BMW 530d xDrive Touring Das Auto für den Piloten im Manne

Man setzt sich in dieses Auto und kann es nicht fassen - überall Knöpfe, Tasten, Schalter, Anzeigen. Wer als Kind Pilot werden wollte, ist im BMW 5er Touring dem Ziel schon sehr nahe gekommen. Das Auto kann zwar nicht fliegen, aber lange Strecken vergehen wie im Flug.

Jürgen Pander

Gerne sprechen Autodesigner und Marketingleute von der intuitiven Bedienung. Man ahnt, was sie damit meinen, doch wirklich erleben kann man es nur sehr selten, dass sich ein Gerät auf Anhieb korrekt bedienen lässt, weil die dazu nötigen Handgriffe nur allzu logisch und folgerichtig erscheinen. Der 5er BMW ist dafür das beste Beispiel. Allerdings weniger, weil einzelne Bedienschritte zu kompliziert wären - es liegt vielmehr an der schieren Menge an Dreh-, Drück- oder Kippschaltern. In unserem Testwagen, einem BMW 530d XDrive Touring, also dem Kombimodell mit Allradantrieb, gibt es auf der Armaturentafel 66 Tasten und Schalter. Dazu kommen zwei weitere Knöpfe auf dem Schalthebel des Automatikgetriebes, die Lenkstockhebel, die Hupe auf dem Lenkradtopf sowie insgesamt acht Schalter für Fensterheber und Außenspiegelverstellung an der Fahrertür.

Das wirkt extrem unübersichtlich und zugleich auch beeindruckend. Auf Anhieb wird nämlich deutlich, dass dies hier ein Hightech-Automobil ist. Mit Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Überwachung, Fahrwerksverstellung, Achtgang-Automatik inklusive Start-Stopp-Funktion, Rückfahrkamera sowie Head-up-Display, in dem auch das auf dem aktuellen Streckenabschnitt gültige Tempolimit eingeblendet wird. Das Head-up-Display inklusive Speed Limit Info kostet 1710 Euro Aufpreis, ist jedoch eine sinnvolle Investition für Vielfahrer, denn das Geschwindigkeitsgefühl geht in diesem knapp zwei Tonnen schweren Kombi verloren.

Im Prinzip sitzt man nicht in diesem Auto, sondern man wird regelrecht eingebettet. Das hat nichts mit der Stellung der Rückenlehne zu tun, sondern vielmehr mit dem Eindruck, völlig abgekapselt vom Alltag vorwärts zu gleiten. Geräusche dringen nur extrem gedämpft an die Ohren der Insassen, und das Fahrwerk filtert die Verwerfungen der Straße wirksam weg.

Auf längeren Autobahnabschnitten fördert das womöglich die Kondition und beugt Ermüdungserscheinungen vor, auf kurzen Strecken hingegen kann diese Isolation von der Umgebung durchaus nervös machen. Weil man viel zu selbstbezogen vor sich hin fährt, und ohne die Assistenzsysteme vermutlich gar nicht mehr klarkäme.

Noch etwas fördert die Empfindung, von diesem Wagen irgendwie eingelullt zu werden: In Innern fühlt man sich buchstäblich wie in einem Kokon. Wohl gemerkt: Das Auto ist ein Trumm, 4,90 Meter lang und 1,86 Meter breit. Doch auf den vorderen Plätzen ist davon wenig zu spüren: Die Armaturentafel ragt tief ins Wageninnere und die Konsole in der Mitte macht sich extrem breit. Aber BMWs galten schließlich noch nie als Raumwunder und irgendwo muss die ganze Elektronik ja untergebracht werden, die man an der Oberfläche lediglich durch die Unzahl an Schaltern wahrnimmt.

Schon wieder ein unerreichbarer Verbrauchswert

Der Eindruck von Ruhe und Abgeschiedenheit spiegelt sich allerdings nicht in den objektiven Messwerten wider. Der Reihensechszylinder-Dieselmotor des 530d leistet üppige 258 PS, entwickelt ein Drehmoment von maximal 560 Nm und hat deshalb keine Mühe mit dem kolossalen Auto. In 6,3 Sekunden kann man mit dem Modell aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen, und bei Bedarf erreicht die Fuhre eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h.

Doch man muss ja nicht rasen, nur weil man in einem BMW sitzt und die Autos dieser Marke aufgrund jahrzehntelang wiederholter Mantras der Werbeagenturen grundsätzlich als Sportwagen gelten. Der elegante Sechszylinder-Diesel jedenfalls schluckte während unserer Testfahrten im Schnitt 7,9 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer. Das ist nicht wenig, aber eigentlich noch in Ordnung für einen Wagen dieses Zuschnitts. Einmal mehr wird an diesem Auto die Praxisferne der aktuell gültigen Verbrauchsnorm deutlich, denn nach dieser konsumiert der 530d xDrive Touring im Schnitt 5,8 Liter.

Technisch immerhin gibt sich der Wagen alle Mühe, den Spritdurst in Grenzen zu halten. Neben der Start-Stopp-Automatik ist auch eine Bremsenergie-Rückgewinnung an Bord und - vielleicht das wirkungsvollste Detail in dieser Hinsicht - die für BMW seit Jahren typische Analoganzeige des Momentanverbrauchs im Cockpit. Wer auch nur leicht aufs Gaspedal tritt erkennt hier unmittelbar, dass die Freude am Fahren eben immer auch eine Absage ans Spritsparen bedeutet.

Praktisches und variables Ladeabteil

Was uns gut gefiel am BMW Touring ist der hohe Nutzwert des Gepäckabteils. Der Laderaum ist nützlich geschnitten, mit einem Volumen von 560 bis 1670 Litern ordentlich groß und vor allem durch die dreigeteilte Rücksitzlehne auch sehr variabel. Die elektrisch öffnende und schließende Heckklappe (Aufpreis 560 Euro) ist in manchen Situationen praktisch, kann aber auch nerven, wenn es mal schnell gehen soll. Immerhin lässt sich dann auch nur die Heckscheibe aufklappen. Und wer es ganz komfortabel haben möchte, kann auch noch eine Soft-close-Automatik, vulgo Zuziehhilfe, für die Türen bestellen (Aufpreis 640 Euro).

Dann blickt man wieder, während sich die Tür noch automatisch schließt, auf die erstaunliche Ansammlung von Knöpfen und Tasten, drückt den Startknopf, und fühlt sich ganz kurz wieder wie der kleine Junge, der mal Pilot werden wollte.

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