BMW 320i GT Einer für alle

Der neue 3er GT versucht, das Beste aus allen Welten zu kombinieren: eine schnittige Coupé-Linie mit der Alltagstauglichkeit von Limousine und Kombi. Ist das des Guten zu viel?

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


"One size fits all" - ein Standardteil, das allen passt - dieses Prinzip ist aus der Bekleidungsindustrie bekannt. Es funktioniert, von Krawatten, Schals oder Schürzen einmal abgesehen, nur selten. Umso eigentümlicher, dass auch die Autoindustrie immer mal wieder versucht, es umzusetzen: jüngstes Beispiel ist der BMW 3er GT. Ein Auto, das einerseits größer und variabler ist als die Limousine der Baureihe, das es aber andererseits vermeidet, nach Kombi auszusehen. Das ist wichtig, denn außerhalb Europas sind Kombi-Fahrzeuge nur schwer vermittelbar, zumal wenn sie mit Luxusanspruch daherkommen.

Also ersannen die BMW-Designer eine Fahrzeugform, die ein bisschen nach übergewichtigem Coupé aussieht. Das Auto verfügt über vier Türen, einem schräg abfallenden Fond mit großer Heckklappe, und es basiert auf dem um elf Zentimeter verlängerten Radstand der 3er-Limousine für den chinesischen Markt. Wenn man drin sitzt, ist der Wagen auf allen Plätzen angenehm luftig und großzügig. Von außen betrachtet, verliert er jedoch an Attraktivität. Die Proportionen sind ungewohnt. Fast könnte man denken, dieser BMW trüge einen Jogginganzug aus der "One size fits all"-Abteilung.

Vermutlich entstand die Form des Autos vor allem aus Vorgaben des Marketings. Mangelnden Einsatz kann man den Designern nicht vorwerfen: Kein einziges Blechteil der Karosserie wurde von der Limousine übernommen, selbst die Motorhaube erhielt eine leicht veränderte Form. Die beiden unmittelbarsten Vorteile der neuen Karosserie sind folgende: Das Kofferraumvolumen ist mit 520 bis 1600 Litern größer als beim Kombimodell 3er Touring (495 bis 1500 Liter), und die Sitzhöhe ist um sechs Zentimeter höher, so dass man fast schon meint, man führe im SUV-Modell X3.

Motorisiert war unser Testauto mit dem schwächsten der drei verfügbaren Benzinmotoren, wobei das Wort schwach in diesem Fall fast schwachsinnig ist. Die Leistung des 2-Liter-Vierzylinders liegt bei 184 PS. Die haben es mit gut 1,6 Tonnen Leergewicht zu tun, beschleunigen das Auto in 7,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h. Kurz gesagt: Dem Wagen fehlt es gewiss nicht an Agilität. Der Durchschnittsverbrauch liegt nach Herstellerangaben bei 6,2 Litern, nach unseren Fahrten lagen wir rund eineinhalb Liter darüber.

Die klobige Optik wird auf einmal ganz leicht

Was beim 3er GT mehr auffällt als bei der Limousine, ist die erstaunliche Handlichkeit des Autos. Das liegt zum einen an der ungemein leichtgängigen und vielleicht sogar ein bisschen zu buttrigen elektrischen Servolenkung. Zum anderen hat es gewiss mit der Erwartungshaltung zu tun, denn in den GT steigt man ein mit dem Gefühl, gleich ein klobiges Familienauto zu bewegen. Umso erfreulicher ist es dann, wenn der Wagen praktisch genauso flink über die Landstraße wedelt wie jeder andere 3er auch.

Autotester von Fachmagazinen, die den Wagen offenbar über Rennstrecken trieben, stellten aufgrund des höheren Schwerpunkts und des längeren Radstands beim GT gewisse Dynamik-Einbußen gegenüber der Limousine fest. Zudem tritt der GT mit der Fahrwerksabstimmung des Kombi-Modells an der Hinterachse an. Das mag alles sein, hat jedoch im normalen Alltagsverkehr keine Bedeutung. Da ist es beispielsweise wichtiger, dass der Wagen trotz seiner Größe noch einigermaßen übersichtlich geraten ist und das Einparken in enge Lücken auch ohne Rückfahrkamera oder Parkassistenten (Aufpreis des Pakets: 1190 Euro) kratzerfrei funktioniert.

Das Interieur des GT entspricht weitgehend dem der anderen 3er-Modelle und ist deshalb rund um den Fahrerplatz gewohnt vollgepackt, zugleich aber auch von einer gewissen Lässigkeit, was vor allem an der Asymmetrie der Mittelkonsole liegt. Das sieht nicht unbedingt schick aus, ist aber auf jeden Fall mal etwas anderes. Genau wie der merkwürdige Wählknüppel der Achtgang-Automatik, der aussieht, als habe sich der Designer vom unteren Endes des Drivers aus seiner Golftasche inspirieren lassen.

Drehen, drücken, freuen

Uneingeschränktes Lob verdient inzwischen das iDrive-System für Navigation, Radio, Bordcomputer und anderes mehr. Die Menüführung ist ziemlich narrensicher, und der Dreh-Drück-Knopf auf der rechten Seite der Mittelkonsole reagiert derart feinfühlig und sensibel, dass man allein aus Freude am Herumfingern gute Laune bekommt. Endlich, möchte man sagen, denn das war mal völlig anders.

Und wo steht jetzt der 3er GT im Vergleich zu Limousine und Kombi? Ungefähr in der Mitte, aber auf gleicher Höhe mit diesen, könnte man sagen. Die bessere Wahl ist der im Vergleich zur Limousine um etwa 3000 Euro (und zum Kombi um rund 1500 Euro) teurere GT nur dann, wenn man das zusätzliche Platzangebot regelmäßig braucht. Ansonsten ist es - auch in diesem Fall - vor allem eine Geschmacksfrage.

Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
truereader 29.10.2013
1. lustig
Zitat von sysopJürgen PanderDer neue 3er GT versucht, das Beste aus allen Welten zu kombinieren: eine schnittige Coupé-Linie mit der Alltagstauglichkeit von Limousine und Kombi. Ist das des Guten zu viel? http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/bmw-320i-gt-das-mittelklasse-auto-das-es-allen-recht-machen-will-a-930429.html
lustig zu lesen, das hiern ichts Negatives über den Vierzylinder steht. Specken andere ausländische HerstellerZylinder ab, wird immer alles negativ geredet. Hier ist auch nichts anderes verbaut und die Fahrleistungen sind wie bei den Konkurrenten gleich. Aber über die deutschen Hersteller darf man ja nicht zu viel Negatives schreiben. Man könnte den Werbekunden verlieren.
10prozentfett 29.10.2013
2. "ersannen" ? hüstel ...
---Zitat--- "Also ersannen die BMW-Designer eine Fahrzeugform ..." ---Zitatende--- ... die man schon beim Audi A5 Sportback vor vier Jahren gesehen hat - nur das der Audi sehr viel eleganter aussieht weil auf diesen komischen Pummelpo verzichtet wurde.
hansmaus 29.10.2013
3.
Zitat von truereaderlustig zu lesen, das hiern ichts Negatives über den Vierzylinder steht. Specken andere ausländische HerstellerZylinder ab, wird immer alles negativ geredet. Hier ist auch nichts anderes verbaut und die Fahrleistungen sind wie bei den Konkurrenten gleich. Aber über die deutschen Hersteller darf man ja nicht zu viel Negatives schreiben. Man könnte den Werbekunden verlieren.
hehe ein Schelm..... die Form ist auch so eine Sache, da Fabuliert der "Tester" über Cupe artige Formen etc dabei hat der eine ganz banale fließheck Karrre vor sich wie es sie schon gefühlt seit den letzten 100 Jahren gab ;) OPel Vectra, Mitsubishi Galant, Toyota etc. gabs alle schon als "GT" :D ich lach mich immer schepp wenn ich "Journalisten" lese die 1:1 das nachplappern was ihnen das Marketing oder die Gesinnungspolizei vorgibt :)
johndo89 29.10.2013
4. ist doch ein alter Hut
vor Jahren hatten andere Hersteller so eine Modellvariante schon im Programm, nannte sich einfach nur Fließheck und sah meist auch gefälliger aus als die GT Variante von BMW. Also, nichts neues aus Deutschland
alucard0390 29.10.2013
5. Die welt hat einen sinnlosen gt mehr
Diese schüsseln in jeder größe ob gt1/3/5 sind absolut überflüssig entweder limo oder kombi wer was anderes braucht kann sich sowas wie einen x5 oder x3 kaufen aber keinen hybrid der aussieht als hätte ne limo mit nen kombi ein verkrüppeltes kind. Die meisten die sowas fahren brauchen den garnicht und ihnen würde ne limo reichen aber wann wird der quatsch endlich aufhören
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.