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Autogramm Bentley Bentayga: Der PS-Palast

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Autogramm Bentley Bentayga Disneyland für Millionäre

Mit dem Bentayga rollt Bentley als erste Luxusmarke ins SUV-Segment. Der Geländewagen ist komplett überflüssig und in jeder Hinsicht übertrieben - genau das macht ihn so faszinierend.

Der erste Eindruck: Der Bentayga ist ein Palast auf Rädern. Allerdings einer, der aus mancher Perspektive so übertrieben aussieht wie das Schloss von Disneyland.

Das sagt der Hersteller: "Jetzt muss der Luxus nicht mehr dort aufhören, wo die Straße zu Ende ist". Das klingt verquer, aber so stimmt Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer die potenzielle Kundschaft auf den ersten Geländewagen der britischen Marke ein. "Mit dem Bentayga definieren wir eine völlig neue Fahrzeugklasse", sagt er. Projekte wie der Lamborghini Urus oder der Rolls-Royce Cullinan zögen dann später ebenfalls in die Luxusliga der Geländewagen ein.

Wer am Sinn des Ungetüms zweifelt, dem hält Dürheimer ein dickes Buch mit Bestellungen entgegen, die Produktion sei schon bis weit ins nächste Jahr vergriffen. Und das, obwohl die Kapazität von zunächst geplanten 3600 auf 5000 Exemplare pro Jahr aufgestockt wurde. Man muss daher kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Bentley 2016 mehr Autos bauen wird als je zuvor.

Das ist uns aufgefallen: Ob es draußen dreckig, steinig oder schlammig ist, im Bentley Bentayga fährt man in einer eigenen Welt. Vornehmer ist es in keinem anderen SUV. Tief glänzender Lack, dickes Leder, blank poliertes Metall und schmucke Nähte - 58 Kunsthandwerker pro Auto sind mit dem Interieur beschäftigt. Auch elektronisch ist der Wagen auf Höhe der Zeit - mit Touchscreens vorn und Tablet-Computern im Fond. Das digitale Kombi-Instrument wird ergänzt von zwei analogen Anzeigen. "Technisch ist das überflüssig, aber es hat einfach mehr Stil", sagt ein Designer.

Typisch Bentley ist auch die Gelassenheit, die der Bentayga provoziert. Während man bei anderen Fahrzeugen dieses Kalibers durchaus der Versuchung erliegt, sportiv zu fahren, lehnt man sich auf dem thronartigen Fahrersitz des Bentayga entspannt zurück.

Basis des Selbstbewusstseins ist ein neuer W12-Motor, mit dem Bentley sich die Position als weltweit größter Hersteller von Zwölfzylinder-Aggregaten sichern will. Die neue Maschine ist rund zehn Prozent sparsamer und 30 Kilo leichter als die bisherige. 608 PS Leistung aus 6 Liter Hubraum stehen zur Verfügung, dazu 900 Nm Drehmoment. Die Drehmomentkurve gipfelt schon knapp jenseits der Leerlaufdrehzahl bei 1350 Touren, weshalb der Zweieinhalb-Tonner wie nebenbei in lediglich 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen kann. Als Spitzengeschwindigkeit gibt Bentley irrwitzige 301 km/h an.

Im Video: Der Bentley Bentayga im Fahrtest

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Dass der Wagen so handlich ist, liegt auch an einer neuen Wankstabilisierung, die den Koloss auf Kurs hält. Erstmals kommt ein System mit elektrischen Stellmotoren (Aktoren) zum Einsatz, für das Teile des Bordnetzes auf 48 Volt aufgerüstet wurden. Nur so erhielten die Aktoren genug Strom, um den Wankbewegungen rasend schnell entgegen wirken zu können, sagt Technikchef Rolf Frech. Die Folge: Der Bentayga lässt sich durch Kurven lenken, als sei er ein Sportwagen.

Umso mehr schaukelt der Wagen allerdings abseits der Straße. Ob die Kunden mit dem Auto nun tatsächlich durchs Gelände tigern oder nicht - die Steuerelektronik bietet vier spezielle Offroad-Programme und das wuchtige Auto offenbart erstaunliche Querfeldein-Qualitäten. Diese exzentrische Kombination aus Dynamiker und Dreckskerl, gepaart mit dem Auftritt eines Dandy - die bietet bislang nur Bentley.

Das muss man wissen: Der Bentayga basiert auf dem Audi Q7, doch Bentley betont unermüdlich die Eigenständigkeit des Wagens. Das dokumentieren die Briten besonders durch den Innenraum, der den Q7 wirken lässt wie von Aldi. Nicht umsonst dauert die Fertigung eines Bentayga etwa 130 Stunden - rund zehnmal so lang wie bei einem Q7.

Seit Ende November läuft die Produktion im für mehrere hundert Millionen Euro erweiterten Werk in Crewe. In wenigen Tagen werden die 608 Exemplare der "First Edition" bereits an die Erstkunden ausgeliefert. Diese besonders üppig ausgestattete Variante ist um fast 100.000 Euro teurer als das Bentayga-Basismodell, das 208.488 Euro kostet.

Für diese Summe jedoch wird vermutlich nie ein Auto verkauft. Denn es gibt eine schier endlose Liste an Extras, mit denen man den Preis fast beliebig nach oben treiben kann. In dieser Liste finden sich neben 90 Lacken und 15 Lederfarben auch Extravaganzen wie ein Picknick-Koffer für 24.990 Euro, Event-Sitze im Kofferraum für 2856 Euro oder das 150.000 Euro teure Breitling Tourbillon fürs Cockpit. Und zum ersten Mal überhaupt bei Bentley wird auch eine Anhängerkupplung als Extra angeboten.

Im Video: Ausstattung des Bentley Bentayga

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Das werden wir nicht vergessen: Die krassen Gegensätze, die dieses Auto auf sich vereint: zweieinhalb Tonnen schwer, dafür aber mit über 300 km/h extrem schnell unterwegs - auch auf der Nürburgring-Nordschleife (Zeit: unter 8:20 Minuten). Im Bentayga befindet man sich in einer anderen Welt. Sorry! Aber für ein schlechtes Gewissen ist nach dem Aussteigen ja noch Zeit genug.

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