Autogramm Audi TT Die Ego-Kiste

Beim neuen Audi TT hat sich außen kaum etwas verändert - aber innen ist nichts, wie es einmal war. Das ist eine schlechte Nachricht. Allerdings nur für den Beifahrer.

Audi

Der erste Eindruck: Typisch TT - auch wenn kein Blechteil beim neuen Coupé im Vergleich zum Vorgänger gleich geblieben ist, erkennt man die Grundform sofort. Kantiger wirkt sie jetzt, hinzu kommt die Dekoration mit LED-Lichtleisten. Außerdem sind beim Kühlergrill Anleihen an den R8 zu entdecken, und bei der Lichtsignatur werden Audis Le-Mans-Rennwagen zitiert.

Das sagt der Hersteller: Privat hängt Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg vermutlich am ersten TT von 1998. Er boxte damals mit Rückendeckung von Ferdinand Piëch und gegen den Willen des Vertriebs das Auto durch. Die Hartnäckigkeit sollte sich bezahlt machen - er startete damit eine Erfolgsgeschichte mit bislang mehr als 500.000 verkauften Fahrzeugen.

Offiziell sagt Hackenberg bei der Präsentation der neuen, dritten Generation dies: "Der erste TT war vor allem vom Design getrieben, der zweite mehr auf Fahrspaß ausgelegt - und beim dritten bringen wir jetzt beide Faktoren perfekt zusammen."

Das ist uns aufgefallen: Eine Fahrt mit zwei, drei Kurven und dazwischen ein paar kurze Geraden, schon ist man dem neuen TT verfallen. Spielerisch leicht wechselt er die Richtung, dreht sich mühelos in jede Biegung und zieht danach wieder so lässig gerade, dass es eine Freude ist. Und statt, wie die meisten Fronttriebler, früh zu untersteuern, bleibt der TT extrem lange stabil. Durch die selektive Verteilung des Drehmoments lässt er bisweilen sogar ein bisschen das Heck wackeln. Dabei muss es weder ein Allradmodell noch der potente TTS sein - das Basismodell mit dem Zwei-Liter-Turbomotor, 230 PS und elektronisch verstärktem Geheul tut's auch.

Dass der neue TT so leichtfüßig und präzise ist, dass er sogar viel teureren Fahrmaschinen wie dem Porsche Cayman Konkurrenz macht, liegt nicht nur am sauber ausbalancierten Fahrwerk. Er bietet auch etliche Helfer, von der Progressivlenkung bis zur elektronischen Quersperre. Vor allem wurde das Auto aber leichter, je nach Version um bis zu 50 Kilogramm. Zahlreiche Karosserie- und Fahrwerksteile sind nun aus Aluminium statt aus Stahl gefertigt. Und der Wagen ist einfach ein kleines bisschen geschrumpft - obwohl der Radstand um 13 Zentimeter zulegte.

Das eigentliche Highlight des neuen TT ist jedoch das "Virtual Cockpit". Auf dem 12,3 Zoll großen Bildschirm hinterm Lenkrad inszeniert ein Hightech-Prozessor mit bis zu acht Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde ein brillantes Multimedia-Spektakel.

Die Anzeige ist das Herzstück eines maximal reduzierten Bediensystems: Alles, was den Fahrer interessieren könnte, kann dort erscheinen - es gibt nur dieses eine Display im Auto. Bedient wird das System mittels eines Sensorfelds und sechs Tasten, alternativ per Touchwheel oder Sprachsteuerung. Dem Fahrer eröffnen sich damit völlig neue Ein- und Ausblicke. Der Beifahrer jedoch bleibt außen vor, denn für ihn sind die Bildschirminformationen kaum einsehbar.

Mit diesem Cockpit ändert sich das komplette Raumgefühl im Auto. Obwohl man im TT jetzt so tief sitzt wie noch nie, wähnt man sich über den Dingen. Das liegt am extrem flachen Cockpit, denn es fehlen - vom Bildschirm abgesehen - sämtliche sonstigen Anzeigen oder Bedienelemente.

Das muss man wissen: Audi hat den TT, der ab Oktober in den Handel kommt, zwar mit vielen Innovationen geschmückt. Ein paar aktuelle Extras wurden aber vergessen: Nicht verfügbar sind beispielsweise ein Head-up-Display, ein Tempomat mit Abstandsregelung oder eine vernünftige Einparkhilfe mit 360 Grad Rundumblick. Dennoch gibt es eine lange Liste an Sonderausstattungen, um den Basispreis von 35.000 Euro weit in die Höhe zu treiben.

Zunächst werden drei Motorisierungen angeboten, neben dem hier vorgestellten 2.0 TFSI noch ein Zwei-Liter-TDI mit 184 PS (ab 35.900 Euro) sowie der 310 PS starke TTS für 49.100 Euro. Außerdem kann man zwischen Front- oder Allradantrieb sowie Schalt- oder Doppelkupplungsgetriebe wählen.

Ergänzt wird die Motorenpalette später von einem 1,8-Liter-Benziner mit etwa 150 PS sowie vom Sportmodell RS mit Fünfzylinderaggregat und mehr als 400 PS. Die Roadster-Variante des TT wird Ende des Monats auf dem Autosalon in Paris präsentiert. Zudem soll die TT-Baureihe erstmals eine dritte Karosserievariante erhalten, mutmaßlich wird es ein SUV-Coupé nach dem Vorbild der jüngsten Studien Allroad Shooting Brake und TT Offroad Concept.

Das werden wir nicht vergessen: Dass die Entwickler neben den technischen Neuerungen auch noch Sinn für liebevolle Details hatten. Der Tankdeckel mit integriertem Stopfen ist so ein Beispiel, der hübsche Zündschlüssel ein anderes. Das Irrste ist jedoch die Klimaregelung und Temperaturanzeige, die direkt in die Lüfterdüsen integriert ist. Cleverer und eleganter kann man diese Bedieninstrumente nicht in einem Auto unterbringen.



insgesamt 134 Beiträge
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Seite 1
robeuten 05.09.2014
1.
Klar, eine echte Innovation mit den schön weit verstreuten Reglern fürs Klima... Wirklich, was rauchen die bei SPON wohl so?
FrankDr 05.09.2014
2.
Toll, wenn sich Designer mal was trauen und an den Kunden denken, wie die Klimadüsen, Tankdeckel oder das Display. Schade, dass es von aussen ein Audi ist
TheStarflyer 05.09.2014
3. Auto oder Spielzeug?
Als ich den Satz las "Auf dem 12,3 Zoll großen Bildschirm hinterm Lenkrad inszeniert ein Hightech-Prozessor mit bis zu acht Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde ein brillantes Multi-Media-Spektakel." hab ich mich echt gefragt, ob hier ueber ein Auto berichtet wird, oder die neueste Spielkonsole!
Mehrleser 05.09.2014
4.
"Nicht verfügbar sind ... eine vernünftige Einparkhilfe mit 360 Grad Rundumblick." Warum muß eine vernünftige Einparkhilfe für einen Rundumblick sorgen? Hat der TT keine Fenster oder kann Grünweg vor lauter Pseudonymen den Kopf nicht mehr bewegen? Und reicht der Einparkassistent nicht aus? Nett auch das "Multi-Media-Spektakel" im Cockpit - sollte dann aus Sicherheitsgründen genau wie TV-Empfang und DVD-Wiedergabe während der Fahrt abgeschaltet werden.
nolabel 05.09.2014
5.
Alles schön und gut, aber "elektronisch verstärtes Geheul"? Genau so erbärmlich wie elektr. Fehlzündungen, Fake-Zwischengas und Auspuffklappen. Für mich Auschlusskriterien.
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