Fotostrecke

Ford Shelby GT 500: Der Hammer

Foto: Ford

Autogramm Ford Shelby GT 500 Der Vorschlaghammer

Für den Preis einer Mittelklasselimousine bietet Ford in den USA einen Supersportwagen an: den Mustang Shelby GT 500. Es ist ein Auto nach alter Machart. Ein brutaler V8-Motor mit explosionsartiger Leistungsentfaltung, den Rest muss nicht die Elektronik, sondern der Fahrer erledigen.

Der erste Eindruck: Es grummelt, es dröhnt, es bollert. Lange, sehr lange ehe der Mitarbeiter des Valet-Parkings den Shelby GT vorfährt, kann man das Auto schon hören. Das gesamte Parkhaus scheint zu vibrieren. Der V8-Motor brüllt bereits bei Minimalgas so laut, dass Porsche und Co. dagegen nach Kinderchor klingen.

Das sagt der Hersteller: Der Shelby GT ist nicht nur die Krönung der aktuellen Mustang-Palette, sondern im Grunde auch das Vermächtnis der amerikanischen Rennfahrer- und Tuning-Legende Caroll Shelby. Das Auto war das letzte Projekt, das Shelby vor seinem Tod im Mai vergangenen Jahres noch mit auf den Weg brachte. Zwar nennt Jost Capito, der Chef der Ford-Sportabteilung SVT, den Shelby GT 500 den "ultimativen Mustang" und dessen Motor mit 662 PS und 856 Nm "den stärksten V8, der je in einem Serienfahrzeug eingebaut wurde".

Caroll Shelby hätte darüber trotzdem noch lächeln können. Er war nämlich nicht nur Entwicklungspartner von Ford, sondern auch Chef eines Tuningunternehmens, das stets noch eine Schippe drauflegte. Und weiter drauflegt: Auch der GT500 kann dort nachbehandelt werden. Wer seinen Tio-Mustang dort abliefert und 150.000 US-Dollar dazu, fährt wenig später mit 1100 PS vom Hof.

Das ist uns aufgefallen: Wie irre der Ritt schon im Werks-Shelby ist und welch eine explosive Kraft der 5,8 Liter große Achtzylinder unter der zerklüfteten Haube entwickelt. Im Leerlauf bei 700 Touren ist die Welt noch in Ordnung. Sobald man das Gaspedal aber nur streichelt, wird der Mustang wahrlich zum Wildpferd. Sobald der Kompressor einsetzt und die Maschine im Overboost bis zur 7000-Touren-Marke orgelt, vergeht einem Hören und Sehen.

Ja, es gibt eine elektronische Stabilitätskontrolle. Und die 285er Reifen auf der starren Hinterachse bauen überraschend viel Grip auf. Aber der Wagen schüttelt und windet sich wie ein Bodybuilder, den man in einen viel zu kleinen Smoking gezwängt hat. Ein Kickdown fühlt sich an, als würden bei diesem Anzug alle Nähte auf einmal platzen, die Leistung bricht förmlich aus dem Auto hervor. Porsches sind tolle Sportwagen, aber im Vergleich zum ungestümen Wildpferd Shelby wirken sie wie ein Pony im Streichelzoo.

Das Design mit dem riesigen Kühlerschlund, den dicken Radhäusern und dem breiten Heck ist beeindruckend. Was fürs Fahrern wichtig ist, haben die Ingenieure mit einer unglaublichen Akribie optimiert für perfekte Performance und Rekordrunden auf den Rennstrecken dieser Welt.

So gibt es neben dem Stabilitätssystem und der Launch-Control für den perfekten Kavalierstart auch Extras wie das Performance Package mit elektronisch verstellbarem Bilstein-Fahrwerk inklusive Sperrdifferential für die Hinterachse. Oder das Track-Package mit leistungsstärkeren Kühlern für Motor, Getriebe und Differential, damit das heiße Eisen im verschärften Einsatz nicht vorzeitig verglüht.

Im krassen Gegensatz zum gründlichen Setup für Fahrwerk und Antrieb steht der Innenraum, der wirkt, als sei er auf die Schnelle aus Komponenten aus dem großen Ford-Teilelager zusammengeschustert. Da springt kein Funke über. Einzig die Sitze sind klasse, weil sie ordentlich Halt bieten, den man in diesem Auto auch braucht.

Das muss man wissen: Angesichts der Fahrleistungen fährt der Shelby GT 500 in einer Liga mit Supersportwagen wie Porsche 911 Turbo S, Mercedes SLS AMG oder Lamborghini Aventador. Doch in den USA kostet er nur einen Bruchteil dessen, was man für diese Boliden auf den Tisch legen muss: Für schlappe 54.995 Dollar oder umgerechnet etwa 42.500 Euro gibt's es den Brachial-Mustang.

Was es nicht gibt, ist ein offizieller Verkaufsstart, denn diesseits des Atlantiks wird das Auto eigentlich gar nicht angeboten. Lediglich eine Handvoll freier Importeure holt den Renner auf Bestellung ins Land, für Preise knapp unter 70.000 Euro. Das ändert sich in Zukunft. Denn die nächste Generation des Mustang, so hat es Ford-Chef Alan Mulally angekündigt, wird ein Weltauto und deshalb auch weltweit angeboten. Die Freude darüber hält sich bei den Fans der Baureihe allerdings in Grenzen. Viele von ihnen fürchten, dass die Globalisierung dem US-Klassiker den Charakter raubt.

Das werden wir nicht vergessen: Das Gefühl, wenn die Hand auf den Schaltknauf im Billardkugel-Design fällt und der V8-Motor im Leerlauf ein Zittern durchs Chassis schickt. Der Kick, wenn der erste Gang einrastet, die Kupplung zuschnappt und ein Teil der Hinterräder in Rauch aufgeht. Und das Hochgefühl, wenn der Wagen bei Vollgas praktisch alle anderen Supersportler vergessen macht.

Schaltpaddel und Fahrerlebnisschalter, Speedshift, Performace-Control oder Chrono-Pakete wirken plötzlich wie Spielereien aus einer fremden Welt. Dieses Auto ist kein filigranes Präzisionswerkzeug für Tempowissenschaftler und PS-Professoren. Dieses Auto ist ein Vorschlaghammer.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.