haben die Ingenieure zusätzlich zum V6-Motor zwei E-Maschinen vorgesehen, die ihre Energie aus einem 48-Volt-Bordnetz ziehen. Die eine E-Maschine ersetzt als Startergenerator die Lichtmaschine und hilft beim Anfahren. Die andere unterstützt den Turbolader als elektrischer Verdichter. Während der herkömmliche Lader erst mit Verzögerung anspricht, die als Turboloch geschmäht wird, erreicht der E-Verdichter binnen 250 Millisekunden 70.000 Touren und erzeugt so einen Ladedruck von 1,4 bar. Das ist mehr als die Hälfte dessen, was der Abgasturbo allein maximal an Druck aufbauen kann.

Dank der E-Unterstützung ist der TDI für den spontanen Sprint bereit, wie man es eher von Benzinern kennt. Dieselfahrzeuge lassen sich beim Spurt gern etwas Zeit. Der SQ5 schafft den Sprint von 0 auf 100 in 5,1 Sekunden und erreicht mühelos das Limit von 250 km/h. Zudem quittiert der Antrieb jeden Kickdown mit einem Satz nach vorn. Entwicklungschef Fröhlich fasst diesen Eindruck in Zahlen: Beim Ampelstart habe man gegenüber einem Q5 ohne E-Maschinen nach 2,5 Sekunden einen Vorsprung von 2,5 Metern.

Der Blick auf die Tankuhr überrascht ebenfalls. Ihr Zeiger bewegt sich langsam. Das liegt auch an den 70 Liter Fassungsvermögen, und natürlich sind der Normverbrauch von 6,6 Litern und die rechnerische Reichweite von 1060 Kilometern Prüfstandsarithmetik. Doch während eilige Fahrer von Benzinern zwischen Hamburg und Frankfurt schon mal nachtanken müssen, schaffen SQ5-Fahrer noch einen guten Teil des Rückwegs. Etwa 700 Kilometer sollten selbst bei flotter Fahrweise drin sein.

Auch dabei hilft die Elektrifizierung. Der Startergenerator schaltet den Verbrenner im Geschwindigkeitsbereich zwischen 55 und 160 km/h immer wieder ab - bis zu 40 Sekunden lang. Dann "segelt" der SQ5. Und weil er beim Verzögern recht viel Energie zurückgewinnt, sinkt der Verbrauch laut Audi im Alltag um bis zu 0,4 Liter.

Anders als außen mutet der SQ5-Testwagen im Innern extrovertiert an. Das passt irgendwie nicht zum Charakter des Autos. In der gefahrenen Ausführung mit Leder in knallrotem "Magma", Kontrastnähten und einem auffälligen Rautenmuster haben es die Designer innen ein bisschen zu bunt getrieben.

Das muss man wissen: Der SQ5 kommt - immer in Kombination mit Allradantrieb und Achtgangautomatik - in diesen Tagen zu Preisen ab 68.900 Euro in den Handel. Damit ist er etwa 10.000 Euro teurer als die mit 286 PS bislang stärkste Dieselvariante. Den gleichen Motor baut Audi auch in drei weiteren, bei Vielfahrern beliebten Modellen ein: Für 67.500 Euro gibt es ihn in der S6 Limousine, für 69.000 Euro im S6 Avant und für 82.750 Euro im S7. In den USA und Asien gibt es die S-Modelle von Q5, A6 und A7 wie eh und je ausschließlich als Benziner.

Das werden wir nicht vergessen: Das Brabbeln und Bollern, das nach dem Wechsel in den Sportmodus durch die Kabine wabert. Das klingt künstlich und wirkt albern, wenn man einen Blick auf die in Szene gesetzten Auspuffendrohre riskiert. Die sind nämlich genauso ein Fake wie der vermeintliche Power-Sound aus dem Generator.

Hersteller:Audi
Typ:SQ5 (2019)
Karosserie:SUV
Motor:V6-Turbodiesel-Direkteinspritzer
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:2.967 ccm
Leistung PS:347 PS
Leistung kW:255 kW
Drehmoment:700 Nm
Von 0 auf 100:5,1 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):6,6 Liter
CO2-Ausstoß:172 g/km
Kofferraum:510 Liter
Gewicht:1.980 kg
Maße:4671 / 1893 / 1635
Versicherung (HP):16 €
Versicherung (TK):26 €
Versicherung (VK):26 €
Preis:68.900 €
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.