Big, bigger, Bentley Am oberen Limit

Bentley, die Luxusmarke im VW-Konzern, tritt derzeit mit stolz geschwellter Brust auf. Steigende Verkaufszahlen, neue Modelle und die Rückkehr in den Rennsport haben das Selbstbewusstsein enorm gestärkt.


Mit dem Bentley EXP Speed 8 kehrt die Marke zum Rennsport zurück

Mit dem Bentley EXP Speed 8 kehrt die Marke zum Rennsport zurück

Am kommenden Wochenende (16./17. Juni) startet Bentley nach 71 Jahren wieder beim Langstrecken-Klassiker von Le Mans. Zwei EXP Speed 8 Rennwagen, die einzigen geschlossenen Prototypen auf der Piste, sollen an den Ruhm längst vergangener Tage anknüpfen. Denn in den Jahren 1924 und dann von 1927 bis 1930 gewannen Bentley-Automobile das legendäre Rennen in der Stadt an der Sarthe.

Das Le-Mans-Engagement ist aber viel mehr als nur eine Rückkehr in den Motorsport. Bei Bentley herrscht Aufbruchstimmung. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Beispiel den, dass die Verkaufszahlen eine zuletzt für die Marke erfreuliche Entwicklung nehmen. Im vergangenen Jahr verkaufte die britische Edelmarke weltweit 1406 Fahrzeuge, davon 101 Exemplare über die zwölf Händler in Deutschland. Als Volkswagen im Jahr 1998 den Autobauer aus Crewe übernahm, lag die Produktionsziffer bei 414 Bentleys.

Eine beachtliche Steigerung hat die Marke also bereits hinter sich. Doch die Pläne reichen noch viel weiter. Binnen der nächsten fünf Jahre nämlich soll der Absatz von Bentley-Modellen auf mehr als 9000 Exemplare pro Jahr aufgebläht werden. Dieser Optimismus liegt vor allem darin begründet, dass ein "kleiner" Bentley offiziell wird der Wagen derzeit unter dem Kürzel MSB (Mid Sized Bentley) bezeichnet neue Käuferschichten erschließen soll. Das Karosseriedesign des Autos ist fertig, die Entwicklung läuft derzeit auf Hochtouren. Läuft alles nach Plan, soll der Wagen beim Genfer Automobilsalon 2003 vorgestellt und kurz darauf verkauft werden. Der MSB, der, wie es bei Bentley heißt, "deutlich über 200.000 Mark" kosten wird, soll für all jene interessant sein, die vom komfortablen Fahrersitz ihres BMW 7er, ihrer Mercedes S-Klasse oder ihres Audi A8 aus nach einem nochmals höher positionierten Fahrzeugen Ausschau halten.

Nobel, nobel: Der Bentley Continental R Le Mans von innen

Nobel, nobel: Der Bentley Continental R Le Mans von innen

Eine Steigerung der Verkaufszahlen ist vor allem auch deshalb nötig, weil die bislang gemeinsam produzierenden Marken Bentley und Rolls-Royce demnächst getrennt werden. Ab 31. Dezember 2002 fällt Rolls-Royce an BMW. Gefertigt werden die Rolls-Royce-Modelle ab dann im neuen Werk Goodwood in Südengland. Bentley bleibt bei VW und bleibt außerdem in Crewe. Und um das Werk, das derzeit für viel Geld grundlegend modernisiert wird, sinnvoll auszulasten, kann eine deutliche höhere Stückzahl nicht schaden.

Nicht unbedingt die Stückzahl, aber zumindest das Image und die neue Sportlichkeit der Marke Bentley, sollen die beiden aktuellen Sondermodelle steigern. Es handelt sich um 150 Exemplare des Arnage "Le Mans Series" und lediglich 50 Fahrzeuge des Continental R "Le Mans Series". Lackiert sind die bulligen Zweitürer in "Verdant Green", das Leder im Innenraum schimmert in den Farbtönen "Autumn" und "English Tan". Die Autos rollen auf 18-Zoll-Rädern daher, zeigen kokett ihre rot lackierten Bremssättel und protzen mit vier verchromten Auspuff-Endrohren.

Der limitierte Arnage kostet 476.000 Mark und ist mit einem V8-Motor mit 6,75 Liter Hubraum bestückt, der unterstützt von Turboladern und Ladeluftkühlern 405 PS (298 kW) entwickelt. Das Drehmoment liegt bei 835 Nm. Noch stärker ist der Continental R in der Sonderausführung; die Motorleistung dieses Autos wurde auf 426 PS (313 kW) gesteigert. Der Preis des Wagens liegt bei 658.000 Mark.

Ein Wagen mit Stil: Der Bentley Continental R Le Mans

Ein Wagen mit Stil: Der Bentley Continental R Le Mans

Schwer vorstellbar, dass Menschen, die ein solches Auto kaufen, zum Rennen nach Le Mans fahren um dort die Boliden "ihrer" Marke beim Rundendrehen zu beobachten. Andererseits sind Bentley-Fahrer naturgemäß Traditionalisten und Leute mit Stilgefühl. Da läge es wiederum Nahe, dorthin zurückzukehren, wo der Mythos der sportlichen Edlemarke vor mehr als 70 Jahren entstand. Bentley-Chef Tony Gott sieht das ähnlich: "Wir kehren an die Stätte unserer größten Triumphe zurück. Mit dem lautesten, unbequemsten, engsten und zweifellos unpraktischsten Bentley, der je gebaut wurde.

Sein Kraftstoffverbrauch bewegt sich in Größenordnungen, die die größten Geländewagen aussehen lassen wie Teilnehmer an einem Sparwettbewerb. Er hat keine Airbags, keine Dosenhalter, kein Navigationssystem, und er wird sich niemals verkaufen." Erst mal würde es reichen, wenn wenigstens einer der Bentley-Renner ins Ziel kommt.



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