Autogramm BMW 2er Cabrio Das kleine Schwarze

Der Name ist neu, das Konzept ist das alte: BMW hat den Nachfolger des 1er-Cabrios vorgestellt. Der kompakte 2er mit Textildach sieht rassig aus, fährt knackig - und hat eine gute Nachricht für Fondpassagiere parat.

BMW

Der erste Eindruck: Kleinstes Cabrio im BMW-Programm? Der 2er ist ordentlich gewachsen und wirkt auf den ersten Blick mittlerweile fast so groß wie der 4er - nur dass er das Schaulaufen am Strand mit seinem knappen Textil-Top ganz lässig gewinnt. Knackig, sportlich und sommerlich sieht das Auto aus - im Gegensatz zum größeren Modell mit Blechmütze und entsprechend breitem Heck.

Das sagt der Hersteller: Wenn Armin Hildisch über das kleinen BMW-Cabrio spricht, dann benutzt er gern das Bild vom Start-Ziel-Sieg. "Seit 2008 der offene 1er auf den Markt kam, ist BMW unangefochten Marktführer in diesem Segment", sagt der Projektleiter. 130.000 Exemplare wurden in den vergangenen sechs Jahren verkauft, der Löwenanteil davon in Deutschland (rund 42.000 Modelle).

Das 2er-Cabrio sei noch alltagstauglicher geworden, sagt Hildisch und lenkt den Blick auf das bessere Platzangebot im Fond, einen größeren Kofferraum und eine deutlich gewachsene Durchladeluke nach vorn. Ein andere Neuheit, die BMW in den Mittelpunkt rückt, dass nämlich in diesem Cabrio zum ersten Mal Online-Updates des Navigationssystems möglich sind, hat seit der Entdeckung der elektronischen Sicherheitslücken allerdings einen schalen Beigeschmack.

Das ist uns aufgefallen: Sobald man den unscheinbaren Verdeck-Bedienknopf auf der Mittelkonsole gedrückt hat, tritt eine Elektromechanik in Aktion und faltete die Stoffhaube nach hinten; während der Fahrt und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Zwanzig Sekunden dauert der Vorgang, dann hat sich das Coupé in ein Cabrio verwandelt.

Je nach Stellung der Fenster und der Position des Windschotts zupft der Wind entweder nur sanft an den Haarspitzen oder rupft wie ein grantiger Friseur am Kopf. Außerdem sinkt mit dem Einfalten des Daches der Schwerpunkt ein wenig ab. Dadurch wird der hinterradgetriebene Kompaktwagen zu einer in dieser Klasse unvergleichlichen Fahrmaschine.

Der Wagen stiehlt dann nicht nur optisch dem BMW 4er Cabrio die Schau, sondern er kommt fahrerisch dem BMW Z4 verdammt nah. Wenn der Fahrer zusätzlich mittels des sogenannten Fahrerlebnisschalters das "Sport plus"-Programm auswählt, kann er mit dem Auto extrem sportlich über eine freie Kurvenstrecke flitzen. Einen echten Roadster werden nach so einer Fahrt nur noch wenige Menschen begehren.

Das muss man wissen: Der Verkauf des neuen Open-Air-Modells beginnt bei BMW am 28. Februar, und die Preise starten - wenn alle Motoren verfügbar sind - bei 32.200 Euro. Damit ist das 2er Cabrio rund 5000 Euro teurer als das 2er Coupé. Zur Wahl stehen insgesamt drei Benziner mit 136, 184 oder 245 PS und eine Dieselmotorisierung, die auf 190 PS kommt. Letzterer ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,4 Liter das sparsamste offene Auto in der BMW-Modellfamilie.

Obenauf gibt es dann noch das Sahnehäubchen für Leistungsfetischisten, nämlich das Modell M 235i mit 326 PS starkem Sechszylindermotor zu einem Preis von 49.100 Euro. Beim Coupé ist inzwischen jedes dritte verkaufte Modell eine M-Variante - das kommt einer Lizenz zum Gelddrucken schon sehr nahe. Und derart üppige Umsätze soll nun auch die offene Form dieses Autos generieren.

Doch so extrem muss es gar nicht sein. Der von uns gefahrene 228i ist nämlich keineswegs untermotorisiert, im Gegenteil. Das 245 PS starke Auto bietet horrenden Fahrspaß. Weniger lustig ist der Blick in die Preisliste der Baureihe, ein 64 Seiten dickes Heft, nach dessen Durchblättern einem klar geworden ist, warum ein Auto dieser Art unter Einbeziehung einiger Extras ruckzuck 50.000 oder gar 60.000 Euro kostet.

Das werden wir nicht vergessen: Wenn das Wetter passt, macht das kleinste Cabrio im BMW-Angebot einen Heidenspaß. Vor allem aber bleibt die Sitzprobe im Fond in Erinnerung. Klar, von Hamburg nach München möchte man als Erwachsener so nicht fahren. Aber die Kniefreiheit ist gewachsen und nun okay; dazu ist der Einstieg in den Fond wesentlich bequemer als beim Coupé und Kopffreiheit gibt es ohne Ende - jedenfalls solange, bis das Verdeck wieder geschlossen wird.

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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
kloppskalli 04.02.2015
1. sehr huebsch, aber
leider nur von vorn. Das heck und vor allem der Innenraum... geht gar nicht. Viel zu wuchtig, keine Eleganz. Dann kauf ich lieber nen gut erhaltenen 3er Cabrio gebraucht.
trader_07 04.02.2015
2. Gefällt....
Gefällt mir.... und dürfte in der 228i-Variante auch wirklich Spaß bereiten. Aber ich bin gespannt, wann der erste Uralt-Volvo-Fahrer hier auftaucht und meckert, dass man keine Waschmaschine reinbekommt...
RobMcKenna 04.02.2015
3.
Vom "kleinen Schwarzen" schreiben und Fotos von einem silbernen Auto dazupacken - Realsatire à la SpON. :-)
No use for a name 04.02.2015
4. Der Äpfel/Birnen Vergleich
Den 2er mit dem 4er zu vergleichen zeugt nicht gerade von fachlicher Kompetenz...anderes Auto, andere Zielgruppe Herr Grünweg.
Mannheimer011 04.02.2015
5. Sind das Blinker?
in den vorderen Kotflügeln? Sieht jedenfalls bescheuert aus der orange Fleck im Blech.
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