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Ratgeber Rad: Bianchi E-Omnia T-Type im Test

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Stefan Weißenborn

Ratgeber Rad – Bianchi E-Omnia T-Type Das Mountaintrekkingstadtbike

Mehrzweckmodelle finden sich zunehmend am E-Bike-Markt. Am Bianchi E-Omnia T-Type zeigt sich, dass der Trend sinnvoll sein kann. Wäre da nur nicht dieser Gepäckträger.

Der erste Eindruck: Glänzend – als hätte man das Rad in schwarzen Klavierlack getaucht.

Das sagt der Hersteller: Bianchi ist eigentlich bekannt für Rennräder im typischen Türkis, dieses Pedelec sei ein »Hybridbike«. Das E-Omnia T-Type kombiniere »Offroad-Eigenschaften eines E-Mountainbikes mit der Funktionalität eines Trekkingrades«, heißt es im technischen Büro des Traditionsherstellers mit Sitz in Treviglio in der Lombardei. Dabei kommt das Bike im Stil eines schicken Stadtrades daher.

Mit dem Versuch, mehrere populäre Fahrradgattungen zusammenzumixen, steht das Bianchi für ein Modephänomen bei Fahrrädern: Integration.

Das zeigt sich auch an technischen Details, etwa beim Fahrgestell: Hauptrahmen und Gepäckträger bilden eine Einheit wie aus einem Guss. Selbst die Schutzbleche wirken wie ein Bestandteil der geschweißten Alukonstruktion, sie fallen kaum auf. Das Display ist in einer Fassung versenkt, der Akku verschwindet sowieso im Unterrohr.

Als Wesensmerkmal hebt Bianchi die Beleuchtung hervor. Wie bei einem Motorrad sitzt das Frontlicht im Steuerrohr. Zwei zusätzliche Rückleuchten sind in den Sitzstreben untergebracht.

So bleibe man noch in 500 Meter Entfernung für den rückwärtigen Verkehr sichtbar, verspricht Bianchi. Die komplette Beleuchtung erfülle die gesetzlichen Vorgaben, ergänzt Lichtspezialist Spanninga, der Zulieferer.

Diese Zulassung bei integrierter Beleuchtung ist selten, da ein solches System schwer zu konstruieren und teuer ist. Smarte Urban-Bikes haben ihre Leuchten zwar auch oft im Rohr, doch den gesetzlichen Vorgaben genügen sie in der Regel nicht. Mitunter liefern Hersteller zusätzliche Beleuchtungskits aus – wie etwa das belgische Start-up Cowboy.

Das ist uns aufgefallen: Auf der Straße liegt das italienische Multibike satt. Schon beim Schieben merkt man, dass fast 30 Kilo bewegt werden, zehn Kilo mehr als bei manchem Allerwelts-E-Bike. Vorteil: Es fährt sich komfortabel. Die Federgabel taucht tief ein, über Kopfsteinstraßen gleitet das Rad nur so hinweg. Nur die gefederte Sattelstütze am Testrad will nicht so richtig nachgeben.

Datenblatt Bianchi E-Omnia T-Type

Rahmen

Aluminium, vier Größen

Motor

Bosch PerformanceLine CX, 250 Watt

Akku

Bosch Powertube 625 Wh (auch mit 500 Wh und Zweitbatterie verfügbar)

Tretunterstützung

bis max. 25 km/h, abschaltbar

Schaltung

Shimano Deore, 12-fach, 10-51 Zähne

Bremsen

Shimano Scheibenbremsen, 160 mm vorn, 160 mm hinten CHECK

Bereifung

Schwalbe Marathon E Plus, 55 – 622 (28x2,15)

Gabel

Suntour XCM34-Boost, 120 mm Federweg

Radstand

1192mm bis 1236 mm, je nach Rahmengröße

Frontscheinwerfer

Spanninga, integriert, 40 Lux

Rücklicht

Spanninga, dreifach

Gewicht

29 kg

Preis

4432 Euro (mit 500-Wh-Akku: 3873 Euro)

In leichtem Gelände zeigt sich das schwere Hybridbike ebenfalls erdverbunden, auf Schotter- und Waldwegen bleibt es spurtreu. Steilere Offroad-Buckel meistert das T-Type dank dem für E-Mountainbikes entwickelten Bosch-Mittelmotor. Eine »Extended Boost«-Funktion spendiert Extraschub, wenn es über Wurzeln oder Bordsteinkanten geht. Mit dem breiten Lenker lässt sich das Rad gut kontrollieren.

Doch ein E-Mountainbike ist das T-Type nicht. Die nur leicht profilierten Reifen bieten in flott durchfahrenen Senken und Kurven nur eingeschränkten Seitenhalt. Nach Regen schmieren sie auf aufgeweichten Pfaden ab.

Über Stock und Stein: Dank seiner robusten Konstruktion, den Federelementen und breiten Pannenschutzreifen sind auch Forst- und Feldwege ideales Terrain für das italienische E-Bike – nicht nur Straßen. Damit eignet sich das Bike zum Pendeln wie zum Touren.

Über Stock und Stein: Dank seiner robusten Konstruktion, den Federelementen und breiten Pannenschutzreifen sind auch Forst- und Feldwege ideales Terrain für das italienische E-Bike – nicht nur Straßen. Damit eignet sich das Bike zum Pendeln wie zum Touren.

Foto: Stefan Weißenborn

Mehr Sicherheit vermittelt die Beleuchtung. Hell ist für das Doppelrücklicht gar kein Ausdruck. Nebelschlussleuchte würde eher passen. Weil das Frontlicht sich förmlich um das Steuerrohr schmiegt, strahlt es seitlich ab. Bianchi spricht gar von einer 360-Grad-Sichtbarkeit. Mit 40 Lux fällt die Beleuchtungsstärke indes etwas schwächlich aus. Auch bleibt der ausgeleuchtete Bereich auf nächtlicher Straße ziemlich klein. Und er lenkt wegen seiner Position nicht mit, anders als bei herkömmlichen Fahrradlampen üblich.

Das muss man wissen: Es mangelt an Multifunktionalität. Das hat mit dem etwas seltsamen Gepäckträger zu tun. So, wie das Fahrrad ausgeliefert wird, kann man ihn kaum benutzen, geschweige denn mit den versprochenen 25 Kilo belasten. Nichts kann angeklemmt werden, nichts eingehängt. Hier zeigt sich, dass sich verschiedene Fahrradgattungen nicht in jedem Detail sinnvoll fusionieren lassen: Ein Mountainbike bräuchte gar keinen Träger, ein Trekkingrad einen viel besseren.

Der Hersteller bietet eine Lösung an, die nicht wirklich befriedigt. »Möchte der Kunde einen handelsüblichen Packtaschensatz montieren, muss er einen Adapter erwerben«, heißt es bei Bianchi. Den listet der schwedische Zulieferer Atranvelo zwar mit unter 20 Euro. Dass man mit dem 4000-Euro-Bike ohne dieses Zubehör kaum Gepäck mitbekommt, ist ein Fauxpas. Einmal nachgerüstet, nimmt der Systemadapter immerhin Körbe, Plattformen oder Boxen passgenau auf.

Punkten kann das Rad beim Strom-laden: Mit 625 Wattstunden (Wh) ist der eingebaute Akku bestückt – üppig. Es geht noch mehr, wenn der Zweitakku mit 500 Wh auf dem Unterrohr klemmt. Dann steigt die Reichweite nach Bianchi-Angaben auf 195 Kilometer – aber auch der Preis um rund 500 Euro. Der Zweitakku lässt sich aber auch als Erstakku wählen – dann sinkt der Preis um 560 Euro.

Rund um die Rahmenplattform hat Bianchi eine ganze Fahrradfamilie geschaffen. So kann der Kunde auch zu einem spezieller zugeschnittenen E-Omnia greifen. Außer dem Hybrid-Konzept T-Type gibt es C-Type, ein Urban-Bike, und das X-Type, ein E-Mountainbike.

Das werden wir in Erinnerung behalten: Es muss nicht unbedingt eines jener ungehobelt wirkenden SUV-Bikes sein. Das T-Type fährt mit gewissem Chic vor und hat doch das Zeug zum Allzweckrad. Wäre da nur nicht der Patzer mit dem Gepäckträger-Adapter.