Bentley Continental GTC Das Luftschloss

Eben noch im Büro, einen Knopfdruck später an der Cote d'Azur - das funktioniert nicht wirklich, aber im neuen Bentley Continental GTC fällt es leicht, sich das vorzustellen. Der Preis des Cabrios macht das Erlebnis allerdings sehr exklusiv.


Irgendwo ist immer Sommer. Und wer sich ein Auto leisten kann, dessen Preisliste bei 200.000 Euro gerade erst beginnt, der hat vermutlich auch Zeit und Mittel, ihn zu genießen. Deshalb ist es allenfalls ein kleiner Schönheitsfehler, dass Bentley dem neuen Continental GT ausgerechnet zum Ausklang der Schönwetterperiode die nächste Generation des Cabrios GTC zur Seite stellt.

Weil es am Bentley-Stammsitz in Crewe allmählich grau und trist wird, baten die Briten jetzt an der sonnigen Adria zur ersten Ausfahrt mit dem Luxusliner, der erst einmal mit geschlossenem Verdeck im Morgennebel steht. Obwohl das aus Stoff geschneiderte Dach so groß ist wie ein Dreimannzelt, macht das Cabrio auch mit Mütze eine gute Figur. "Wir treiben einen Riesenaufwand, damit das Verdeck nicht aussieht wie eine verhungerte Kuh", sagt Ingenieur Brian Gush. Zudem wurde die Isolierung verbessert - mit Schallschutzfolien zwischen die Scheiben und neu ausgekleideten Radhäusern. Am Steuer des Autos wähnt man sich wie in Watte gepackt und fühlt das Fahren eher, als dass man es hört. Erst jenseits von 150 km/h macht sich mit einem leisen Rauschen der Sturm bemerkbar, der draußen ums Auto tobt.

Schon mit geschlossenem Dach also fährt das Cabrio wirklich eindrucksvoll. Doch wer ein Coupé will, der kann zehn Prozent des Kaufpreises sparen und gleich den GT bestellen. Also Geschwindigkeit reduziert und den Knopf gedrückt, und schon gleitet das Verdeck geradezu majestätisch nach hinten. 25 Sekunden dauert das, dann sitzt man in einem Luftschloss. Dass es noch ein wenig frisch ist, bekommen wir kaum mit: Nur ein sehr laues Lüftchen streicht um die geschlossenen Scheiben, und für empfindliche Naturen bietet jetzt auch Bentley einen Nackenföhn an. So werden die neu geformten und für etwas mehr Beinfreiheit im Fond schlankeren Ledersitze auf Knopfdruck zu den vielleicht luxuriösesten Sonnenstühlen der Autowelt.

Man kann das Auto also offen fahren und dennoch wohlbehütet voran kommen. Man kann aber auch die Fensterscheiben absenken und das Gaspedal in den tiefen Teppich drücken. Dann wirbelt auch der Fahrtwind um die Stirn, und das Auto schiebt voran, als sei die Trägheit der Masse in diesem speziellen Fall außer Kraft gesetzt. Dabei wirkt der Zwölfzylindermotor, der zum Modellwechsel noch einmal optimiert wurde, vollkommen unangestrengt.

Noch mehr Leistung - wofür eigentlich?

Die Maschine verbraucht nach ihrer Kur einerseits 15 Prozent weniger Kraftstoff - wobei 16,5 Liter als Durchschnittswert noch immer weit mehr als genug sind. Andererseits aber ist der sechs Liter große Biturbo mit Zylindern in W-Anordnung noch kräftiger und kultivierter geworden: Mit jetzt 575 PS Leistung, 700 Nm Drehmoment und einer ungeheuren Leichtigkeit lässt er die 2,5 Tonnen Gewicht des Luxuscabriolets vergessen. Wie mit einem Fingerschnippen beschleunigt der Wagen in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 und wird mit 314 km/h Höchstgeschwindigkeit zum aktuell schnellsten viersitzigen Cabrio auf dem hiesigen Markt.

Das Fahrgefühl ist dabei ein ganz anderes als zum Beispiel das eines Ferrari oder Porsche 911. Gegen die feinnervigen Supersportler wirkt der GTC wie eine Dampflok, auch wenn der Grenzbereich dank des Allradantriebs definitiv höher liegt als die Angstschwelle des Fahrers. Doch die Grenzen der Gravitation kann selbstverständlich auch Bentley nicht aus der Welt schaffen: In engen und schnellen Kehren spürt man sehr wohl, welches Gewichte herumgewuchtet werden muss. Doch das leichte Wiegen der Karosserie und die Geräuschkulisse passen perfekt zum Charakter des Wagens. Wer ein Sportgerät will, kauft eben besagten Ferrari oder Porsche.

Auch bei der Modernisierung des Äußeren blieben die Briten ganz der Tradition verpflichtet. Auf den ersten Blick wirkt der neue Continental wie der alte. Und wer Ingenieure wie Brian Gush beleidigen will, sagt ihnen das auch ins Gesicht. Dann jedoch muss man sich auf einen langen Vortrag gefasst machen, in dessen Verlauf Gush immer eifriger argumentiert. Er beschreibt die schärferen Konturen der Karosserie, als hätte jede von ihnen einen Namen. Er zählt er nicht nur ein Dutzend Komponenten vom Radio bis zum Auspuff auf, die allesamt deutlich leichter wurden und insgesamt 70 Kilogramm Gewicht einsparen. Er schwärmt auch von den mit einem Verfahren aus der Raumfahrt bearbeiteten Alublechen, die erst erhitzt und dann mit Druckluft in ihre Formen gepresst werden.

Ein Ingenieur, der die Zurückhaltung aufgibt

Nur mit dieser Technik ließen sich derart scharfe Kanten und schmale Fugen erzielen, wie man sie jetzt zum Beispiel um die Kotflügel des Autos sieht. Außerdem verweist Gush auf die breiter gewordene Spur und das optimierte Fahrwerk des Wagens. Sodann lenkt er die Aufmerksamkeit auf Finessen wie die Google-Navigation und auf Schrullen wie das herausnehmbare Brillenetui mit dem gleichen Furnierschmuck, den auch das Interieur trägt. Und schließlich schwärmt er vom neu programmierten Sechsgang-Automatikgetriebe, das jetzt schneller schaltet und größere Gangsprünge erlaubt.

Die Litanei könnte Gush vermutlich noch stundenlang fortsetzen. Doch ganz ohne das bei den Briten sonst übliche Understatement fasst er sein Referat nun in einem einzigen Satz zusammen: "Wir hatten schon das beste Cabrio der Welt. Und jetzt haben wir es einfach noch mal ein Stück besser gemacht."

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
RuleBritannia, 30.09.2011
1. Lenkrad auf der falschen Seite!
Zitat von sysopEben noch im Büro, einen Knopfdruck später an der Cote d'Azur - das funktioniert nicht wirklich, aber im neuen Bentley Continental GTC fällt es leicht, sich das vorzustellen. Der Preis des Cabrios macht das Erlebnis allerdings sehr exklusiv. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,789063,00.html
Das Auto in der Photo hat das Lenkrad auf der falschen Seite! Wie soll man so fahren???!!!
Izmir.Übül 30.09.2011
2. Alt, aber aktueller denn je:
Zitat von sysopEben noch im Büro, einen Knopfdruck später an der Cote d'Azur - das funktioniert nicht wirklich, aber im neuen Bentley Continental GTC fällt es leicht, sich das vorzustellen. Der Preis des Cabrios macht das Erlebnis allerdings sehr exklusiv. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,789063,00.html
http://www.elisabethschule.de/alte-internetseiten/aktuelles/Archiv/staeck/staeck08.html
olleolaf 30.09.2011
3. ---
Endlich wird dem Normalverbraucher ein vernünftiges Fahrzeug präsentiert. Da muß man sich nicht so verbiegen. Und mehr Platz für meine Einkäufe. In meinem Ferrari muß ich die Kiste Bier immer im Magen transportieren.
propaganda, 30.09.2011
4. ich finde das produzieren,
Zitat von sysopEben noch im Büro, einen Knopfdruck später an der Cote d'Azur - das funktioniert nicht wirklich, aber im neuen Bentley Continental GTC fällt es leicht, sich das vorzustellen. Der Preis des Cabrios macht das Erlebnis allerdings sehr exklusiv. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,789063,00.html
kaufen und fahren solcher benzinschleudern einfach nur dumm. aber ich bin wohl nur neidisch.
cor 30.09.2011
5. Neidisch?
Zitat von propagandakaufen und fahren solcher benzinschleudern einfach nur dumm. aber ich bin wohl nur neidisch.
Nein, nicht unbedingt neidisch. Aber Sie sind wahrscheinlich jemand, der andere nicht leben lässt weil er sich durch jeden Furz gestört fühlt.
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