Audi TT Radau auf Knopfdruck

Vier statt sechs Zylinder - Audi verfolgt auch beim Sportcoupé TT den Downsizing-Trend konsequent. Der Kunde merkt davon praktisch gar nichts, denn der Vierzylinder-Turbo ist mittlerweile so agil wie der alte V6-Motor. Und für die Ohren gibt es eine neue Sporttaste.


Audi sägt weiter an der Zylinderbank. Einerseits hat die Marke für das Flaggschiff A8 gerade einen neuen Zwölfzylindermotor präsentiert und damit die Idee des Downsizings zumindest in der Oberklasse konterkariert. Doch bei den kleineren Baureihen ersetzt Audi die großen Motoren konsequent durch kleinere Triebwerke, wobei der dabei entstehende Leistungsausfall per Turbolader kompensiert wird. Das jüngste Beispiel dafür ist der Audi TT, der ab Juli in überarbeiteter Form bei den Händlern stehen wird und dann als Coupé mindestens 30.200 Euro und als Roadster 31.250 Euro kosten wird.

Die wenigen Retuschen der Designer kann man übergehen, und auch der neue Zierrat aus Chrom und Klavierlack im Innenraum wird kaum eine Kaufentscheidung beeinflussen. Aber unter der Motorhaube gingen die Entwickler mit seltener Konsequenz zu Werke: Weil beim neuen Vierzylinderaggregat dank Turbolader und Direkteinspritzung noch einmal ein paar Leistungsreserven mobilisiert wurden und die Maschine jetzt 211 PS leistet, wird der bisherige V6-Motor mit 3,2 Liter Hubraum und 250 PS kurzerhand aus dem Programm gekegelt.

Dass Coupé und Roadster damit um 15 Prozent Leistung verlieren, ist bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Triebwerk nicht zu merken. Im Gegenteil: Der TT wirkt mit dem Vierzylindermotor jetzt sehr viel agiler. Leicht lässt sich der Wagen durch die Kurven lenken. Am nötigen Elan mangelt es auch nicht: 350 Nm Drehmoment sorgen bei knapp 1,5 Tonnen Gewicht für mehr als genügend Schub. Wer für rund 2000 Euro Aufpreis anstelle des Schaltgetriebes die Doppelkupplung bestellt, schnellt in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und kommt auf maximal 245 km/h.

Der Mehrpreis sollte locker zu verkraften sein. Auch wenn der Audi TT 2.0 TFSI nach dem Leistungssprung rund 300 Euro mehr kostet als bislang, spart man gegenüber dem Modell mit V6-Motor schon beim Kauf rund 6000 Euro. Und an der Tankstelle setzt sich der Sparkurs fort. Denn dort zeigt sich mit einem Verbrauchsrückgang von mehr als zwei Litern je 100 Kilometer der wahre Vorteil des Downsizings: 6,6 Liter mit Handschaltung, 7,1 Liter mit Doppelkupplungsgetriebe und 7,2 Liter mit eben jenem DSG plus Allradantrieb sind für einen Sportwagen keine schlechten Verbrauchswerte.

Fotostrecke

16  Bilder
100 Jahre Audi: Langer Anlauf Richtung Premium
Das Einzige, was dem Vierzylinder wirklich fehlt, ist der sonore Klang des ehemaligen V6-Motors. Aber dafür haben die Ingenieure eine spezielle Lösung parat. In Verbindung mit dem aufpreispflichtigen Magnetic-Ride-Fahrwerk (1230 Euro) kann für weitere 350 Euro extra auch akustisch aufgerüstet werden. Dann sitzt auch eine Sporttaste im Cockpit, und wer die betätigt, macht nicht nur das Fahrwerk härter und die Servounterstützung der Lenkung knackiger, sondern lässt auch die Motordrehzahl anschwellen. Und prompt klingt der TT wieder so kernig, wie es Fans des bisherigen V6-Modells schätzen.

Die Ingenieure nahmen sich auch die beiden kleineren Triebwerke vor. Der kleinere TFSI-Benziner mit 1,8 Liter Hubraum und 160 PS Leistung sowie der 170 PS starke TDI-Motor wurden optimiert und mit einem rekuperativen Bremssystem gekoppelt, das beim Verzögern elektrische Energie erzeugt. Die Designer jedoch blieben, wie schon erwähnt, weitgehend untätig. "In 15 Jahren ist der TT zu einer Designikone gereift", sagt Produktmanager Jens Meier. Entsprechend behutsam und bedächtig sei der Wagen aktualisiert worden.

Nur noch das Topmodell verfügt über fünf Zylinder

Bei flüchtigem Hinsehen erkennt man gar keine Neuerung. Wenn man genauer schaut, sieht man dann doch die geänderten Lamellen im Single-Frame-Kühlergrill, die Aluringe um die Nebelleuchten, den um insgesamt zwei Zentimeter dickeren Stoßfänger, den größeren Heckdiffusor oder die neuen Rückleuchten mit Tiefenwirkung. Einzig die mittlerweile offenbar unverzichtbaren LED-Punkte des Tagfahrlichts heben das renovierte Modell dann doch hervor - sofern man die 870 Euro teuren Xenon-Plus-Scheinwerfer bestellt.

Obwohl Audi mit der Überarbeitung des TT durchaus mutig die überschüssigen Zylinder ausrangiert, werfen die Bayern die großen Motoren nicht vollends zum alten Eisen. Zwar tritt selbst die sportliche Variante TTS mit einem sogar 272 PS starken Vierzylinder an, doch das Top-Muskelmodell TT RS birgt einen Fünfzylindermotor unter der Haube - und hat von allen TT-Versionen den besten Klang.

Mehr zum Thema


insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
specialsymbol 17.05.2010
1. Toll
Noch ein Auto das Höllenlaut durch die Innenstadt brettern kann. Interessant wie für Autos legal wird was für Motorräder immer verbotener wird. Der neue Sportwagen von Mercedes (was weiß ich welches Modell) etwa ist lauter als alles was sonst so rumfährt- Porsche mit Cup-Auspuff (legal), Maserati mit Klangverstärker ab einer bestimmten Drehzahl (legal) und Motorräder mit Sportauspuff ohne db-Killer (illegal). Es muß nur teuer genug sein, schon wird es legal. Der TT passt nicht in dieses Schema (denn so teuer ist er nicht), doch irgendwie scheint der TÜV zu erkennen wie wichtig es für die Autobauer geworden ist jedes noch so kleine Verkaufsargument zu nutzen.
mmueller60 17.05.2010
2. x
Zitat von specialsymbolNoch ein Auto das Höllenlaut durch die Innenstadt brettern kann. Interessant wie für Autos legal wird was für Motorräder immer verbotener wird. Der neue Sportwagen von Mercedes (was weiß ich welches Modell) etwa ist lauter als alles was sonst so rumfährt- Porsche mit Cup-Auspuff (legal), Maserati mit Klangverstärker ab einer bestimmten Drehzahl (legal) und Motorräder mit Sportauspuff ohne db-Killer (illegal). Es muß nur teuer genug sein, schon wird es legal. Der TT passt nicht in dieses Schema (denn so teuer ist er nicht), doch irgendwie scheint der TÜV zu erkennen wie wichtig es für die Autobauer geworden ist jedes noch so kleine Verkaufsargument zu nutzen.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß dieses Auto auch nur annähernd so laut wird wie ein Motorrad. (Und bei Motorrädern ist die Lautstärke echt eine Frechheit. Vielleicht liegt es aber auch an den Fahrern, die hörbar Spaß daran haben, von der Ampel weg in niedrigen Gängen so viel Lärm wie möglich zu machen. Proletarisches Gehabe eben.) Der Motorsound, um den es in diesem Artikel geht, bezieht sich eh mehr auf das, was der Fahrer hört/fühlt, nicht auf externen Lärm. Anders als bei Motorrädern.
Sherlock70 17.05.2010
3. Genau
Und die Frage ist doch noch, was ist so toll daran, wenn das Auto beim beschleunigen auf Tempo 50 röhrt wie ein brünftiger Hirsch, und dabei dennoch von einem Prius locker abgehängt wird, der dabei womöglich nicht mal den Verbrennungsmotor benötigt? Alles nur ein klägliches appelieren an die Ur-Instinkte des Höhlenmenschen. Erbärmlich.
Sherlock70 17.05.2010
4. Einspruch
Zitat von mmueller60Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß dieses Auto auch nur annähernd so laut wird wie ein Motorrad. (Und bei Motorrädern ist die Lautstärke echt eine Frechheit. Vielleicht liegt es aber auch an den Fahrern, die hörbar Spaß daran haben, von der Ampel weg in niedrigen Gängen so viel Lärm wie möglich zu machen. Proletarisches Gehabe eben.) Der Motorsound, um den es in diesem Artikel geht, bezieht sich eh mehr auf das, was der Fahrer hört/fühlt, nicht auf externen Lärm. Anders als bei Motorrädern.
Das glaube ich nicht. Der Juppie, der immerhin der Zielgruppe für dieses Fahrzeug entspricht, erwartet absolute Schalldämmung nach innen, denn nur dann kommt die Musikanlage voll zur Geltung...
m-pesch, 17.05.2010
5. ...
Zitat von mmueller60Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß dieses Auto auch nur annähernd so laut wird wie ein Motorrad. (Und bei Motorrädern ist die Lautstärke echt eine Frechheit. Vielleicht liegt es aber auch an den Fahrern, die hörbar Spaß daran haben, von der Ampel weg in niedrigen Gängen so viel Lärm wie möglich zu machen. Proletarisches Gehabe eben.) Der Motorsound, um den es in diesem Artikel geht, bezieht sich eh mehr auf das, was der Fahrer hört/fühlt, nicht auf externen Lärm. Anders als bei Motorrädern.
Die Leute die das brauchen hatten früher auch so was am Bonanzarad. http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=390179471798 Die Meisten sind dann irgendwann 7 Jahre alt geworden aber mancher ist halt stehengeblieben. ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.