BMW 330i Security Mach mir die Agentenwende

Bei BMW erzählt man sich, dass alles mit Franz Josef Strauß begann. Anfang der siebziger Jahre erkundigte sich der damalige CSU-Chef nach einem gepanzerten Auto aus bayerischer Produktion. Seither baut BMW "Security-Fahrzeuge". Jüngstes Produkt ist der 330i Security.


BMW 330i Security: Bedarf an kleineren gepanzerten Autos

BMW 330i Security: Bedarf an kleineren gepanzerten Autos

Diskretion ist das Wichtigste im Geschäft mit gepanzerten Autos. Wie viele werden gebaut? An wen werden sie verkauft? Woran kann man sie erkennen? Das alles ist streng geheim - normalerweise. Doch weil BMW jetzt erstmals in der 3er-Baureihe ein Security-Modell anbietet und demnächst auch der Geländewagen X5 in einer Sicherheits-Ausführung verfügbar sein wird, geben die Münchner ein paar kleine Geheimnisse preis.

Klar ist, dass Staatschefs und Minister, Industriekapitäne und Bankvorstände in besonders gesicherten Luxuslimousinen chauffiert werden. Doch inzwischen gibt es auch einen Bedarf an kleineren gepanzerten Autos. "Kunden sind zum Beispiel Unternehmer oder Anwälte, Künstler oder Richter und natürlich auch Regierungen", sagt Dirk Kabun, bei BMW verantwortlich für den Direktverkauf gepanzerter Fahrzeuge. "Diese Leute möchten ein möglichst unauffälliges und kompaktes Auto, das zuverlässigen Schutz vor Raubüberfällen, Kidnapping oder anderen Angriffen bietet."

Fenster nach Beschusstest: Innenraum bleibt splitterfrei und unversehrt

Fenster nach Beschusstest: Innenraum bleibt splitterfrei und unversehrt

Ein Auto also, wie den BMW 330i Security, der die Schutzklasse B4 erfüllt, wie das Zertifikat 2/2003 des Beschussamts München bestätigt. (Staatskarossen, die ihre Insassen auch vor Bomben schützen, erfüllen die Schutzklasse B6 oder B7.) Die Beamten feuerten aus fünf Meter Entfernung mehrere hundert Schüsse auf die Türen, die Türholme, die Scheiben, das Dach und die Kotflügel des Autos. Abgefeuert wurden Pistolen des Kalibers 9, Revolver des Kalibers .44 Magnum und ein Heckler&Koch-Maschinengewehr. Das Resultat: Der Innenraum war splitterfrei und unversehrt.

BMW sagt, die Panzerung eines Autos während des Produktionsprozesses sei wesentlich wirkungsvoller als eine nachträgliche Armierung. Zum Beispiel könnten Fugen und Spalten - eine typische Schwachstelle - viel besser mit schusssicheren Stählen abgedichtet werden. Die komplette Sicherheitsausstattung mit Spezialstahl, extra starken Scharnieren, 21 Millimeter dickem Glas inklusive Polycarbonat-Beschichtung, Notlaufreifen, einem Kommunikationssystem, damit die Seitenscheiben nicht geöffnet werden müssen, und besonderem Schutz für Tank und Batterie wiegt etwa 200 Kilogramm. Dennoch biete das Auto, so BMW, "die annähernd gleiche Dynamik wie das Serienmodell".

Fahrzeugschein
Hersteller: BMW
Typ: 330i Security
Karosserie: Limousine
Motor: Sechszylinder-Benziner
Hubraum: 2.979 ccm
Leistung: 231 PS (170 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 7,3 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 9,9 Liter
CO2-Ausstoß: 235 g/km
Kofferraum: 440 Liter
Preis: 70.000 EUR
Um das zu beweisen, luden die bayerischen Autobauer zum Fahrversuch mit dem 330i Security in ihr Fahrsicherheitszentrum am Münchner Flughafen ein. Vollbremsung, Ausweichmanöver, Übersteuern und die klassische "Agentenwende" - rückwärts fahren, auf der Stelle das Auto um 180 Grad herumwirbeln und dann vorwärts die Flucht ergreifen - standen auf dem Programm. Der gepanzerte Dreier, zum Vergleich konnte auch der normale 330i ausprobiert werden, meisterte die Kunststückchen zwischen den Pylonen sehr souverän.

Wenn man erst einmal die deutlich schwere Tür aufgezogen und wieder zugeschlagen hat, fährt sich das Auto völlig normal. Fahrwerk und Bremsen wurden dem höheren Gewicht angepasst, der Sechszylindermotor hat ohnehin ausreichend Kraft. Nur unmittelbar nach dem Fahrzeugwechsel vom Security-Auto ins Serienmodell spürt man den Unterschied - etwa so, als wechsle man zwischen Wintermantel und Lederjacke.

Tür nach Beschusstest: Zuverlässiger Schutz vor Raubüberfällen, Kidnapping oder anderen Angriffen

Tür nach Beschusstest: Zuverlässiger Schutz vor Raubüberfällen, Kidnapping oder anderen Angriffen

Äußerlich erkennbar ist die Security-Version nicht. Außer man geht sehr nahe ran, dann sieht man die Dicke der Scheiben und ahnt, dass hier ein besonderes Auto steht. Gebaut wird der gepanzerte Dreier im BMW-Werk im mexikanischen Toluca. Das passt auch geografisch, denn die Mehrzahl der ungefähr 200 montierten Exemplare pro Jahr wird in Süd- und Mittelamerika verkauft. Das Security-Modell ist etwa doppelt so teuer wie der Serien-330i, und für den verlangt BMW 35.200 Euro. Den Mehrverbrauch des gepanzerten Autos bezogen auf das normale Modell geben die Münchner mit einem halben Liter Benzin je 100 Kilometer an. Ein Mehr an Sicherheit gibt es eben nicht zum Schnäppchenpreis.



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